Startseite >> Science Fiction >> Rezensionen >> B |
Letztes Update: 05.06.2004 |
|
Banks, Iain "Vor einem dunklen Hintergrund" (Org. "Against a dark Background") |
2/10 Punkte
|
|
Copyright: 1993 Verlag: Heyne |
Erschienen: Juni 1998 Übersetzer: Horst Pukallus |
Form: Taschenbuch Umfang: 783 Seiten |
ISBN: 3-453-11892-8 Preis: DM 19,90 |
"Vor einem dunklen Hintergrund" spielt sich folgende Handlung ab: Eine adelige ehemalige Kampffliegerin einer Spezialeinheit trommelt ihre einstigen Weggefährten und Gefährtinnen zusammen, um eine Chaoswaffe aufzutreiben. Dieses Gerät braucht sie, um sich eine Sekte vom Hals zu halten, die ihr den Tod geschworen hat, und die nur dann Ruhe gibt, wenn sie diese mysteriöse Waffe erhält, welche die letzte ihrer Art sein soll. Eine Schnitzeljagd nach Hinweisen auf den Verbleib dieser Waffe beginnt. Eine Schnitzeljagd durch das ganze bewohnte Planetensystem, bei der scharf geschossen wird. Und um den Plot nicht zu einfach zu gestalten tauchen noch andere Parteien auf, die ebenfalls ein sehr starkes Interesse an der Waffe zeigen.
Urteil: Bis hierhin habe ich mich bemüht, einigermaßen wertneutral zu bleiben, aber was sich in diesem Buch an Klischees, Plattheiten und Trivialität geboten wird, geht nicht mal auf eine genmanipulierte Kuhhaut. Die Charaktere sind so platt, eindimensional und einfallslos gestaltet, daß sich jeder Autor eines B-Movie Drehbuches schämen würde. Die glorreichen Sieben waren ja schon nur 'ne Kopie, aber das ganze jetzt auch noch ins Weltall zu verlegen, grenzt fast an Frechheit. Das ganze Buch bewegt sich auf Shadowrun-Niveau, versucht aber krampfhaft, sowas wie geistigen Anspruch zu erheben - Ich habe ja nichts gegen parataktischen Satzbau, aber Mr. Banks scheint ja eine regelrechte Phobie gegenüber Nebensätzen entwickelt zu haben. Na ja, einen Fleißpunkt kriegt er, weil er 700 Seiten vollgeschrieben hat. Falls die aber jemand ganz durchlesen will, so schalte er/sie sein/ihr Gehirn ab, und sei sich meines Beileides versichert. (cp)
|
Baxter, Stephen "Titan" (Org. "Titan") |
7/10 Punkte
|
|
Copyright: 1997 Verlag: Heyne |
Erschienen: September 2000 (DE) Übersetzer: Martin Gilbert |
Form: Taschenbuch Umfang: 892 Seiten |
ISBN: 3-453-17107-1 Preis: DM 24,90 |
Zunächst klingt die Story sogar für Science-Fiction unglaublich: Die Nasa am Ende des alten Jahrtausends sieht noch älter aus als Biggs nach dem Challenger-Desaster 1986. Die Columbia zerschellt beim Landeanflug in Edwards und die Regierung will die Mittel für die bemannt Raumfahrt ganz streichen. Die Nachricht von der Cassini-Sonde, dass auf dem Saturnmond Titan Spuren von Lebensformen entdeckt worden sind, rüttelt die Öffentlichkeit nicht sonderlich auf, die Stimmung schlägt mehr zu dem neo-isolationistischen Hardliner und republikanischen Präsidentschaftskandidaten. In diesem Wirrwarr treffen einige Astronautenveteranen und Träumer aus den oberen NASA-Etagen einen folgenschweren Entschluss, der Don Quixote als im Vergleich kühlen Realisten erscheinen lässt: Sie wollen mit den zur Verfügung stehenden Mitteln, nämlich den zwei übrigen Shuttleorbitern und einer alten, restaurierten Saturn-5-Rakete zu Titan aufbrechen! Die Chancen, diese Mission zu überleben, sind unglaublich gering, aber ihr Forscherdrang ist stärker und die Aussicht, auf einer Erde festzusitzen, auf der die sozialen und politische Entwicklung der Menschheit völlig aus dem Ruder läuft und die Dekadenz ungeahnte Blüten treibt, lässt die fünf Astronauten den Plan entwickeln: "erst mal hinkommen, dann sehen wir weiter."
Ihr Aufbruch wird von schweren technischen Problemen überschattet, und einige kalte Krieger in der Airforce sähen es ebenfalls lieber, wenn sich das letzte Prestigeprogramm der Nasa in einen Feuerball verwandeln würde. Der Titan könnte als Rohstoffquelle für die alte Erde von ungeahntem Nutzen sein, aber hier hat mittlerweile ein neuer kalter Krieg begonnen, zwischen der Nuklearmacht China, die inzwischen ein eigenes ehrgeiziges Weltraumprogramm gestartet hat, und dem Paranoiker im weißen Haus. Doch diesmal kommt die Welt nicht mit dem Schrecken davon. China bringt einen Asteroiden aus der Umlaufbahn und verrechnet sich dabei etwas. Jedenfalls sind die fünf Astronauten jetzt die einzigen Menschen im Kosmos und das macht die Situation an Bord nicht gerade einfacher. Die Psyche eines Menschen ist nicht darauf ausgerichtet, in einem winzigen Stahlsarg durch die Unendlichkeit zu treiben und auch die Physis macht den Astronauten schwer zu schaffen. Als sie auf Titan ankommen, sind sie nur noch zu zweit und dabei beginnt das Leiden für diesen Adam und diese Eva erst hier!
Anmerkung: Im großen und ganzen hervorragende Hard-SF. Die Charaktere sind etwas arg stereotyp für meinen Geschmack, aber das wahrhaft großartige Finale entschädigt dafür mehr als ausreichend. Eine Vision, wie sie H.G Wells nicht besser hätte formulieren können, und die Hoffnung auf den Sieg der Vernunft gibt. Wenn schon nicht auf der Erde, dann vielleicht auf den Sternen ... (cp)
|
Bear, Greg "Äon" (Org. "Eon") |
7/10 Punkte
|
|
Copyright: 1985 Verlag: Heyne |
Erschienen: 1998 Übersetzer: Walter Brumm |
Form: Taschenbuch Umfang: 601 Seiten |
ISBN: 3-453-00450-7 Preis: DM 16,90 |
Ein Asteroid befindet sich im Erdorbit, offensichtlich das Werk intelligenter Kreaturen. Wissenschaftler werden entsandt um die sieben Kammern im Innern zu untersuchen und sie entdecken Alarmierendes: Dieser Asteroid wurde von Menschen geschaffen, aber nicht von Menschen aus diesem Universum, sondern aus der Zukunft. Die siebte Kammer erstreckt sich anscheinend tausende Kilometer über den eigentlichen Umfang des Felsens hinaus ins Nichts. Während eine brillante junge Mathematikerin eingeflogen wird, um die Natur dieses Korridors zu erforschen, bricht auf der Erde die Apokalypse los: Die Supermächte beginnen einen Atomkrieg um den Besitz dieses Steines. In den Bibliotheken des Steines fanden die Wissenschaftler zwar die komplette Chronologie der Ereignisse, verhindern konnten sie jedoch nichts, sie mußten ohnmächtig mit ansehen wie ihre Heimat vernichtet wurde. Der Angriff der Russen konnte zwar abgewehrt werden, aber ewig können sie nicht auf dem Stein bleiben; bleibt nur die Ungewißheit des Korridors. Da tauchen plötzlich die Erbauer auf, aber auch sie befinden sich in Schwierigkeiten, denn eine aggressive Alienrasse versucht den Korridor zu erobern, in dem sie seit Jahrhunderten leben, außerdem ist die Menschheit gespalten in verschiedene Ideologien, die sich mit zunehmender Vehemenz bekämpfen. So bleibt nur eine Möglichkeit: der Korridor wird versiegelt, der Stein wird zur Keimzelle der neuen Zivilisation auf der Erde, die dann dereinst den Stein wieder bauen wird und der Kreis sich schließt. Hoffentlich...
