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Letztes Update: 05.06.2004

Abbott, Edwin A(bbott)
"Flatland" (Dt. "Flächenland")
  9/10 Punkte
Copyright: 1884
Verlag: Princeton Science Library
Erschienen: 1991
Übersetzer: n.a.
Form: Paperback
Umfang: 103 Seiten
ISBN: 0-691-02525-8
Preis: US$ 8,95

Wie könnte eine Welt mit nur zwei Dimensionen aussehen? Was könnten die Einwohner dieser Welt sehen, wie wäre ihr Konzept vom Universum? Diesen Fragen ging Edwin A. Abbott vor mehr als hundert Jahren in seinem Buch "Flatland" nach - einem Werk, das sich rückblickend zu den ersten Klassikern der Science Fiction zählen lässt und bis heute kaum etwas von seinem Reiz verloren hat.

Wie alle Bewohner dieser "flachen" Welt (als Vergleich wäre am ehesten ein unendlich dünnes Stück Papier angebracht) hat auch das erzählende Quadrat keinerlei Vorstellung von dem Begriff "Höhe". Dies ändert sich erst, als ihn ein Bewohner von "Raumland" - unserer gewohnten Welt - besucht (bezeichnenderweise am 31. Dezember 1999) und ihn von der Existenz einer dritten Dimension überzeugen will. Da unserem Quadrat jegliche Fähigkeit zur Wahrnehmung von Höhe fehlt, bleibt dem Besucher nur die Möglichkeit, ihn die "wahre" Gestalt des Universums am eigenen Leibe spüren zu lassen. Doch schnell wird auch dem Quadrat klar, dass selbst der ihm anfangs allmächtig erschienene Besucher nur ein Gefangener seiner eigenen Wahrnehmung ist ...

Hätte "Flatland" nur diese Ebene, wäre es zwar recht amüsant und unterhaltsam - aber mehr auch nicht. Abbott hat diese Welt jedoch als Instrument für seine Kritik an der ihn umgebenden Gesellschaft verwendet, sowohl was die Rolle der unteren Schichten als auch was die Stellung der Frau angeht. Voller Zynismus bemerkt er so beispielsweise auf Seite 16: "The tact and skill which suffice to avert a Woman's sting are unequal to the task of stopping a Woman's mouth". Frauen werden in seinem Buch bewusst als unterbemittelte, irrationale Wesen dargestellt, im wahrsten Sinne des Wortes als bloße Linie - und das in einer Gesellschaft, bei der die Anzahl der Ecken das Maß des sozialen Ranges ist. Wäre nicht das recht ausführliche Vorwort von Thomas Banchoff, das Informationen zu Abbotts Hintergrund und der Bedeutung des Buches enthält, man könnte meinen, Abbott sei selbst einer dieser viktorianischen Chauvinisten.

Diesen beiden Ebenen - die geometrisch-wissenschaftliche und die soziale - ergänzen sich ideal und bilden auch heute noch einen Anreiz zum Mit- und Weiterdenken. Erfreulicherweise benötigt man keine außergewöhnlich guten Englisch-Kenntnisse, um dieses Buch im Original zu genießen. Die Sprache ist überraschend modern, einzig die Verwendung einiger seltener Vokabeln sorgt für stellenweises Stocken. Neben der Kürze gibt es noch einen weiteren Grund, der auch diejenigen, die normalerweise nur die Übersetzung lesen, zum Original greifen lassen dürfte: die deutsche Übersetzung kostet 28 beziehungsweise 68 Mark. (of)

Adams, Douglas
"The Ultimate Hitchhiker's Guide"
  8/10 Punkte
Copyright: 1979-1992
Verlag: Portland House
Erschienen: 1997
Übersetzer: n.a.
Form: Hardcover
Umfang: 815 Seiten
ISBN: 0-517-12485-8
Preis: US$ 14,99

Diese Komplettausgabe im schwarzen Ledereinband enthält:
1. "The Hitchhiker's Guide to the Galaxy" (Dt. "Per Anhalter durch die Galaxis") ©1979
2. "The Restaurant at the End of the Universe" (Dt. "Das Restaurant am Ende des Universums") ©1980
3. "Life, the Universe and Everything" (Dt. "Das Leben, das Universum und der ganze Rest") ©1982
4. "So Long, and Thanks for the Fish" (Dt. "Mach's gut und danke für den Fisch") ©1985
5. "Mostly Harmless" (Dt. "Einmal Rupert und zurück") ©1992
sowie die Bonusgeschichte "Young Zaphod plays it Safe" und eine kurze Chronik des Anhalters.

