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Letztes Update: 05.06.2004 |
Die eiskalten Briefe des Albert Einsteins
Seiner Frau schrieb das Mathematik-Genie: "Erwarte keine Zuneigung von mir"
Seine Briefe waren so kalt und kalkuliert, wie seine mathematischen Formeln. Das Genie Albert Einstein: gefühllos, sarkastisch und berechnend. Jetzt kommen die dunklen Seiten des Nobelpreisträgers ans Tageslicht. Der so sympathische, etwas schusselige Wissenschaftler entpuppt sich in seinen Briefen als wharlich frauenfeindliches Scheusal.
Ein kleines Beispiel aus seinem Briefverkehr: "Ich behandle meine Frau wie eine Angestellte, der man nicht kündigen kann." Die Korrespondenzen, meist in deutsch, sind Dokumente über das qualvolle Ende der Ehe mit seiner Frau Mileva. Auch der lieblose Umgang mit den Söhnen wird überdeutlich.
Die Briefsammlung enthält die wichtigsten Dokumente über den Wissenschaftler Einstein, die jemals zum Kauf angeboten wurden. A 25. November werden die etwa 400 Briefe bei Christie's in New York versteigert. Christie's erwartet den Zuschlag bei 2 Millionen Dollar. Unter den Hammer kommt an diesem Tag auch ein naturwissenschaftliches Manuskript (350000 Dollar). Die Schriftstücke wurden 1986 in einem Bankschließfach in Berkeley (US-Bundesstaat Kalifornien) gefunden.
Im Juli 1914 schreibt Albert Einstein an seine Frau Mileva Maric. Der Inhalt, unter denen er die Heirat mit ihr aufrechterhalten würde.
a) Meine Kleider und meine Wäsche müssen in Ordnung gebracht werden.
b) Serviere mir jeden Tag drei Mahlzeiten in meine Zimmer.
c) Unsere Beziehung beschränkt sich auf gesellschaftliche Verpflichtungen. Es gibt zwischen uns kein persönliches Verhältnis mehr.
d) Erwarte keine Zuneigung mehr von mir.
e) Sobald ich Dir befehle, den Raum zu verlassen, sei es mein Schlafsimmer oder mein Arbeitszimmer, hast Du dies sofort zu befolgen. Keine Proteste!
Als Einstein nach neun Jahren Ehe seine Frau mit seiner Cousine Elsa (später seine zweite Frau) betrügt, wird die Situation für Mileva unerträglich. In einem haßerfüllten Brief an Elsa schreibt Einstein über Mileva: "Sie ist eine unfreundliche, humorlose Kreatur."
Aber das war noch lange nicht die schlimmste Demütigung. In einem anderen Brief heißt es: "Ich habe mein eigenes Schlafzimmer und vermeide es, mit ihr alleine in einem Raum zu sein." Die Wortwahl, sie ist menschenverachtend. Bis 1919 erträgt Mileva noch diese qualvolle und erniedrigende Situation. Dann billigt sie in die Scheidung ein. Einstein verspricht daraufhin, ihr den Nobelpreis zuzusprechen, falls er ihn gewinnen sollte: Mileva hatte die meiste Arbeit bei der Entwicklung der Relativitätstheorie geleistet. Doch als Einstein 1922 den Preis gewinnt, unterstellt er ihr, sie sei lediglich am Geld (32000 Dollar) interessiert.
Auch seine Kinder litten an der unterkühlten Art des Genies. Ein einigermaßen normales, väterliches Verhältnis aufbauen - es war schier unmöglich. In den Briefen an seinen Sohn Hans Albert geht es immer nur um mathematische Formeln, wissenschaftliche Theorien. Später gibt er ihm schriftliche Anweisungen für seine Karriere als Ingenieur.
Einstein blieb für seine Kinder ein Fremder. Zu seinem Sohn Eduard brach er den Kontakt völlig ab, als er in den 20er Jahren geisteskrank wurde. Später schreibt er: "Hätte ich jemals gewußt, in welchem Zustand er sein würde, er wäre niemals auf diese Welt gekommen."
Als seine Frau auf dem Totenbett liegt, bewegt dies den starrsinnigen Mann noch immer nicht um Umdenken. Unfähig seine Gefühle zu äußern, bat er seinen Sohn Albert, der Mutter einen Liebesbrief zu schreiben. Er gab ihm sogar Anweisungen, was dort zu stehen habe: "Sag ihr, sie braucht sich um nichts sorgen zu machen. Nicht einmal um Eduard."
Und auch als Einstein seinem eigenen Tod in die Augen blickt, zeigt er sich von seiner dunkelsten Seite - sarkastisch und voller Haß. In einem Brief an einen Nachbar und Jugendfreund schrieb er: "Ich bin der triumphierende Überlebende - über die Nazis und zwei Ehefrauen."
Aus: "Sonntag aktuell" vom 10.11.1996