Urteil: Sehr durchdachte, logische Story, auch vom psychologischen Standpunkt her schlüssig. Sehr komplex und vielschichtig aufgebautes Buch. Meines Erachtens Pflichtlektüre für SF-Fans. (cp)
|
Bear, Greg "Blutmusik" (Org. "Blood Music") |
8/10 Punkte
|
|
Copyright: 19?? Verlag: Heyne |
Erschienen: 19?? Übersetzer: ?? |
Form: Taschenbuch Umfang: ??? Seiten |
ISBN: 3-453-?????-? Preis: DM ???? |
Der Titel kam mir irgendwie vertraut vor, nach einigem Suchen wusste ich auch, wieso: eine Kurzgeschichte mit identischem Inhalt von Bear ist auch in dem Sammelband "Die 20 besten SF Stories" zu finden. Dieser Roman ist nur die aufgeblähte Version davon. Und da liegt das Problem: Die erste Hälfte des Buches wirkt unnötig aufgeblasen, erst die konsequente Weiterverfolgung des Plots an der Stelle, an der die Short Story abbrach und den Leser in die Alpträume entließ, wird interessant. Die Handlung ist kurz erzählt: Der geniale, aber unkonventionelle Genetiker Vergil Ulam züchtet intelligente Zellen, Lymphozyten, von denen jede einzelne so intelligent wie ein Mensch ist. Weil sein Arbeitgeber ihn feuert und den Laborzugang sperrt, beschließt er, sich diese Dinger zu injizieren, um sie rauszuschmuggeln. Zunächst scheint es, als wären die Zellen von seinem Immunsystem vernichtet worden, doch dann stellt er einige ungewöhnliche Veränderungen an sich fest: Seine Kurzsichtigkeit verschwindet, sein verkrümmtes Rückgrat ist über nacht geheilt, auch seine Freundin ist von seiner neuen Topform überaus beglückt, doch dann erscheinen weiße Linien auf seiner Haut, sein ganzer Körper beginnt sich zu verändern und in seinem Blut beginnen Stimmen mit ihm zu sprechen (als ob das was besonderes wäre!). Als diese Kerlchen beginnen, ihre Forscher und Kolonisten auszusenden, breiten sie sich über ganz Nordamerika wie eine Seuche aus und verwandeln die Menschen in unförmige, ledrige Fleischklumpen, bevor sie sie schließlich vollends auflösen. In Europa bricht derweil eine Hysterie ungeahnten Ausmaßes aus, und die Russen, in der Sicht von 1985 völlig unzurechnungsfähige Finsterlinge, beginnen mit Atombomben zu werfen. Doch da passiert etwas Entscheidendes: Das Leben in Nordamerika ist nicht verschwunden, es ist umgewandelt worden auf ein Niveau, das man sich kaum vorzustellen vermag, eine Lebensform, die in der Lage ist, Atombomben während des Fluges zu deaktivieren. Doch das war nur ein Anfang ...
Urteil: Greg Bear at its best. Wer diesen Autor nicht kennt, sollte schleunigst eines seiner Werke antesten. Sicher, seine Visionen sind nicht jedermanns Sache, manchen mag seine Erzählweise zu sehr ins Thrillerhafte hineinspielen, doch ist er immer auf dem neusten Stand der Forschung und seine Bücher fesseln den Leser und vor allem, seine Warnungen vor einem Technologiemißbrauch sind zeitlos! (cp)
|
Bear, Greg "Heimat Mars" (Org. "Moving Mars") |
8/10 Punkte
|
|
Copyright: 1993 Verlag: Heyne |
Erschienen: Mai 1999 Übersetzer: Usch Kiausch |
Form: Taschenbuch Umfang: 782 Seiten |
ISBN: 3-453-13309-9 Preis: DM 19,90 |
| Nebula Award 1994 |
Die Menschheit hat das Sonnensystem besiedelt, sämtliche Krankheiten besiegt, die Dummheit und sogar den Tod abgeschafft. Nano-Technologie und Therapien machen es möglich, dass alle Wünsche wahr werden und ein neues Paradies auf der Erde entstanden ist. Als nächstes soll der große Vorstoß zu den Sternen erfolgen. Allerdings muss dazu die Menschheit politisch und wirtschaftlich vereinigt werden. Natürlich unter der Führung der Erde ...
Das sieht die Bevölkerung des Mars unglücklicherweise ganz anders. Daher beginnt die Erde, Druck auf die hinterwäldlerischen Kolonisten auszuüben. Doch warum? Was haben die "roten Karnickel" wie sie sich selbst, in Anspielung auf ihre unterirdischen Siedlungen nennen, das die Erde braucht? Die Antwort darauf erhalten sie recht bald, als sie eine Regierung wählen, die der Erde nicht genehm ist. Daraufhin brechen nämlich offene Feindseligkeiten aus, Siedlungen werden von Kampfrobotern angegriffen, alle Computer, die auf Terra produziert wurden, stürzen ab. Die Marsregierung wird mit einem Ultimatum dazu genötigt, alle Rechte an die Erde zu übertragen. Doch ein Gruppe von Wissenschaftlern, die "Olympier", die sich scheinbar nur mit abstrakten physikalischen Grundlagentheorien befassten, bieten der Marsregierung eine Waffe an, die so mächtig ist, dass sie die Erde vorerst zum Stillhalten zwingen kann. Die Olympier haben nämlich entdeckt, wie man die Informationsmatrix des Universums anzapfen und in ihrem Sinne manipulieren kann, z.B. einen Kontinent einfach in Antimaterie verwandeln.
Kein Wunder, dass die Erde versucht, den Mars unter Kontrolle zu bekommen, denn sie wollen solche Technologie nicht in den Händen einer unabhängigen Gruppe wissen. Damit ist sämtliche therapierte Zivilisiertheit beim Teufel, Paranoia regiert und im nackten Überlebenskampf zweier Völker geht es nur noch darum, wer als Letztes übrigbleibt. Als die Erde diese Technologie selbst besitzt, gibt es nur noch zwei Optionen: kämpfen und wahrscheinlich sterben oder aufgeben. Doch wieder schaffen die Olympier es, eine Ausweg anzubieten. Doch dieser Ausweg scheint ganz und gar unglaublich, gefährlich und leichtsinnig. Er würde den Mars wie ihn seine Bewohner kannten für immer umgestalten ...
Anmerkung: Mal wieder ein Knaller. Das wird schon langsam zur Gewohnheit, alles zu loben, wo Greg Bear draufsteht, aber ich komme nicht umhin, es auch diesmal wieder zu tun. Das ist Science Fiction wie sie sein soll. Spannend, literarisch anspruchsvoll gestaltet, eine durchdachte Vorausschau auf die Zukunft, die dennoch mit unserem "inner space" und dessen Entwicklung (bzw. dessen Stillstand) korreliert ist. Hier hat man alles, was man braucht: Technische Visionen, eine anregende Lovestory, philosophische Fragestellungen und eine spannende Handlung. Unbedingt empfehlenswert! (cp)
|
Benford, Gregory "Cosm" (Org. "Cosm") |
7/10 Punkte
|
|
Copyright: 1998 Verlag: Heyne |
Erschienen: 2000 (DE) Übersetzer: Irene Holicki |
Form: Taschenbuch Umfang: 473 Seiten + Nachwort |
ISBN: 3-453-17087-3 Preis: DM 17,90 |
Eine gängige Phrase besagt, dass Physiker Gott auf die Schliche kommen wollen ... Nun, die Protagonistin in Benfords Roman geht einen Schritt weiter: Sie wird selbst zur Schöpfergottheit! Doch der Reihe nach: An einem Teilchenbeschleuniger versucht eine Physikerin namens Alicia Butterworth ein neues Elementarteilchen aufzuspüren, indem sie Uran-238-Kerne mit nahezu Lichtgeschwindigkeit aufeinanderknalllen lässt. Leider läuft bei diesem Experiment etwas schief, eine Explosion zerstört einen der Detektoren. In den Trümmern findet Alicia ein seltsames, reflektierendes Gebilde in der Größe einer Bowlingkugel. Um das Ding in aller Ruhe untersuchen zu können, sackt sie das Teil einfach ein und nimmt es an ihre Heimatuniversität mit. Da fangen die Schwierigkeiten jedoch erst an. Anscheinend ist diese Kugel ein Fenster in ein neues Universum, das durch die Teilchenkollision geschaffen wurde und nun in seine eigene Raumzeit hineinwächst. Nur mit dem Unterschied, dass die Zeit da drin im Vergleich zu unserem Universum exponentiell ansteigend verläuft. Verständlich, dass die Eigentümer des Teilchenbeschleunigers in dem das Universum entstand, Eigentumsrechte an einer solch sensationellen Entdeckung geltend machen wollen. Alicia aber, ihrer Rolle als "Muttergottheit" entsprechend, flieht mit der Kugel, einem Assistenten und dem Theoretiker Max, der ihr die Erklärung für ihre Beobachtungen liefert. Ihre Flucht hat nur einen Grund: Sie möchte selbst sehen, wie das Universum endet!
