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Letztes Update: 05.06.2004

Giger über Jodorowski

Durch Bob Venosa, einen amerikanischen Maler des fantastischen Realismus, der in Cadqués wohnt und in Salvador Dalís Haus verkehrte, hörte ich von Dune. Es handelte sich bei diesem Projekt um einen dreistündigen 70-mm-Science-fiction-Film, in dem Dalí für 100000 Dollar Stundengage eine Hauptrolle spielen sollte (er wurde aber später wegen seiner francofreundlichen Äußerungen wieder ausgeladen). Bob Venosa telefonierte mir, der Regisseur Alexandro Jodorowsky, dem Dalí meine Kataloge gezeigt hatte, sei an meinen Arbeiten interessiert. Also reiste ich nach Spanien, doch leider war Jodorowsky schon abgereist.

Dalí hingegen zeigte höfliches Interesse an meiner Arbeit und stellte mich seiner Frau Gala als einen Spezialisten für Monstren und "Nightmares" vor, bei dem die innere Welt absolut nicht mit der äußeren Erscheinung übereinstimme. Gala meinte darauf, ich würde nur eine Maske tragen, mit meiner Bilderwelt würde ich genau übereinstimmen, und begann anschließend aus ihrem Leben zu erzählen. Sie schimpfte über die Schlechtigkeit der Welt. Wahrlich eine der beeindruckendsten Damen, die ich je kennenlernte.

Ich reiste in die Schweiz zurück und ließ dummerweise meine damalige Freundin in Cadaqués zurück, die Dalí dann Modell stand und die er anschließend an einen Hippie zu verkuppeln suchte. Dalí wollte selbst die Zeremonie zelebrieren und die anschließenden Rituale überwachen. Ich selbst hatte gerade den Magus von John Fowles gelesen und amüsierte mich über die Machtprobe des alten Magiers.

Im Dezember 1975 reiste ich zu der Vernissage einer Ausstellung über den Teufel, für die ich das farbige Plakat entworfen hatte, nach Paris. Bei dieser Gelegenheit ging ich bei Jodorowskys Studio vorbei und hinterließ meine Pariser Adresse. Jodorowsky rief mich daraufhin an und zeigte mir in seinem Studio die Vorbereitungen zu Dune. Vier Science-fiction-Zeichner waren damit beschäftigt, Raumschiffe, Satelliten und ganze Planeten zu entwerfen. Aus meinem Katalog hatte man höflichkeitshalber auch schon ein paar Fotokopien von Bildern, die sich eignen könnten, herumliegen. Jodorowsky sagte mir, daß es ihn freuen würde, wenn ich mit entwerfen würde. Ich könnte einen ganzen Planeten gestalten und hätte dabei völlig freie Hand. Nach meinen Entwürfen würden dreidimensionale Modelle gebaut, in die die Schauspieler hineinkopiert würden. Ich hätte auch die Möglichkeit, Kostüme, Masken usw. zu gestalten.

Mein Planet wurde durch das Böse beherrscht, Schwarze Magie wurde betrieben, Aggressionen ausgelebt, Völlerei und andere Perversionen waren an der Tagesordnung. Kurz, ein Gebiet für mich. Nur Sex dürfte nicht gezeigt werden, da müsse ich planen, als sei der Film für Kinder gemacht. Er hätte es satt, daß seine Filme immer zensiert würden. Ein Team von dreißig Spezialisten würde meine Ideen umsetzen. Ich war begeistert.

Auf Honorar angesprochen, meinte er: "You might be a genius, but we can't pay you as a genius." Auf die Frage, was denn die anderen verdienen, sagte er: "Voss erhält monatlich 4000 Franken." Wahrlich ein bescheidenes Honorar für den Ideenlieferanten eines 20-Millionen-Projektes. Er erklärte mir stundenlang, was für eine gute Reklame das alles für mich wäre usw. Wir trennten uns mit der Abmachung, wegen des Honorars noch zu telefonieren, und er gab mir das Drehbuch mit, damit ich sofort mit der Arbeit beginnen könne.

Wieder in der Schweiz, war ich sehr erstaunt, von einem Vertreter Jodorowskys zu hören, ich solle eine Ansicht des besprochenen Schlosses anfertigen und es nach Paris bringen, um zu sehen, ob es sich für den Film eigne. Der Film wurde dann von David Lynch ohne mich realisiert.

So behandelt man Les Petits Suisses.

H. R. Giger