Als Ende der 70er Jahre die ersten Folgen der BBC-Radioshow "The Hitchhiker's Guide to the Galaxy" gesendet wurden, rechnete wohl niemand mit dem durchschlagenden Erfolg. Auch wenn die Fernsehserie und der Film eher floppten, hat die weltweit einzige "Trilogie in fünf Bänden" einen regelrechten Kultstatus erlangt - und zwar nicht nur unter SF-Fans. Die gelungene Kombination aus Science Fiction und Klamauk scheint den Zeitgeschmack voll getroffen zu haben, und auch nachdem in den letzten Jahren eine Menge ähnlicher Bücher auf den Markt geworfen wurde, verteidigt der Anhalter seine Vormachtstellung.

The Hitchhiker's Guide to the Galaxy:

Während der Großteil der Menschheit von dem Eintreffen einer außerirdischen Bautruppe ziemlich überrascht wird (und dann für einen kurzen Moment die Überraschung in Panik umschlägt als klar wird, daß die Erde einer geplanten Hyperraum-Autobahn im Wege steht und daher vernichtet werden muß), gelingt es zumindest dem seit 15 Jahren auf der Erde gestrandeten Außerirdischen Ford Prefect und seinem durch und durch irdischen Freund Arthur Dent (der bis vor kurzen noch genügend andere Probleme hatte ... die sich ja aber jetzt erledigt haben) mit ihrem Multifunktionshandtuch auf sich aufmerksam und werden als Anhalter mitgenommen.

Im weiteren Verlauf treffen sie auf den Präsidenten der Galaxis Zaphod Beeblebrox, der nach dem Diebstahl eines Raumschiff-Prototyps auf der Flucht vor der gesamten galaxtischen Polizei ist, auf Trillian, einer flüchtigen Bekannten Arthurs, und natürlich Marvin, den manisch-depressiven Roboter, der sogar Raumschiffe in den Selbstmord treibt.

Urteil: Auch wenn sich die Zusammenfassung nicht so anhört, wer sich mal für einige Stunden zurücklehnen und amüsieren will, ist hier genau richtig. Auch wenn der Humor nicht sonderlich subtil ist, macht es Spaß Adams' Charakteren bei ihren ziemlich unwahrscheinlichen und abstrusen Abenteuern zu folgen. Wer außerdem noch gerne die Antwort auf die Frage aller Fragen erfahren und philosophische Klassiker á la "Die Bewußtwerdung eines Wals" nicht verpassen will, sollte ohne zu zögern zugreifen - der Anhalter gehört zur Allgemeinbildung. Wer allerdings der seichten Unterhaltung abgeneigt ist, oder bereits Autoren wie Pratchett oder Rankin mit Widerwillen gelesen hat, sollte vielleicht auf diesen Teil "Allgemeinbildung" verzichten. (of)

Amery, Carl
"Das Königsprojekt"
  10/10 Punkte
Copyright: ?
Verlag: Süddeutscher Verlag
Erschienen: 1987
Übersetzer: n.a.
Form: Hardcover
Umfang: 395 Seiten
ISBN: 3-7991-6366-2
Preis: ?