Anmerkung: Gregory Benford ist selbst Physiker. Also ein Mann, der weiß über was er schreibt. Leider ist er als Schriftsteller eine kleine Enttäuschung. Da wäre nämlich sehr viel mehr drin gewesen. Aber auch hier will ich der Reihe nach vorgehen: Eine Physikerin wird "Gott", sie schafft ein Universum. Durch diese Entdeckung wird klar, dass sich Universen wohl auf diese Art "fortpflanzen": Solche, die geeignet sind Leben hervorzubringen, werden eines Tages eine Spezies entwicklen, die Intelligenz besitzt. Diese Lebensformen werden wohl irgendwann anfangen mit Teilchenbeschleunigern rumzuspielen und - zack! - schon haben wir ein Tochteruniversum! Benford versucht uns, eine Möglichkeit anzubieten, mit der wir uns die Existenz erklären können, nachdem wir Zeus vom Olymp und Gottvater vom Thron verbannt haben. Aber die Physik kann die Religion nicht ersetzen ... die Sinnsuche bleibt erfolglos, denn die letzte Frage, die nach dem "Warum" kann uns keiner ausreichend beantworten. Sowohl Benfords Fiktion als auch die ernsthaften Theorien geben keine Auskunft über den ersten Beweger, den Ausgangspunkt. Diesen Mangel kennt er und bietet uns orientierungslosen Menschlein ein sinnstiftendes Element: die Liebe, versinnbildlicht durch die Beziehung zwischen Alicia, der Experimentalphysikerin, und Max, dem Theoretiker. Haha! Keine weiteren Fragen, euer Ehren! Lesenswert ist das Buch aber durchaus, seine sehr kontroverse Aussage muß jeder nach Gutdünken bewerten. (cp)
|
Besher, Alexander "Satori City 2.0" (Org. "RIM: A Novel of Virtual Reality") |
6/10 Punkte
|
|
Copyright: 1994 Verlag: Goldmann |
Erschienen: 1996 Übersetzer: Michael Nagula |
Form: Taschenbuch Umfang: 378 Seiten |
ISBN: 3-442-23691-6 Preis: DM 14,90 |
Wie vereint man Cyberpunk und asiatischen Mystizismus? Diese Frage scheint sich Alexander Besher mit seinem Erstlingswerk (dem mit "Mir" und "Chi" bereits zwei weitere Novels of Virtual Reality folgten) gestellt zu haben, und auch wenn das Resultat nicht wirklich überzeugen kann, sind zumindest einige interessante Ansätze und Ideen vorhanden - wo sonst hat man denn schon von "interaktivem Sushi" gehört?
Während Gibson in seinen Büchern den japanischen Einfluss eher gering hält, macht gerade das einen Schwerpunkt Beshers aus. Nicht nur technologisch und modisch orientiert man sich nach Osten, sondern vor allem im geistigen Bereich macht sich der Wandel bemerkbar: Da werden Haras gescannt, Chakras verstopft und Chi-Energien entfesselt - Begriffe und Konzepte, die den Meisten hier zu Lande vollkommen fremd sein dürften. Gerade dies scheint Besher jedoch ändern zu wollen, ohne gleich in die Esoterik-Schublade gesteckt zu werden.
Dazu lässt er den Protagonisten Frank Gobi, immerhin Universitätsdozent und ehemaliger Privatermittler, Bewusstseine herunterladen und Energien spüren, als wäre es das Natürlichste auf der Welt. Diese Gaben sind es, die sich der mächtige Satori-Konzern zu Nutzen machen will, um nach einem Systemabsturz das sowohl in der virtuellen als auch der wirklichen Welt ausgebrochene Chaos wieder zu beseitigen. Man schickt ihn nach New Tokio, wo er immer tiefer in ein verwirrendes Gemisch aus verrückten Tibetern, Wirtschaftskriegen und letalen Viren verstrickt wird. Zu allem Überfluss hat New Tokio seit dem Mega-Beben 2023 die ungemütliche Eigenschaft, jeden Tag für zwölf Stunden zu "verschwinden", ein Phänomen das nicht nur Gobi Kopfschmerzen bereitet.
Die Atmosphäre, die anfangs noch einen gewissen Charme besitzt, baut mit fortschreitender Länge des Buches stetig ab, und auch das Ende enttäuscht etwas. Alles in allem also ein recht durchwachsener Roman, der für meinen Geschmack zu viel Wert auf Mystizismus legt und zudem aufgrund einer teils wirren Handlung nicht wirklich zu fesseln weiß - auch ein paar japanische Fremdwörter weniger hätten nicht geschadet. (of)
|
Bester, Alfred "Demolition" aka "Sturm aufs Universum" (Org. "The Demolished Man") |
7/10 Punkte
|
|
Copyright: 1953 Verlag: Goldmann |
Erschienen: Februar 1999 Übersetzer: Horst Pukallus |
Form: Taschenbuch Umfang: 317 Seiten |
ISBN: 3-442-24851-2 Preis: DM 14,90 |
| Hugo Award 1953 |
"Alfred Bester, der Gedankenpolizist aus Babylon 5?" wird sich jetzt wohl so mancher erstaunt fragen, und tatsächlich verbinden die Meisten den Namen wahrscheinlich eher mit dem Fernsehen als mit Literatur. Doch genau dieser Alfred Bester war es, dessen Bücher den Macher von B5 inspirierten - allen voran "Demolition", Gewinner des ersten Hugo-Awards überhaupt.
Ben Reich, Leiter eines interplanetaren Industrieunternehmens, sieht sich von einem Konkurrenten in die Enge getrieben und als dieser ein Fusionsangebot ablehnt, sieht Reich nur eine Alternative: Mord. Dazu muß gesagt werden, daß in dieser fernen Zukunft Kapitalverbechen dieser Größenordnung beinahe in Vergessenheit geraten sind - dank den überall gegenwärtigen Telepathen (für die Bester ein neues Wort prägte: "ESPer"), die verräterische Gedankenmuster unwillkürlich auffangen. Doch Reich sind alle Mittel recht, seinen Gegner auszuschalten, und so plant er das in seinen Augen perfekte Verbrechen.
Und obwohl die Polizei ihn nach vollendeter Tat sofort als Hauptverdächtigen ausmacht, fehlen ihr die Beweise - nur eine untergetauchte Zeugin könnte Reich zu Fall bringen und ihm so die einzig gerechte Strafe zukommen lassen: Demolition, dem vollständigen Auslöschen der Persönlichkeit. So entsteht ein Wettlauf gegen die Zeit, welche Seite die vermißte Zeugin als erster in die Hände bekommt: Reichs Leute oder die Polizei in Gestalt von Kommissar Powell, der die Ermittlungen von Beginn an als persönliche Angelegenheit ansieht und Reich unter allen Umständen überführen will.
Urteil: Das Buch zählt zwar zu den Klassikern der SF-Literatur, doch ist es meiner Meinung nach kein absolutes Muß. Sicherlich wird am Ende durch die direkte Konfrontation zwischen Powell und Reich eine gewisse Tiefe in der Erzählung erreicht, doch erscheint mir die abschließende Auflösung der Motive bzw. die Erklärungen für Reichs Motivation mit Hilfe Freudscher Argumentation doch etwas zu simpel und platt. Nichtsdestotrotz bekommt man mit "Demolition" eine spannende und ungewöhnliche Kriminalgeschichte geliefert, die mehr Tiefgang besitzt als die Handlung vermuten läßt - Heutige Autoren, die sich mit ähnlichen Thematiken beschäftigen (z.B. McCaffreys "Wilde Talente"), könnten sich noch eine Scheibe abschneiden. (of)
|
Bishop, Michael "Brüchige Siege" (Org. "Brittle Innings") |
1/10 Punkte
|
|
Copyright: 1994 Verlag: Heyne |
Erschienen: Februar 1998 Übersetzer: Hendrik P. und M. Linckens |
Form: Hardcoverchen Umfang: 666 Seiten + Annhang |
ISBN: 3-453-13310-2 Preis: DM 24,90 |
Das Buch verarbeitet die Lebensgeschichte, besser gesagt, den wichtigsten Abschnitt des Lebens des Talentscouts und Baseballexperten Daniel Boles. Als junger, außerordentlich talentierter Shortstop wird er von einem Verein in einer der unteren Ligen engagiert, den Highbridge Hellbenders. Er trifft dort mit den wunderlichsten Gestalten zusammen, die jedoch von dem Übervater und Teammanager Jordan McKissic zu einem schlagkräftigen Team geformt werden, das um die Meisterschaft mitspielt. Der seltsamste ist jedoch "Jumbo" Henry Clerval, Daniels Zimmergenosse, ein Riese an Gestalt und von abstoßender Häßlichkeit, dennoch ein sehr feinfühliger und gebildeter Mensch. Er verbirgt jedoch ein dunkles Geheimnis und am Ende droht es alle, die ihm nahestehen, in den Untergang zu reißen.
