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Letztes Update: 05.06.2004

Card, Orson Scott
Ender-Zyklus 1/4 und 2/4
"Das große Spiel" (Org. "Ender's Game")
"Sprecher für die Toten" (Org. "Speaker for the Dead")
  8/10 Punkte
Copyright: 1985-86
Verlag: Bastei
Erschienen: 1992
Übersetzer: Karl Ulrich Burgdorf
Form: Taschenbuch
Umfang: 752 Seiten
ISBN: 3-404-24155-X
Preis: DM 10,00
Hugo Award 1986/87 Nebula Award 1985/86

Das große Spiel:

Auf der Erde herrscht Überbevölkerung. Es ist den meisten Familien verboten, mehr als 2 Kinder zu haben, doch bei den Wiggins kommt nach Peter und Valentine noch Andrew zur Welt. Alle 3 sind jedoch aussergewöhnlich: Peter fällt in frühester Jugend durch Rücksichtslosigkeit gepaart mit Charisma und Machtinstinkt auf, Valentine ist hochintelligent und die Sanftmut in Person, die einzige, die Peter daran hindern kann, Andrew, dem jüngsten, etwas anzutun. Nach der Schule schliesslich wird Andrew vom Militär den Eltern abgenommen und durch ein extremes Ausbildungsprogramm gepeitscht, denn die Krabbler, eine insektoide Rasse, die der Menschheit technisch weit überlegen ist, bedrohen die Erde, die in den vorangegangenen Kriegen gegen die Krabbler nur knapp der Vernichtung entging. Nach der Grundausbildung, in der Andrew sich ausgezeichnet bewährt hat, erhält er eine Spezialausbildung bei den besten Strategen und Helden des vergangenen Krieges, denn er soll die Flotte beim Angriff auf die Heimatwelt der Krabbler führen. Er siegt in allen Simulatorgefechten.

Inzwischen ist die politische Situation zwischen den Supermächten der Erde eskaliert, als sich zwei brillante Denker in ihren erbitterten Kontroversen als gewichtige politische Kraft etablierten, hinter ihren Pseudonymen Hegemon und Demosthenes stecken Peter und Valentine, die versuchen, die Menschheit zu einen: Peter der konservative, charismatische Führer und Valentine, der Intellekt, das Gewissen das ihn lenkt.

Urteil: Stilistisch völlig anders als der 2. Teil der Trilogie, steht hier die äußere Handlung stärker im Vordergrund gegenüber intellektuellen Debatten und Erwägungen. Handlungsstrang und Charaktere sind ausgezeichnet herausgearbeitet, besonders die Konstellation der 3 Kinder zueinander und die geradezu dialektische Kontroverse Peter-Valentine verdienen die größte Beachtung. Alles in allem ein brillantes Buch, wenngleich nicht ganz so stark wie "Sprecher für die Toten".

Sprecher für die Toten:

Andrew "Ender" Wiggin ist ruhelos geworden, nachdem er erkannte für was er benutzt wurde. Um für den Xenozid zu sühnen und um eine ähnliche Katastrophe zu verhindern, rief er eine humanistische Religion ins Leben, deren Priester sich "Sprecher für die Toten" nennen.

1000 Jahre später. Als auf einer abgelegenen Kolonie der Menschen eine vernunftbegabte Rasse entdeckt wird, sieht Ender die Chance einer zweiten Bewährung gekommen. Er siedelt dort die Schwarmkönigin an, die einzige Überlebende des Xenozids und zunächst sieht es so aus als gelinge das Experiment, 3 intelligente Rassen auf einem Planeten in friedlicher Koexistenz. Er versucht, zwischen Menschen und den Pequeninos zu vermitteln, doch die Situation spitzt sich langsam aber unaufhörlich zu und ein neuerlicher Xenozid scheint unvermeidlich, denn die Menschheit steht vor der Wahl, die Pequeninos am Leben zu lassen und das eigene Ende in Kauf zu nehmen, oder die Pequeninos auszurotten, damit sie nicht mit Hilfe der Schwarmkönigin einen tödlichen Virus in der Galaxis verbreiten.