Oft vermutet, doch nie bestätigt: Eine Verschwörung im Vatikan! Die "Congregatio secreta ad purificando fontes" eine kleine, aber sehr geheime Gruppe des vatikanischen Geheimdienstes arbeitet mittels einer von Leonardo da Vinci erfundenen Zeitmaschine daran, die Nachfahren des Hauses Stuart auf den englischen Thron zu bringen, um England auf diese Weise wieder katholisch zu machen. Dummerweise sind Manipulationen der Zeitebene nur unterhalb der dokumentierten Quellenlage möglich, bzw. wenn der Agent die einzige vorhandene Quelle mit minimalem Aufwand innerhalb des Missionsrahmens ändern kann. Auf diese Weise wurde dank der brillanten Arbeit des James Bond der Schweizergarde, Arnold Füßli, eine direkte Blutlinie von Jakob III von Schottland zu Rupprecht von Bayern geschaffen. Jetzt musste das Land nur noch möglichst stilecht in Besitz genommen werden. Zu diesem Zweck rekrutierte der Clan MacLaubraigh eine Armee aus wirtschaftswunderlichen deutschen mittelständischen Unternehmern, die unbedingt einen schottischen Adelstitel auf dem Briefkopf haben wollen, dem Senftlgauer Schützenverein und der freiwilligen Feuerwehr aus dem Nachbardorf unter der Führung des Exil-Ostpreussen Oberleutnant Bodhelm von Pruskowitz. Im Jahre des Herrn 1954 wurde in Glenfinnan wiederum die Standarte gehisst, wie schon 1746 vom Charles. Nur diesmal blickte der schottische Löwe von seinem Banner auf weißblaue Bierzelte, amerikanische Filmkameras und Vertragsverhandlungen über die Erstverwertung. Doch dann bricht die Armee mit ihren senftlgauer Stutzen und schottischen Claymores auf; beseelt vom Geist von Prestopan. Ach, ja Arnold Füßli quittiert seinen (Geheim-)Dienst, bleibt im Jahr 1922 und wird einer der reichsten und unbekanntesten Männer der Welt.

Urteil: Ein brillanter intellektueller Spaß erster Güte. Amery versteht es, virtuos mit Anspielungen, detailreichen Beobachtungen und karikierten Charakteren zu jonglieren. Er zieht aus den vielfältigsten Quellen die Anregungen und persifliert alle möglichen literarischen Klischees. Von der Vielschichtigkeit und den verarbeiteten historischen Hintergründen liegt ein Vergleich zu Umberto Eco's "Das Focaultsche Pendel" nah, wenn Amery wesentlich witziger und ironischer zu Werke geht und gleichzeitig auf die bei Eco für manche etwas zu hochstehenden Fremdwortorgien verzichtet. Höchstpunktzahl! (cp)

Anthony, Patricia
"Gottes Feuer" (Org. "God's Fire")
  3/10 Punkte
Copyright: 1997
Verlag: Heyne
Erschienen: 1999 (DE)
Übersetzer: Jakob Leutner
Form: Taschenbuch
Umfang: 541 Seiten
ISBN: 3-453-16169-6
Preis: DM 18,90

Die Epoche, die heute als Barock bezeichnet wird, hatte viele interessante Aspekte. Einerseits war sie geprägt von der Gegenreformation und religiösem Fanatismus. Die Menschen versuchten, wieder eine Art Ordnung in ihr Weltbild zu bringen. Die Überschaubarkeit des Mittelalters war im Äußeren von den wissenschaftlichen Entdeckungen Newtons, Kopernikus und Galileis zertrümmert worden, im Inneren sorgte der Humanismus und die Reformation mit der Wiederentdeckung der Individualität für einschneidende Umwälzungen. Die Menschheit notierte in ihr Journal: "Himmel abgeschafft" - auf diese griffige Formel hat es Brecht gebracht. Inmitten dieser gewaltigen Umwälzung lässt die Autorin den unwiederbringlichen Beweis stürzen, dass die Heilsgeschichte nur eine Randnotiz in der kosmischen Chronologie ist. Ein UFO fällt im Jahr 1600 in Portugal vom Himmel. Genau auf eine Stelle, an der die Inquisition mit ihrem Versuch, die alte Ordnung zu bewahren, besonders brutale Blüten trieb. Die Kirche, bzw. diese Versammlung alter Männer, die sich schon immer als Mittler zwischen Gott und der Menschheit verstand, muss natürlich Einschreiten, um diesen Ketzereien, die kurz nach dem Auftauchen der vermeintlichen Engel ins Kraut schießen, Einhalt zu gebieten. Die Mittel dafür sind schon tausendfach erprobt und in ihrer Wirksamkeit bestätigt: Folter und die reinigende Wirkung eines brennenden Scheiterhaufens ... Meister Proper für die Seelen.