Urteil: Und hier endet des Dichters Höflichkeit ... Man kann es Michael Bishop nicht anlasten, daß der durchschnittliche Mitteleuropäer von Baseball soviel Ahnung hat, wie ein Eskimo von der korrekten Behandlung eines Hitzschlages, man kann ihm auch keinen Strick aus der Tatsache drehen, daß durch die deutsche Übersetzung der Südstaatenslang völlig verschütt geht und nur noch Baseball-Technobabble übrigbleibt, ABER wenn Frankensteins Monster nach 200 Jahren selbstverordneter Isolationshaft in der Wildnis von Alaska seine Liebe zum Baseball entdeckt, sich die Unterschenkel um 40 cm verkürzt um weniger furchteinflößend zu wirken (Sich selbst in einer Höhle fernab der Zivilisation den Unterschenkel absäbeln um ihn hernach wieder zusammenzuflicken, das ist wahre Science Fiction, das artistische Kunststück hätte ich zu gern gesehen), dann kriegt selbst der härteste Headbanger vom Kopfschütteln ein Schleudertrauma. Sich Daniel anzuvertrauen, deuchte Henry zwar eine gute Idee, denn dieser war stumm- nach seinem ersten Kuß (Phoebe, die Nichte des Teammanagers, ein absolut kultiges Schimpfwortrepertoire. Dieser Charakter verdient besondere Beachtung, da er noch lächerlicher ausgefallen ist als die übrigen.) konnte er auf einmal quatschen wie ein Wasserfall. In dieser Freakshow, die durch die Personenkonstellation wuselt, fällt der einzige echte Freak kaum noch auf. Na ja der Schluß des Buches weiß durch einige Akte sinnloser Gewalt zu gefallen, die jedoch keine 600 Seiten geballten Schwachsinn aufwiegen. Abschließend möchte ich anfügen, daß sich meine moderate Kritik nicht gegen den Schreibstil richtet, der ist sogar recht ansprechend, einzig der Plot ist sowas von daneben, daß einem wirklich der Hut hochgehen könnte. (cp)
|
Bisson, Terry "Die Bären entdecken das Feuer" (Org. "Bears discover Fire") |
5/10 Punkte
|
|
Copyright: 1993 Verlag: Heyne |
Erschienen: September 1998 (DE) Übersetzer: ? |
Form: Taschenbuch Umfang: 317 Seiten |
ISBN: 3-453-14869-X Preis: DM 14,90 |
Diese Kurzgeschichtensammlung enthält:
01. "Die Bären entdecken das Feuer" (Org. "Bears discover Fire" ) Hugo 1991, Nebula 1990
02. "Die beiden Janets" (Org. "The Two Janets")
03. "Sie sind aus Fleisch" (Org. "They're made out of Meat")
04. "Über den Tafelberg" (Org. "Over Flat Mountain")
05. "Drück auf Ann" (Org. "Press Ann")
06. "Der Anzug aus Waschbärenfell" (Org. "The Coon Suit")
07. "George"
08. "Der nächste" (Org. "Next")
09. "Nekronauten" (Org. "Necronauts")
10. "Noch Fragen?" (Org. "Are there any Questions?")
11. "Zwei Jungs aus der Zukunft" (Org. "Two Guys from the Future")
12. "Der toxische Donut" (Org. "The toxic Donut")
13. "Canción Auténtica de Alterde" (Org. "Canción Auténtica de Old Earth")
14. "Teilmenschen" (Org. "Partial People")
15. "Carls Gärtnerei" (Org. "Carl's Lawn and Garden")
16. "Die Botschaft" (Org. "The Message")
17. "England unterwegs" (Org. "England underway")
18. "Nur mit Genehmigung" (Org. "By Permit only")
19. "Der Schatten weiß es" (Org. "The Shadow knows")
Wahrscheinlich liegt mir der Typus Kurzgeschichte an sich nicht, denn anders kann ich mir nicht erklären, das mir keine der Story-Sammlungen, die ich bis jetzt gelesen habe, wirklich gefallen hat (und die hier vorliegende macht keineswegs eine Ausnahme). Daher will ich mich hier größtenteils auf die inhaltlichen Aspekte beschränken. Den Anfang macht gleich die Titelgeschichte (sowohl mit Hugo als auch Nebula Award bedacht ... für mich etwas unerklärlich), in der - der Titel läßt es schon vermuten - die nordamerikanischen Bären den Gebrauch des Feuers erlernen. Das eigentliche Anliegen der Autorin (und das es sich um eine AutorIN handelt, wird aufgrund der erzeugten Stimmung bzw. den Thematiken einiger Short Stories schnell deutlich) zeigt sich jedoch in der Auswahl des Protagonisten: Ein Mann, der sich auf die Suche nach seiner aus dem Altenheim entflohenen Mutter macht, und diese dann zusammen mit einigen Bären am Lagerfeuer sitzend findet. Spätestens hier wird einem bewußt, daß das Heyne-Cover etwas fehl am Platze ist ...
Weiter geht's in "Die zwei Janets" mit einer ambitionierten Reporterin, in deren Heimatstädtchen nach und nach die gesamte literarische Elite des Landes einzieht, oder z.B. in "George" um ein Kind, das mit Flügeln geboren wird. Was das Ganze soll frägt man sich des öfteren, aber es sind auch ein paar interessantere Geschichten dabei. So zum Beispiel "Sie sind aus Fleisch", in denen auf wenigen Seiten geschildert wird, was höherwentwickelte Aliens wohl von uns denken mögen. Oder "Zwei Jungs aus der Zukunft", in der sich Bisson auf amüsante Art und Weise dem Zeitreisen und den damit verbundenen Paradoxa widmet.
Die Umwelt scheint der Autorin besonders am Herz zu legen, und die in dieser Richtung erdachten Szenarien sind alles andere als optimistisch: ob es die Auserwählte in "Der toxische Donut" ist (die symbolisch die Umweltsünden der gesamten Menschheit auf sich nimmt), die kränkelnde Gärtner-Gehilfin in "Carls Gärtnerei", oder das entnervte Ehepaar in "Der nächste" (das erfolglos versucht, den Antrag auf eine gleich-rassige Heirat zu stellen).
Und dann gibt es noch die letzte Sorte von Kurzgeschichten, die sich in der Kategorie Gute-Idee-aber-seltsame-Umsetzung zusammenfassen lassen. So zum Beispiel die letzte Geschichte "Der Schatten weiß es" (in der eine außerirdische Intelligenz mit der Menschheit Kontakt aufnimmt), aber auch das an Flatliners erinnernde "Nekronauten".
Urteil: Stilistisch kann man an keiner der Geschichten etwas aussetzen, aber wie schon anfangs bemerkt trifft der Inhalt eben nicht meinen Geschmack. Wer Bisson mag und an Kurzgeschichten generell Interesse hat, kann also ruhig mal reinschnuppern ... (of)
Ein Zitat aus "Der Schatten weiß es" (S.290), um die von mir angesprochene Seltsamkeit zu unterstreichen:
"Der Anus, in der Vulgärsprache das Arschloch, ist irgendwie schon ein Witz, doch tief in unserem Innersten ist es für uns alle sozusagen der Sitz der physischen Existenz."
|
Bradbury, Ray "Fahrenheit 451" |
7/10 Punkte
|
|
Copyright: 1953 Verlag: DelRey |
Erschienen: 1991 Übersetzer: n.a. |
Form: Taschenbuch Umfang: 179 Seiten |
ISBN: 0-345-34296-8 Preis: US$ 6,99 |
Neben den "Mars-Chroniken" wohl Bradburys bekanntestes Werk, dürfte vielen auch die Verfilmung durch Francois Truffaud aus dem Jahre 1966 in Erinnerung geblieben sein. Diese gehört zu dem Besten was die 60er Jahre zu bieten hatten, unter anderem weil die Atmosphäre der Buchvorlage dort erstaunlich gut getroffen wird. (Für 1999 ist übrigens ein Remake unter der Regie von Mel Gibson geplant, Gerüchten zufolge mit Tom Cruise in der Hauptrolle.)