Urteil: Der 2. Band ist der mit Abstand Beste. Hier wird der elaborierte Plot am Deutlichsten, auch in Punkto Spannung kann Sprecher für die Toten kaum überboten werden, denn jede gelöste Frage wirft fünf neue auf, bis sich am Ende alles in ein Gesamtbild fügt, das schlüssig bis ins Detail brillant die Intention transportiert. Pflichtlektüre für SF-Fans. (cp)

Card, Orson Scott
Ender-Zyklus 4/4
"Enders Kinder" (Org. "Children of the Mind")
  8/10 Punkte
Copyright: 1996
Verlag: Bastei Lübbe
Erschienen: 1998
Übersetzer: Karl-Ulrich Burgdorf
Form: Taschenbuch
Umfang: 477 Seiten
ISBN: 3-404-24240-8
Preis: DM 14,90

Die Saga geht weiter ... Nachdem Ender es geschafft hat, mit Hilfe der intelligenten Entität Jane, die das Computernetzwerk der Menschheit bewohnt, das Überleben der beiden einzigen bekannten nicht-menschlichen Spezies, den Pequeninhos und der Schwarmkönigin, zu sichern, hat er kraft seines Geistes seine Geschwister, wie er sie von seiner Jugendzeit her kannte, erschaffen. Allerdings sind sowohl Peter, der einst Herrscher über die Erde war, als auch seine Schwester Val, die brilliante Philosophin, nur Projektionen Enders, Teile seiner Persönlichkeit. Sie müssen das Werk beenden, das er begann: Die Rettung Lusitanias, das noch immer von einer bewaffneten Raumflotte bedroht wird, und auch das Überleben Janes hängt von ihnen ab, da der Sternenwegekongreß, nachdem ihre Existenz bekannt wurde, versuchte, sie aus dem Computernetzwerk zu löschen.

Aber nicht genug damit, daß sie an allen Fronten zugleich kämpfen müssen, scheint es so, als habe Ender am Ende seines 3000jährigen Lebens das Interesse an selbigem verloren, und alle Versuche seiner Familie, ihn am Leben zu erhalten, scheinen in einer Zeit, in der er mehr denn je gebraucht würde, zum Scheitern verurteilt.

Anmerkung: Alle, die meinten, der Zyklus sei mit "Xenozid" abgeschlossen, sehen sich eines besseren belehrt. All denen, die denken nun sei die Saga vollendet, wird es möglicherweise genauso gehen: zuviele Fragen bleiben offen, zu interessant ist die weitere Entwicklung. Orson Scott Card hat einem Universum Leben eingehaucht und es macht einfach Spaß zuzusehen, wie es lebt. Alle Handlungsstränge laufen so folgerichtig, so organisch ab, daß man eher den Eindruck hat, bei aller Phantastik des Settings, man lese einen Bericht, keinen fiktionalen Text. Ein weiterer Pluspunkt sind die Charaktere, sie sind zwar größtenteils schon seit "Sprecher für die Toten" eingeführt, aber man erlebt es einfach selten, daß beides - sowohl die Personen als auch ihre Umwelt - detailliert ausgearbeitet werden. Die meisten Autoren haben, wenn überhaupt, eine gute Idee, der Rest wird dann ergänzt. Nicht so bei Card: Alles wirkt bis ins letzte durchdacht. Hervorragend. (cp)

Clarke, Arthur C.
Odyssee-Zyklus 1/4
"2001 - Odyssee im Weltraum" (Org. "2001 - A Space Odyssey")
  7/10 Punkte
Copyright: 1969
Verlag: Heyne
Erschienen: 1995
Übersetzer: Egon Eis
Form: Taschenbuch
Umfang: 204 Seiten
ISBN: 3-453-30137-4
Preis: DM 9,90

"2001" ist ein Buch, bei dessen Rezension sich unweigerlich ein Vergleich mit der Verfilmung aufdrängt. Stanley Kubrick schuf in enger Zusammenarbeit mit Clarke ein Werk, das von vielen als der Meilenstein des SF-Films, von aber bestimmt ebenso vielen als miserabel angesehen wird. Das liegt vor allem an der Tatsache, daß Kubrick mehr Wert auf seine künstlerische Entfaltung als auf die Fortführung der Handlung legte. So sind vor allem die vielen Längen (Kritiker würden sagen, der Film sei eine einzige Länge) und der psychdelische, unverständliche Schluß zu kritisierende Punkte. Sieht man den Film jedoch als Kunstwerk statt als Spielfilm, und liest man vorher die Romanvorlage, ist er durchaus sehenswert.