Anmerkung: Na ja. Was soll ich mich großartig über dieses Buch aufregen. Die Frau, die dieses Buch schrieb, hätte jemanden fragen sollen, der sich mit sowas auskennt: Die weiblichen Protagonisten sind allesamt ausgenützte, missbrauchte Wesen, die von der männlich dominierten Welt unterdrückt werden, weil die Männer mit ihrer Sexuallität nicht klarkommen. Die Priester sind entweder fresssüchtig oder Päderasten, weil sie ja von Amts wegen nicht vögeln dürfen. Der einzige Normale hat ne Frau nebenher. Die Nebencharaktere sind eigentlich keines Wortes würdig: klischeebehaftete Abziehbilder wäre ein Lob. Dazu kommen zwei Erzählstränge, die so sinnlos aneinandergeklatscht werden, dass es fast eine Qual ist, der hektisch hin- und herspringenden Handlung zu folgen. Dass das ganze lächerlich schlecht recherchiert ist und die Inquisition einfach als Vehikel für die wirren Ansichten der Autorin, bar jeglicher historischen Fundierung, herhalten muss, dürfte da auch nicht weiter überraschen. Frauen könnte diese Buch durchaus gefallen, die meisten wussten ja schon immer, dass alle Männer schwanzgesteuerte Monster sind. Der Rest der Menschheit lässt besser die Finger weg, denn die paar guten Ideen, die am Schluss auftauchen, verhindern zwar eine 1-Punkt-Wertung, retten aber den Lesegenuss auch nicht mehr. (cp)

Anthony, Piers
"Die seltsamen Geschäfte des Mr. Fisk" (Org. "Hard Sell")
  7/10 Punkte
Copyright: ?
Verlag: Bastei Lübbe
Erschienen: 1990
Übersetzer: Ralph Tegtmeier
Form: Taschenbuch
Umfang: 281 Seiten
ISBN: 3-404-23158-9
Preis: DM 8,90

Fisk Centers ist Mitte 50, nicht reich, aber auch nicht arm, seine Existenz ist gesichert, er führt ein Leben, das hart an der Grenze zur Langeweile liegt. Aber ein Anruf verändert sein Leben: Er läßt sich von einem seifigen Verkäufer einwickeln und investiert seine gesamten Ersparnisse in ein Stück Land auf dem Mars. Kurz darauf findet er heraus, daß er über den Tisch gezogen wurde und das Land völlig wertlos ist. Nun steht er von einem Tag auf den anderen im wahrsten Sinn des Wortes ohne ein einziges Hemd da. Auf der verzweifelten Suche nach einem Job gerät er an eine halblegal arbeitende Vermittlungsfirma, die Kinder an Personen abgibt, die bei den staatlichen Stellen abgelehnt wurden. Dummerweise meldet sich gleich bei seinem ersten Auftrag sein Gewissen zu Wort und er weigert sich, eine kleine Göre namens Yola an einen halb übergeschnappten Raumfahrer abzugeben. Dabei stellt er sich so dusselig an, daß alles darin endet, daß er auf dem Polizeirevier von dem Raumfahrer als Dieb und von der Kleinen als Kindesentführer bezichtigt wird. Aber es gelingt ihm, sich herauszuwinden, lediglich die verzogene Göre muß er selbst adoptieren. Dieses Kind wird zur Triebfeder allen späteren Ärgers. Sie verschafft ihm nämlich einen neuen Job, der an ein Himmelfahrtskommando grenzt: Fahrer in einem Überschallwagen bei einem Hindernisrennen ohne Regeln. Sie verursacht einen Unfall und Fisk mutiert wieder für kurze Zeit zum Helden, als er über sich hinauswächst und das Rennen mit einem unglaublichen Manöver gewinnt, allerdings erkennt er, daß diese Art des Arbeit eher früher als später zu seinem Ableben führen würde. Danach versucht er sich mit sehr mäßigem Erfolg als Vertreter für Grabstätten und wird beinahe selbst ausgeweidet und einbalsamiert. Dann folgt ein Job als Agent einer Todesversicherung, für die er überprüft, daß der Körper ihrer Klienten auch nach dem klinischen Tod nicht in Teile zerlegt in Cyborgs eingebaut wird, sondern tot bleibt. Und so weiter, und so fort ...