Erzählt wird die Geschichte des Feuerwehrmanns Montag, dessen Job darin besteht Bücher zu verbrennen - Bücher, die einige "subversive Elemente" bei sich verstecken und so vor der Vernichtung retten wollen. Doch noch erschreckender als die bloße Tatsache ist die offizielle Begründung für dieses Vorgehen: man will vermeiden, daß die Bevölkerung mit komplizierten Thesen, ungeklärten Fragen oder komplexen Problemen konfrontiert wird, und sich so unnötige Sorgen macht. Und wirklich - die große Mehrheit findet bereits im Konsum der täglichen Seifenopern ihre Erfüllung und kommt nicht einmal auf die Idee irgend etwas zu hinterfragen. Zwischenmenschliche Beziehungen finden nur noch vor dem Fernseher statt und das einzige Gesprächsthema bilden die gestrigen Sendungen.
Doch Montag, eigentlich ja direkt an dem System beteiligt, fühlt eines Tages ein Gefühl aufkeimen, daß den meisten seiner Zeit fremd ist: Neugier. Die zufällige Bekanntschaft mit einer unangepaßten Romantikerin läßt immer größere Zweifel an der Richtigkeit seines Tuns aufkommen, und als sie plötzlich spurlos verschwindet, kommt es wie es kommen muß: Montag liest, was er eigentlich verbrennen soll ...
Urteil: Auch wenn die Atmosphäre - beklemmend und pessimistisch, ohne Hoffnung auf schnelle Besserung - beeindruckt und Bradburys Szenario durchaus eine Faszination besitzt, kann ich mich mit seinem Stil nicht so recht anfreunden: wie auch in den Mars-Chroniken erschafft Bradbury eine Phantasiewelt ohne die Absicht zu haben, diese "realistisch" erscheinen zu lassen. Vielmehr benutzt er diese Welt als Plattform, um auf existierende soziale Probleme hinzuweisen und vor deren Folgen zu warnen. Was einem wohl noch im Gedächtnis bleibt, ist die für ihn so typische Weise, Maschinen als beseelte Wesen zu beschreiben: der Hellhound ist natürlich hier das Paradebeispiel, doch auch Montags Beziehung zu seinem Flammenwerfer oder die Magenpumpe fallen ganz klar in diese Kategorie.
Dieser spezielle Stil mag für einige bestimmt noch das i-Tüpfelchen auf dem Ganzen sein, in meinem Fall jedoch schmälerte es den Lesegenuß etwas - nichtsdestotrotz ein lesenswerter Klassiker, wie man ihn von heutigen Autoren nicht mehr in dieser Form zu sehen bekommen wird. (of)
|
Bradbury, Ray "Die Mars-Chroniken" (Org. "Martian Chronicles") |
8/10 Punkte
|
|
Copyright: 1950 Verlag: Heyne |
Erschienen: September 1997 Übersetzer: Th. Schlück und W. Jeschke |
Form: Taschenbuch Umfang: 250 Seiten |
ISBN: 3-453-12807-9 Preis: DM 10,00 |
Bücher, die sich der Kolonisation des Mars' annehmen, gibt es wie Sand am Meer, doch Bradburys Beschäftigung mit diesem Thema hebt sich positiv aus der Masse heraus, da er seinem Buch eine meines Wissens einzigartige Struktur gab: "Mars-Chroniken" setzt sich aus insgesamt 34 in sich abgeschlossenen Kurzgeschichten zusammen, die jedoch alle - einmal mehr, einmal weniger - die Geschichte der Mars-Kolonisation erzählen. Und eben darin liegt die Stärke und das Besondere des Buches: Obwohl man in jeder Geschichte auf neue Charaktere, Orte und Handlungen trifft, wird der eigentliche Plot konsequent vorangetrieben. Auch wenn Bradbury sich einiges etwas zu einfach macht und man das Ganze auf keinen Fall unter wissenschaftlichen Aspekten betrachtet darf, ist sein Bild der marsianischen Bevölkerung und Kultur bis heute faszinierend. Die majestätisch durch den Sand gleitenden Schiffe, die kristallenen Städte, die Marsianer an sich ... alles so zerbrechlich, doch bezaubernd. Im Laufe des Buches wächst die Sympathie und das Mitleid des Lesers für die Marsianer, während die Menschen sich immer noch durch ihre bewährten Attribute auszeichnen: Furcht und Haß auf alles Fremdartige, Gier und Egozentrik.
Ebenfalls bemerkenswert ist der sich beim Lesen vollziehende Stimmungswandel: Anfangs die witzigen Wendungen wie beispielsweise bei "Die Männer von der Erde", dann Themen wie Rassenkonflikte und Bücherverbrennungen (Lesern von "Fahrenheit 451" gut bekannt) und schließlich die Auslöschung des Menschen durch sich selbst.
Urteil: Ein Muß für jeden SF-Leser, auch - oder besser, besonders - nachdem über 40 Jahre seit seiner Entstehung vergangen sind. (of)
|
Brin, David "Die Clans von Stratos" (Org. "Glory Season") |
7/10 Punkte
|
|
Copyright: 1993 Verlag: Heyne |
Erschienen: Mai 1998 Übersetzer: Christine Strüh |
Form: Taschenbuch Umfang: 892 Seiten |
ISBN: 3-453-13327-7 Preis: DM 24,90 |
Vor Jahrtausenden machte sich Lysos mit einigen Gefolgsleuten auf die Reise ins All, um eine neue Form der menschlichen Gesellschaft zu gründen. Sie veränderte ihre Nachkommen derart, daß Frauen zwar männliche Spermien als Stimulation benötigen, die Nachkommen jedoch genetisch mit den Müttern identisch sind. Hormonell gesteuert werden jedoch in den Sommermonaten die Kinder noch auf "konventionellem" Weg erzeugt, so daß ein steter Nachwuchs an Söhnen bzw. genetisch von den Müttern verschiedenen Töchtern gewährleistet ist und in einem subtilen Gleichgewicht die Generationen überdauert hat - da der Rest der Menschheit nichts über diese "Kolonie" weiß, konnte sie sich zudem ungestört von äußeren Einflüssen entwickeln.
Die Frauen bilden sogenannte Clans, die eine bestimmte Nische in der Gesellschaft besetzen und eine spezielle Aufgabe erfüllen. Können und Tradition wird über die Generationen hinweg an die Klone weitergegeben, die als minderwertig angesehenen "Sommergeburten" müssen jedoch die Heimat verlassen und sich auf die Suche nach einer neuen Nische machen bzw. einem anderen Clan als Hausangestellte dienen. (Männer stehen noch weiter unten auf der sozialen Leiter, und werden eher als notwendiges Übel angesehen.)
Die Zwillinge Maja und Leie sind solche Sommergeburten - oder "Vars" wie sie auch genannt werden. An ihrem 5. Geburtstag stratinischer Zeitrechnung müssen sie ihren Clan verlassen und sich dem harten Leben stellen. Sie sind voll von Hoffnungen, daß sie eines Tages zusammen einen neuen Clan gründen werden ... aber bereits am Hafen, als kein Schiff bereit ist sie mitzunehmen, werden die beiden mit ersten Schwierigkeiten konfrontiert. Zum erstenmal seit ihrer Geburt getrennt, besteigen sie verschiedene Schiffe eines Konvois und lernen, was es heißt zu schuften. In einem schweren Sturm kentert Leies Schiff und auch Maia kann sich nur mit letzter Not retten. Nach ihrer Genesung beginnt sich Maia langsam in ihr Schicksal zu fügen, als sie auf ihrer weiteren Reise zufällig Zeuge des Handels mit einer neuartigen und revolutionären Droge wird. Fortan befindet sie sich auf der Flucht vor den Häschern, wird jedoch schließlich gefangen genommen. In ihrem Gefängnis lernt sie einen Mann von der Erde kennen, der den Planeten entdeckt und mit der Regierung Verhandlungen über einen (Wieder-)Eintritt in das Handelssystem der von Menschen bewohnten Planeten geführt hat - dann allerdings von einer politischen Gruppe entführt und hierher verfrachtet worden ist. Gemeinsam gelingt ihnen die Flucht, was aber eigentlich erst den Anfang der weiteren Abenteuer darstellt. Sie sind geprägt von neuen Freunden, die sich kurz darauf als genau das Gegenteil herausstellen, und von Rätseln, die Maia nach großen Anstrengungen zu lösen vermag.
Dies ist auch der Punkt, an dem das Buch beginnt durchschnittlich zu werden: wo anfangs die Idee zu solch einer Gesellschaft fasziniert, flacht das Buch gegen Ende hin zu einer normalen Abenteuerstory ab, in der eine heranreifende Jugendliche langsam zur Frau wird und es versteht, durch enormes Geschick für logische Rätsel immer wieder einen Ausweg zu finden. Vor allem der Schluß ist meines Erachtens überflüssig, wenn auch - als positiver Punkt anzumerken - die von mir erwartete Wende am Ende ausbleibt.
Urteil: Wie Brin im Anhang anmerkt, liegt sein Hauptaugenmerk bei diesem Buch zum einen in den Folgen solch einer von Frauen bestimmten Gesellschaft, zum anderen aber auch in dem oft vorkommendem "Spiel des Lebens" (eigentlich eine Variante der "Life"-Simulation zum Voraussagen der Entwicklung einer Zivilisation ... allerdings als Spiel zwischen zwei Personen, bei dem es darauf ankommt, die Zivilisation des Gegners auszulöschen). Das Szenario ist äußerst gut durchdacht und in sich stimmig; auch die verschiedenen Konsequenzen eines Eingriffs in solch eine Gesellschaft (wie es die verschiedenen politischen Gruppierungen fordern, von denen Maia und der "Sternenmann" benutzt werden) werden beleuchtet.
Wie gesagt verliert das Werk im weiteren Verlauf an Niveau, doch bleibt es auch weiterhin eine flotte Abenteuergeschichte - wie es sich gehört mit einer überdurchschnittlichen Portion Glück der Protagonistin. Alles in allem empfehlenswert, es dürfte eigentlich für jeden etwas dabei sein. (of)
|
Brin, David "Sonnentaucher" (Org. "Sundiver") |
5/10 Punkte
|
|
Copyright: 1980 Verlag: Heyne |
Erschienen: 1997 (DE) Übersetzer: Rainer Schmidt |
Form: Taschenbuch Umfang: 445 Seiten |
ISBN: 3-453-07982-5 Preis: DM 16,90 |
Die Menschheit ist nicht allein im Universum, eigentlich ist es sogar schon ziemlich überfüllt von vernunftbegabten Spezies. Allerdings kommt der Menschheit eine Sonderrolle zu, da nicht klar ist, ob ihre Intelligenz evolutionär entstand, oder das Werk einer viel älteren Spezies ist, die unsere Vorfahren genetisch "geliftet" haben. Fast alle anderen intelligenten Spezies wurden von ihren "Patronen" genetisch geliftet, je länger dies zurückliegt und je mehr Rassen von diesen "Klienten" nun wieder geliftet wurden, desto höher ist ihr Status innerhalb der kosmischen Gesellschaft. Bei den Menschen deutet vieles darauf hin, daß sie von ihren Patronen verlassen wurden, bevor das Lifting abgeschlossen war. Deshalb mußte die Menschheit die ganze Wissenschaft selbst entwickeln und konnte nicht aus der intergalaktischen Bibliothek lernen. Diese Bibliothek soll nun der Menschheit zugänglich gemacht werden, in ihr soll das ganze Wissen des Universums enthalten sein, nur findet sich merkwürdigerweise kein Bericht über intelligente Lebensformen, die innerhalb der Sonne leben und sich von Magnetfeldern ernähren. Deshalb wird eine Expedition ausgerüstet, die den Auftrag hat, ins Innere der Sonne vorzudringen und Kontakt mit den mysteriösen Sonnengespenstern aufzunehmen. Vielleicht wird dadurch auch der Ursprung der Menschheit etwas erhellt. Allerdings geht so ziemlich alles schief was nur schief gehen kann und der Verdacht drängt sich auf, daß Sabotage am Werk ist. Anscheinend soll mal wieder wissenschaftliche Erkenntnis unterdrückt werden, um vorherrschende Dogmen aufrechtzuerhalten. Glücklicherweise ist Jakob Demwa, ein Heldenverschnitt irgendwo zwischen James Bond und Hercule Poirot, an Bord und kann das Schlimmste verhindern.
Anmerkung: Back to the roots! Der Roman stellt eigentlich das dar, was man landläufig unter Science Fiction versteht: bizarre Aliens, wissenschaftliche Utopien, und eine Handlung drumherum, die aber nicht die Hauptsache darstellt. Ich denke, bei diesem Buch handelt es sich um eine Utopie die zeigt was sein kann - völlig wertungsfrei. Die meisten anderen Werke versuchen zu zeigen, was in unserer Welt im argen liegt, und um dies zu erreichen, schaffen sie ein möglichst bizarres Setting als Kontrast. Während man die meisten Bücher auf dieser Seite allen Literaturinteressierten empfehlen kann, ist Sonnentaucher doch eher was für Sci-Fi Freaks, Ringwelt-Fans und solche die sich eher zur Hard-SF hingezogen fühlen - die werden aber an Sundiver ihren Spaß haben. (cp)
|
Brunner, John "Morgenwelt" (Org. "Stand on Zanzibar") |
8/10 Punkte
|
|
Copyright: 1968 Verlag: Heyne |
Erschienen: 2000 Übersetzer: Horst Pukallus |
Form: Hardcoverchen Umfang: 858 Seiten |
ISBN: 3-453-16182-3 Preis: DM 29,90 |
| Hugo Award 1969 |
Nach "Schafe blicken auf" hat nun auch dieser Roman seinen Weg in die High 8000-Reihe gefunden (of)
|
Brunner, John "Schafe blicken auf" (Org. "The Sheep Look Up") |
9/10 Punkte
|
|
Copyright: 1972 Verlag: Heyne |
Erschienen: September 1997 Übersetzer: Horst Pukallus |
Form: Hardcoverchen Umfang: 527 Seiten |
ISBN: 3-453-12664-5 Preis: DM 19,90 |
Anläßlich des 25jährigen Jubiläums des wohl bekanntesten Romans Brunners erschien 1997 in der recht edel aufgemachten Reihe "High 8000" - eine Hardcoverausgabe in Taschenbuchgröße mit einem Vorwort von Wolfgang Jeschke - diese Neuausgabe.
Kurz nach der Jahrtausendwende treibt die Menschheit dem Untergang entgegen: In den Ballungsgebieten kann man sich ohne Filtermaske nicht mehr auf die Straße wagen, die Sonne sieht man nur noch selten und die Meere sind vergiftet. Die Verbrechensrate explodiert, Ökoterroristen verüben Anschläge, die Menschen sind krank und Neugeborene sind mißgebildet ... diese Liste ließe sich beliebig fortsetzen und man würde nicht einen einzigen positiven Punkt finden können. Und obwohl man zu Beginn des Buches erschreckt die ganzen Ausmaße der Zerstörung unseres Planeten erkennt, steigert sich die Schwarzmalerei im Laufe des Buches noch gewaltig: Seuchen und Bürgerkriege brechen aus, Menschen sterben en masse (und falls sie nicht sterben, werden sie entweder wahnsinnig, behindert, arm, krank oder verlieren im besten Fall nur einige Familienmitglieder) und niemals hat man als Leser auch nur die geringste Hoffnung, daß Besserung eintritt. (Außer einmal, woraufhin sie aber von einem Bombenanschlag gleich wieder zunichte gemacht wird) Sollte hier der Eindruck entstehen, daß das Buch eine durch und durch pessimistische Aussage hat, ist das durchaus beabsichtigt: falls jemand leicht zu Depressionen neigt, sei ihm von diesem Buch entschieden abgeraten.
In kurzen Kapiteln schildert Brunner mosaikartig zum einen die Erlebnisse der rund ein Dutzend Protagonisten während des entscheidenden Jahres, zum anderen werden diese aber von diversen anderen Belegen der erdachten Zeitgeschichte durchsetzt: Listen von Umweltgiften, Schildern an Sauerstoffspendern, Anzeigen der Welthungerhilfe und auch Nachrichtensendungen. Auch Zeugnisse aus unserer Vergangenheit fehlen nicht, so zum Beispiel ein "frommes" Lied über die Missionierung aus dem 19. Jahrhundert, bei dem man sich frägt, wer der wirklich Primitive ist.