Anmerkung: Piers Anthony muß wirklich eine völlig abgedrehte Phantasie besitzen. Er läßt diesen modernen Hiob wirklich in die skurrilsten Situationen schlittern, aus denen selbst die klassischen Klischeehelden keinen Ausweg mehr finden könnten, aber der durchschnittlichste aller Durchschnittsmenschen, Fisk Centers nämlich, schafft es immer wieder durchzukommen. Die Idee, die sich hinter der Handlung verbirgt, ist durchaus ernst gemeint, doch gerade durch die Normalität, mit der Fisk reagiert, ergeben sich die skurrilsten und - bei aller Tragik - komischsten Situationen. Eine dicke Leseempfehlung an alle Douglas Adams-Fans und andere aufgeschlossene Sci-Fi-Leser. (cp)

Anthony, Piers
"Phthor - Der Höhlenplanet" (Org. "Phthor")
  9/10 Punkte
Copyright: 1975
Verlag: Bastei Lübbe
Erschienen: 1993
Übersetzer: Ralph Tegtmeier
Form: Taschenbuch
Umfang: 251 Seiten
ISBN: 3-404-24178-9
Preis: DM 8,90

Bei "Der Höhlenplanet" handelt es sich um die Fortsetzung von "Planet der Verdammten" mit anderen Mitteln. Einige Jahre sind vergangen. Aton war gezwungen, nach Chton zurückzukehren, denn nur dort konnte die Frau, die er liebte, am Leben erhalten werden. Irgendwie schien ihre Krankheit, die mysteriöse "Kälte" die regelmäßig die Bewohner der Galaxie dezimiert, von der mineralischen Intelligenz Chton kontrolliert zu werden.

Atons Sohn Arlo wurde in den Höhlen geboren und besitzt eine enge telepathische Verbindung zu Chton und den bizarren Lebensformen, die von dieser planetenumspannenden Entität kontrolliert werden. Arlo scheint für Chton einen besonderen Wert zu besitzen, denn sonst würde die Mineralintelligenz, die alles Leben eigentlich abgrundtief haßt niemals die Anwesenheit von freien, bewußten organischen Intelligenzen dulden. Als Arlo in den Höhlen jedoch ein Mädchen findet, eine Mignonne, von demselben Volk wie die Mutter und die erste Frau seines Vaters waren, beginnt er mehr über seine Herkunft zu erfahren, und warum er für Chton so wichtig ist. Frauen des Planeten Mignon sind invertierte Telepathen, d.h. sie empfinden Liebe als Haß und umgekehrt. Um der sadistischen "Liebe" zu widerstehen, haben sie eine extreme körperliche Widerstandskraft. Deshalb sind sie auf normale Weise fast nicht zu töten, nur die Liebe bringt sie um. Als eine Armee dieser Frauen in die Höhlen vordringt, erkennt Arlo seine Bedeutung: Chton braucht die Kreativität und die Phantasie einer lebenden Intelligenz, um die Armee des Lichtes zu vernichten. Um sein Mädchen behalten zu können, willigt Arlo ein und überläßt Chton einen Schlachtplan, der ihn die Mignonnen vernichten lassen würde. Als ihm in Visionen jedoch klar wird, was die Zukunft bringen wird, einen Sieg der Mineralintelligenz über das Leben und dessen völlige Auslöschung durch die erzwungene Reaktion von Fluor mit Sauerstoff im ganzen Universum, tritt er auf der Seite des Lebens in diese alles entscheidende Schlacht ein. Durch die auffälligen Parallelen zum Ragnarök der nordischen Mythologie zweifelt Arlo an der Möglichkeit eines Sieges, denn in der Sage werden die Götter, die die Seite des Lebens verkörpern ebenso getötet, wie ihre Widersacher aus der Unterwelt. Thor, dessen Verkörperung Arlo ist, wird fallen, getötet vom Gifthauch eines riesigen Drachen, den er mit seinem Hammer erschlug. Odin, sein Vater (Aton) wird gegen den Wolf kämpfen und sterben ... usw. Solange Arlo sich nicht von diesem, von Chton suggerierten Ausgang lösen kann, wird er nicht an einen Sieg der Armee des Lichts glauben und sie werden verlieren. Arlo entwickelt in dieser Schlacht von epischen Ausmaßen zwar übermenschliche Fähigkeiten, aber wird er den Ausweg sehen? Denn einen Sieg des Lichtes kann es eigentlich nicht geben - genausowenig wie einen Sieg der Dunkelheit.