Durch das häufige Wechseln der Perspektive und der Struktur stellt sich keinerlei Lesefluß ein, doch das ist genau das, was Brunner beabsichtigt: dem Leser eine Art innere Unruhe zu bereiten, die ihn den drohenden Gefahren gegenüber sensibilisiert. So schildert er beispielsweise auf zweieinhalb Seiten die Folgen verseuchten Leitungswassers, indem er überaus drastisch und kühl - jedoch immer mit einem gehörigen Schuß schwarzen Humors verbunden - die letzten Minuten einiger Betroffener schildert. ("Wo ist die Tür? Tür. Fenster ist näher. Es öffnen. Falle hinaus in den Wind und schwebe fort über die Berge, huuuhuuuuu. - Vier Stockwerke über der Straße; die war hart." ... vielleicht sollte ich zum besseren Verständnis hinzufügen, daß die Verseuchung durch eine Art Halluzinogen stattfand).
Urteil: Das Buch hebt sich sowohl aufgrund der erzeugten Atmosphäre als auch seiner besonderen Struktur positiv aus der Masse heraus und zeigt, daß Science Fiction mehr als bloße Unterhaltung bieten kann: auch wenn Begriffe wie Umweltschutz mittlerweile einen hohen Stellenwert in unserer Gesellschaft besitzen, ist die von Brunner geschaffene Zukunft immer noch denkbar und erschreckt aufgrund des hohen Realismus. (of)
|
Bujold, Lois McMaster Barrayar-Zyklus 1 "Scherben der Ehre" (Org. "Shards of Honor") |
6/10 Punkte
|
|
Copyright: 1986 Verlag: Heyne |
Erschienen: 1994 Übersetzer: Michael Morgental |
Form: Taschenbuch Umfang: 334 Seiten |
ISBN: 3-453-07744-X Preis: DM 14,90 |
Kommandantin Cordelia Naismith führt mit ihrem Landungsteam gerade eine Expeditionsreise auf einem bisher unerforschten Planeten durch, als ihr Lager von barrayarischen Streitkräften zerstört wird und sie sich zusammen mit einem geistig behinderten Fähnrich als einzige retten kann. Die Barrayaner sind für ihr kriegerisches und unbarmherziges Verhalten weithin bekannt, so daß es nicht verwundert, daß Cordelia die Hoffnung auf eine positive Zukunft abschreibt, als sie in die Gefangenschaft von Kapitän Vorkosigan gerät. Doch schnell merkt sie, daß Vorkosigan alles andere als ein barbarischer Schlächter (so sein zweifelhafter Ruf) ist, sondern sich hinter der Maske des Kriegers ein ehrenhafter Mann verbirgt. Seine Ehre ist auch der Grund für seine momentane Lage, denn hinter ihm steht keineswegs die barrayanische Armee: Die mächtigen Feinde, die er sich im Laufe seiner Karriere gemacht hatte, versuchten ihn zu töten und die Schuld dem Team von Kommandantin Naismith zuzuschieben. Zu ihrem Pech überlebte Vorkosigan den Anschlag jedoch, hat jetzt aber genausowenig wie Cordelia eine Möglichkeit zum Verlassen des Planeten. Gemeinsam schlagen sie sich einige Tage durch die Wildnis, - sie zwar immer noch offiziell mit dem Status eines Gefangenen, doch in der Praxis als Gleichberechtigte - um zu einem barrayanischen Nachschubdepot zu gelangen. Als sie nach vielen Gefahren endlich dort ankommen, die Meuterer überwältigen und Vorkosigan das Kommando wieder innehat, verbindet - wie könnte es anders sein - die beiden mehr als bloße Freundschaft. Doch auch die aufkeimende Liebe verhindert nicht, daß Naismith ihr Wort Vorkosigan gegenüber bricht und von dessen Raumschiff flieht, als sie hinter die geheimen Vorhaben der Barrayaner kommt. Diese planen einen Krieg, der auch Cordelias betanische Heimat betreffen würde, und nur durch eine frühe Warnung besteht noch Hoffnung für deren Sieg. Also flieht sie - allerdings nicht, ohne vorher Vorkosigans Problem mit einer letzten Gruppe Meuterern, die das Schiff in ihre Gewalt gebracht hat, auf überaus elegante Art und Weise gelöst zu haben.
Im weiteren Verlauf des Buches gerät Naismith wieder in barrayanische Gefangenschaft und trifft auf Umwegen natürlich erneut mit Vorkosigan zusammen. Nach dem Kriegsende und zurück in der Heimat folgt allerdings erst die wahre Tortur: Horden betanischer Psychologen stellen die Erlebnisse der "Kriegsheldin" in Frage, und versuchen sie zu überzeugen, daß die positiven Gefühle gegenüber dem "Schlächter von Komarr" nur durch Gehirnwäsche zustande kommen ... solange, bis Naismith wirklich kurz vor dem Verrücktwerden steht und nur noch einen Ausweg sieht ...
Urteil: Wie man schon an der Inhaltsangabe sehen kann, ist Bujolds Auftakt des Barrayar-Zyklus' alles andere als "tiefschürfend". Die Love-Story zwischen den beiden so gegensätzlichen Protagonisten ist das bestimmende Thema, und die Heldin meistert auch die schwierigsten Situationen aufs Beste. Immer durchschaut sie die feindlichen Pläne, immer findet sie elegante Lösungen, die perfekt funktionieren.
Beides, die zu starke Betonung der Beziehungsgeschichte und die ach so gewitzte Heldin, sind Gründe, wieso ich es vermeide, SF-Bücher weiblicher Autoren zu lesen. Ja, es gibt Ausnahmen (z.B. Ursula LeGuin), aber dieses Buch bestätigt einmal mehr alle Vorurteile ... und dieses Urteil erwächst keineswegs einer rückständigen oder chauvinistischen Grundeinstellung.
Um kein falsches Bild aufkommen zu lassen, das Buch ist keineswegs schlecht: es liest sich flüssig und die Mixtur aus Politik, Action und Emotionen ist durchaus unterhaltsam; doch außer zu unterhalten, erfüllt es keinen Zweck. Gerade dies aber sollte ein gutes SF-Buch meiner Meinung nach bieten. (of)
Eine kleine Leseprobe:
"Ich meine keinen Besuch. Sondern für dauernd. Als ... Lady Vorkosigan." Sein Gesicht hellte sich auf, aber er lächelte geqüält. "Ach, ich verpfusche es noch. Ich verspreche Ihnen, ich werde nie wieder über die Betaner denken, daß sie Feiglinge sind. Und ihre Sitten erfordern mehr Mut als die selbstmörderischen Mutproben unserer Jungs."
Sie ließ ihren Atem langsam durch ihre geschürzten Lippen entweichen. "Sie geben sich nicht mit Kleinigkeiten zufrieden, nicht wahr?" Sie fragte sich, woher wohl die Redewendung käme von dem Herzen, das einem im Leibe hüpft. Ihr kam es jetzt eher vor, als fiele ihr Magen ins Bodenlose. Ein Schwindelgefühl packte sie, und jäh erwachte ihr Körperempfinden; seiner Körperlichkeit war sie sich schon überwältigend bewußt.
Er schüttelte den Kopf. "Ich will keine Kleinigkeiten, nicht für Sie, nicht mit Ihnen. Sie sollten das Beste bekommen. Ich bin wohl kaum der Beste, das müssen sie ja jetzt schon wissen. Aber zumindest kann ich Ihnen das Beste anbieten, was ich habe. Liebe K-Kommandantin, bin ich zu plötzlich, nach betanischen Maßstäben? Schon seit Tagen warte ich auf die passende Gelegenheit, aber es schien nie eine zu kommen."
"Tage! Wie lange haben Sie so etwas schon gedacht?"
"Der Gedanke kam mir zum erstenmal, als ich Sie in der Schlucht sah."
"Als ich in den Schlamm kotzte?"
|
Bujold, Lois McMaster Barrayar-Zyklus 2 "Barrayar" (Org. "Barrayar") |
5/10 Punkte
|
|
Copyright: 1991 Verlag: Heyne |
Erschienen: Juli 1997 Übersetzer: Michael Morgental |
Form: Taschenbuch Umfang: 442 Seiten |
ISBN: 3-453-12811-7 Preis: DM 12,00 |
| Hugo Award 1992 |
Das vorliegende, mit dem Hugo Award ausgezeichnete Buch knüpft direkt an "Scherben der Ehre" an. Unsere Heldin Cordelia Naismith hat mittlerweile ihren Aral geheiratet und ist somit Lady Vorkosigan geworden. Anfangs hat sie außer mit ihrer Schwangerschaft nur damit zu kämpfen, sich den neuen Gegebenheiten auf Barrayar anzupassen (das von seiner feudalistischen Struktur eher der Erde vergangener Jahrhunderte gleicht, und weder unter politischen, technologischen oder sozialen Gesichtspunkten einem Vergleich mit Cordelias Heimat Beta standhält). Auch als Kaiser Ezar stirbt und ihr Ehemann zum Regenten seines noch im Kindsalter befindlichen Nachfolgers Gregor ernannt wird (und damit quasi die Verantwortung des gesamten Reichs trägt), ahnt sie nichts von den bevorstehenden Problemen. Erst als eine angespannte innenpolitische Situation erst Aral, dann aber auch sie selbst zur Zielscheibe für konservative Kräfte werden läßt (und zwar nicht nur im übertragenen Sinn), erkennt sie den Ernst der Lage.
Als dann bei einem Anschlag Cordelias ungeborenes Kind nur knapp gerettet werden kann, steht sie kurz vor dem Zusammenbruch: Denn die zu erwartenden körperlichen Schäden des Babys gepaart mit dem Willen Cordelias, alles für sein Überleben zu tun, stoßen auf radikale Ablehnung in der eigenen Familie - allen voran bei Arals Vater, rein barrayanisch geprägt und damit gegen jegliche Sorte von "Mutanten".
Zu allem Überfluß eskaliert die politische Situation in einem offenen Nachfolgekrieg mit ungewissem Ausgang. Die Hauptstadt - und damit auch das Krankenhaus mit Cordelias Baby - wird von feindlichen Kräften besetzt, während sie selbst tatenlos dem Geschehen zusehen soll?
Urteil: Ich habe ja wirklich versucht, Bujold im zweiten Anlauf ohne Vorurteile zu begegnen ... doch meine Befürchtungen sahen sich bestätigt. Man hat den Eindruck, man liest ein Buch von der Sorte "von Frauen für Frauen": Wer Thematiken wie Schwangerschaft (und die damit verbundenen physischen wie psychischen Probleme), Hochzeiten und Modefragen liebt, ist hier genau richtig - die Krönung ist aber die seitenlange Aktion, als Cordelia als Kupplerin zwischen zwei unglücklich Verliebten auftritt. Zu alldem kommen teils sehr gestelzt wirkende Dialoge und der Drang (man kann es schon fast "Zwang" nennen) die Heldin in einem guten Licht darstellen zu wollen: Trotz unglaublicher Belastungen helfen ihr mindestens ebenso unglaubliche Zufälle zum Erfolg. Nicht genug, daß sie ihr Kind aus den Händen des Feindes (den sie aufgrund ihrer "weiblichen Intuition" bereits vor seinem eigentlichen Aktivwerden erahnt - und zwar während einer 5-Minuten-Begegnung) rettet - Nein, sie entscheidet auch noch den gesamten Krieg zu ihren Gunsten. Abschließend noch zu zwei Kritikpunkten, an denen Bujold aber wirklich nichts kann: Zum Einen ein völlig deplaziertes Cover (erinnert eher an Heinleins "Sternenkrieger") und dann zu viele Druckfehler, die zumindest bei einer Neuauflage eigentlich nicht mehr auftauchen sollten.
Aber bevor jetzt der Eindruck entsteht, "Barrayar" wäre ein abgrundtief schlechtes Buch, sollte ich vielleicht erwähnen, daß es trotz aller Mängel recht unterhaltsam ist und Liebhabern der angesprochenen Thematik bestimmt mehr Freude bereiten wird als mir. (of)
|
Bujold, Lois McMaster Barrayar-Zyklus 3 "Der Kadett" (Org. "The Warrior's Apprentice") |
5/10 Punkte
|
|
Copyright: 1986 Verlag: Heyne |
Erschienen: 1999 Übersetzer: Edda Petri |
Form: Taschenbuch Umfang: 381 Seiten |
ISBN: 3-453-14907-6 Preis: DM 12,90 |
Mit dem dritten Band des Zyklus' wendet sich Bujold nun Miles Vorkosigan zu, dem Sohn von Aral und Cordelia - dessen Zukunft bereits besiegelt schien, als seine Mutter während der Schwangerschaft nur mit knapper Not einen Giftgasanschlag überlebte; doch nach nunmehr siebzehn Jahren ist dank den vereinten Anstrengungen der barrayanischen Ärzteschaft nur eine gewisse Kleinwüchsigkeit und Gebrechlichkeit als Spätfolgen geblieben. Miles sieht die Zeit gekommen, sich trotz aller Widerstände bei der Kaiserlichen Armee als Kadett zu bewerben und so in die Fußstapfen seines Vaters zu treten, doch scheitert er bereits bei den Aufnahmeprüfungen, denen er körperlich einfach nicht gewachsen ist. Selbstzweifel beginnen ihn zu quälen, und so beschließt die Familie schließlich ihn für einige Zeit zu seiner Großmutter nach Beta zu schicken. Ihm kommt das sehr gelegen, da er sich so erhofft, Botharis heranreifender Tochter Elena näherzukommen und ihr nebenbei auch einen Eindruck von der fortschrittlichen betanischen Gesellschaft vermitteln zu können.
Doch auf Beta angekommen greifen Zufall und Mogelei ineinander, und plötzlich trägt Miles Verantwortung für zwei Untergebene und ist nebenbei auch noch Schiffseigner. Mit seiner kümmerlichen Mannschaft macht er sich mit Schmuggelware auf den Weg in ein entferntes Kriegsgebiet und im Laufe der Geschichte konstruiert er ein derartiges Netz aus Lügen und Halbwahrheiten zusammen, daß er gegen Ende des Buchs eine komplette Söldnermannschaft um sich versammelt hat, die ihn als ihren genialen Admiral und Führerfigur verehren ...
Urteil: Naja, in typischer Bujold-Manier wird hier eine Abenteuergeschichte erzählt, die weder versucht realistisch zu sein, noch irgendwelche Art von Anspruch an den Leser stellt - Unterhaltung eben. Mit negativer Kritik werde ich mich daher auch an dieser Stelle zurückhalten, da diejenigen, die schon mit Büchern der Autorin in Kontakt gekommen sind, wissen worauf sie sich einlassen. Wer Spaß an solcher Art Lektüre hat, bekommt hier jedenfalls ein stellenweise amüsantes und über große Strecken kurzweiliges Buch serviert. (Nebenbei bemerkt wurde "Der Kadett" entgegen aller Aussagen auf dem unsäglichen Cover nicht mit dem Hugo Award ausgezeichnet.) (of)
|
Burgess, Anthony "Clockwork Orange" (aka "Uhrwerk Orange") |
7/10 Punkte
|
|
Copyright: 1962 Verlag: Heyne |
Erschienen: 1997 Übersetzer: Wolfgang Krege |
Form: Taschenbuch Umfang: 224 Seiten |
ISBN: 3-453-13079-0 Preis: DM 12,90 |
In naher Zukunft: In den Großstädten regiert die Gewalt, Jugendbanden rauben, plündern, töten und vergewaltigen. An einem dieser Jugendlichen, Alex, wird von der Regierung ein Exempel statuiert: Er wird während seiner Haft einer Therapie unterzogen, die ihn darauf konditioniert, daß ihm immer, wenn er mit Sex oder Gewalt konfrontiert wird, speiübel wird. Er ist nach der Behandlung nicht mehr fähig, sich zu verteidigen;er ist nurmehr ein Rädchen im Uhrwerk der Gesellschaft, ein Roboter, noch unfreier, als die übrige, konsumanbetende Bourgeoise. Nun rächen sich seine einstigen Opfer an ihm, dem programmierten, wehr- und willenlosen Gemütsmenschen.
Urteil: Burgess verwendet in seinem Roman eine fiktive Jugendsprache, da die Handlung retrospektiv von dem Ich-Erzähler berichtet wird und Alex sich nur in seiner "Sprache" ausdrücken kann. Dieser Dialekt ist mit einigen russischen Lehnwörtern durchsetzt, bereitet dem Leser jedoch keine grössere Schwierigkeit, im Gegenteil, sie bietet ein Maximum an Authentizität. Die schonungslose Offenheit der Schilderung ist ein ebenfalls hervorstechendes Merkmal, mit der Burgess seiner düsteren Utopie immense Ausdruckskraft verleiht. (cp)