Anmerkung: Eine ähnlich brillante Verknüpfung großer Epen der Menschheit mit Science Fiction ist, soweit mir bekannt, nur V. Kelleher mit "Tier des Himmels" gelungen. Die Handlung ist bis ins letzte durchkomponiert, trotzdem erstarrt sie nicht in einer bloßen Allegorie. Absolute Leseempfehlung!

Eins bleibt noch zu sagen: Man sollte sich vorher etwas mit der nordischen Mythologie vertraut machen, ansonsten wird man den Roman in seiner ganzen Tiefe nicht erfassen können. Andererseits kann man sich dann denken wie er ausgeht: Surter schleudert die flammende Lohe über die Welt, Yggdrasil wird fallen, Götter, Menschen und Riesen sterben. Ragnarök. Aber das ist nicht das Ende ... (cp)

Asimov, Isaac
"Foundation-Trilogie" (Org. "The Foundation Trilogy")
  8/10 Punkte
Copyright: 1951-1953
Verlag: Heyne
Erschienen: 1996
Übersetzer: Rosemarie Hundertmarck
Form: Taschenbuch
Umfang: 939 Seiten
ISBN: 3-453-04265-4
Preis: DM 24,90

bestehend aus:
1. "Foundation" (ursprünglicher deutscher Titel: "Der Tausendjahresplan"; Originaltitel: "Foundation")
2. "Foundation und Imperium" (ursprünglicher deutscher Titel: "Der galaktische General"; Originaltitel: "Foundation and Empire")
3. "Zweite Foundation" (ursprünglicher deutscher Titel: "Alle Wege führen nach Trantor"; Originaltitel: "Second Foundation")

Der Heyne-Verlag hat die Bücher neu übersetzt und endlich unter einem vernünftigen Titel als Sammelband herausgegeben. Diese Trilogie bildet den Kern der mittlerweile sechs Bände umfassenden Foundation-Reihe. (Der "erweiterte" Foundation-Zyklus, wie ihn Heyne anbietet, beinhaltet Bücher, die rein gar nichts mit der Foundation zu tun haben, oder aber nur durch einen "Brückenschlag" Asimovs ins Foundation-Universum gepresst wurden.) Weiterhin anzumerken an dieser Ausgabe ist, dass in einem Anhang Michael F. Flynn versucht, die Psychohistorie unter "wissenschaftlichen" Gesichtspunkten auf ihre Anwendbarkeit in der Realität hin zu untersuchen, allerdings muss dieser Artikel meiner Meinung nach mit großer Skepsis bedacht werden.

Diese "Psychohistorie" ist auch das Kernthema der Trilogie. In einer Zeit, in der sich die Menschheit über die ganze Galaxis ausgebreitet hat und - regiert vom Zentrum des Imperiums, dem Planeten Trantor - in Frieden gedeiht, entwickelt Hari Seldon eine neue mathematische Disziplin: die Psychohistorie. Damit ist es ihm möglich, zukünftige gesellschaftliche Ereignisse vorherzusagen, wenn er die Menschen nicht als Individuum sondern als Gruppe betrachtet. Zieht man alle gegenwärtigen Parameter mit ein, kann man eine Prognose der wahrscheinlichsten zukünftigen Entwicklung berechnen.

Dieser Hari Seldon kommt nun zu dem Ergebnis, dass Trantor, und mit ihm das gesamte Imperium, fallen wird, und die Galaxis in eine 30 Jahrtausende währende Periode der Barberei eintreten wird. Dies will er verhindern, indem er an zwei Stellen in der Galaxis Kolonien gründet, sogenannte Foundations, die vom Rest des Imperiums relativ isoliert sind und so, nach dessen Untergang, die Saatkörner für ein neues Imperium darstellen sollen. Mit diesem Plan kann er den Zusamenbruch zwar nicht verhindern, aber - so sein Plan - die Dauer des "Dunklen Zeitalters" zumindest auf ein Jahrtausend verkürzen.

Das Problem liegt nur in der Tatsache, dass auch die Entwicklung der Foundation zum Kern eines neuen Imperiums, wie alle Vorhersagen der Psychohistorie, nur eine Wahrscheinlichkeit darstellt. Seldon sah bereits bei der Gründung der Foundation zahlreiche Krisen voraus, die gelöst werden müssen, damit sich alles wie erhofft entwickelt ... Während sich der erste Band fast ausschließlich mit der Lösung dieser "Seldon-Krisen", meist kriegerischer Absichten von Nachbarplaneten, beschäftigt, kommt im zweiten, wie der Name vermuten lässt, der Konflikt mit den Überresten des Imperiums hinzu, der von Seldon nicht vorhergesagt werden konnte: ein Mutant, der mit übermenschlichen Kräften ausgestattet ist, hat sich zum Ziel gesetzt, die Foundation zu besiegen. Sie ist zum ersten Mal auf sich alleine gestellt und frägt sich, ob der Seldon-Plan noch wirksam ist.

Daß hier immer nur von einer Foundation die Rede ist, liegt daran, daß die zweite bis zum Ende des ersten Buches keine Rolle spielt. Ihr Ort, ihre Größe, eigentlich alles bis auf die Tatsache, daß sie sich aus Psychohistorikern zusammensetzt (im Gegensatz zur "ersten" Foundation, die größtenteils von Wissenschaftlern gebildet wird), ist unbekannt ... die Suche nach dieser Foundation bildet das Kernthema des dritten Bandes.

Urteil: Es ist wirklich erstaunlich, wie Asimov es versteht, zu schildern wer von wem wieso beeinflußt wird ... kaum denkt man, die Personenkonstellation erfasst zu haben, entpuppt sich einer der Protagonisten als jemand komplett anderes. Okay, anfangs nervt es ein wenig, wie die Foundation von einer "vorprogrammierten" Krise in die nächste schlittert, aber als dann der Mutant (auch wenn er nicht gerade der realistischste Charakter ist) auftaucht, gewinnt die Trilogie an Reiz. Meiner Meinung nach zwar nicht DER Meilenstein in der SF-Geschichte, aber doch ein spannend zu lesendes Buch, das auf einer höchst interessanten Idee beruht.(of)

Asimov, Isaac und Silverberg, Robert
"Der positronische Mann" (Org. "The positronic Man")
  5/10 Punkte
Copyright: 1992
Verlag: Heyne
Erschienen: 1998
Übersetzer: Walter Brumm
Form: Taschenbuch
Umfang: 310 Seiten
ISBN: 3-453-13696-9
Preis: DM 12,90

Der Roboter NDR-113 ist etwas Besonderes: Er hat einen Namen - Andrew -, Emotionen und ist kreativ. Die Hersteller stehen vor einem Rätsel, denn er ist offenbar der einzige seiner Serie der von den geplanten Spezifikationen abweicht. Diese "Abweichungen" verleihen ihm jedoch Persönlichkeit in des Wortes ureigenster Bedeutung. Er ist mehr als ein Haushaltsroboter, er ist ein Freund der Familie Martin. Doch im Laufe seines 200jährigen Lebens erwächst in ihm immer stärker der Drang, nicht nur ein akzeptiertes Mitglied der menschlichen Gesellschaft zu werden, was anfangs sehr schwierig für ihn war und lange Rechtsstreite erforderte, sondern ein echter Mensch. Er beginnt, sich mit den Grundlagen der Robotik vertraut zu machen, und wird über die Jahre zu einem der wichtigsten Forscher auf diesem Gebiet. Er schenkt der Menschheit ungezählte nützliche Erfindungen, die Erfüllung seines Traums bleibt jedoch in weiter Ferne. So sieht er nur einen letzten verzweifelten Ausweg ...

Urteil: Zwiespältig, einerseits brillante und einfühlsame Darstellung eines Außenseiters, andeerseits krankt die Story an der Unlogik, daß ein Computer Emotionen hat (das habe ich schon bei Star Trek nicht gefressen). Außerdem kommt die Beschreibung dieser Emotionen so kinderbuchartig rüber, daß einem wirklich das Abendessen hochkommt.

Für ein wirklich gutes Buch sind ein paar haarsträubende erzählerische Klöpse drin, für einen Verriß hat es aber zu viele gute Momente. Ergo bleibt nur eins: selber antesten. (cp)