Aber genug davon, hier soll ja in erster Linie das Buch bewertet werden. Es beginnt mit der Vorgeschichte, dem "Aufbruch der Menschheit" (wie er im Film genannt wird): Auf der Erde, 3 Millionen Jahre vor unserer Zeit, stehen die Menschenaffen (bzw. Urmenschen oder wie man sie auch nennen mag) kurz vor dem Aussterben, da sie ihren natürlichen Feinden hoffnungslos unterlegen sind und ihr Überlebenskampf von Tag zu Tag härter wird. Zu diesem Zeitpunkt erreicht ein Monolith außerirdischer Herkunft die Erde, mit dem Auftrag die dortigen Lebewesen zu sondieren. Nur bei den vermeintlich zum Untergang verdammten Urmenschen findet er eine Art Verstand, primitiv und sich selbst nicht bewußt, aber existent. Der Stein lehrt sie den Gebrauch von Werkzeugen und macht sie so zur überlegenen Lebensform dieses Planeten ...

Drei Millionen Jahre später wird von einer auf dem Mond errichteten Station ein Monolith gefunden, tief im Mondgestein vergraben und Millionen Jahre alt - der unwiderlegbare Beweis für eine außerirdische Zivilisation. Der Fund wird geheimgehalten, um die Bevölkerung nicht in Panik zu versetzen und ein Raumschiff wird für einen Flug zum Saturn konstruiert, dem Ziel eines Energieblitzes, den der Monolith nach seiner Freilegung abgab. An Bord dieses Raumschiffs, der "Discovery", befinden sich sechs Besatzungsmitglieder, von denen vier bis zum Erreichen des Ziels in Kälteschlaf gesetzt wurden, um Ressourcen zu sparen. Als Entlastung der Crew, sozusagen als "7. Mann" ist ein Supercomputer der HAL-9000-Serie an Bord, der abgesehen von den sich in Kryostase befindlichen Crewmitgliedern, als Einziger die wahre Mission kennt.

Clarke (wie nebenbei bemerkt auch Kubrick) bemüht sich um möglichst große Realitätsnähe ohne daß das Ganze in Hard-SF "eskaliert": ob es sich um den Aufbau des Raumschiffs, den Flug an sich oder auch um die abschließende Reise durch das Sternentor (die übrigens sehr an "Contact" erinnert) handelt, es bleibt immer im Rahmen des technisch bzw. wissenschaftlich vorstellbaren.

Vor allem die Kapitel in denen die Erzählperspektive sozusagen aus dem Raumschiff "herausschwenkt" und Hintergründe beispielsweise zu HAL oder dem Monolithen liefern, lockern die Handlung auf, da diese ansonsten (ab dem zweiten Drittel) nur auf einen Ort mit praktisch drei handelnden Personen beschränkt ist.

Das Ende "schreit" förmlich nach einer Fortsetzung, was Clarke anscheinend ebenso sah und "2010", "2061" sowie in jüngster Zeit, als Abschluß der Tetralogie, "3001" folgen ließ.

Urteil: Interessantes Buch, auch - oder besser vor allem - für diejenigen, die den Film bereits gesehen haben. Es geht insoweit über den Film hinaus, daß es die Ursachen für HALs "Fehlfunktionen" und vor allem die Geschehnisse am Ende erklärt. (of)

Clarke, Arthur C.
Odyssee-Zyklus 2/4
"Odyssee 2010 - Das Jahr, in dem wir Kontakt aufnehmen"
(Org. "2010: Odyssey Two")
  7/10 Punkte
Copyright: 1982
Verlag: Heyne
Erschienen: 1995
Übersetzer: Irene Holicki
Form: Taschenbuch
Umfang: 303 Seiten
ISBN: 3-453-02284-
Preis: DM 9,90

Bei den Lesern, die Vorworte generell überblättern, wird sich bei diesem Buch wahrscheinlich schnell Verwirrung breit machen. Denn all die seit der Zeit von "2001" (und das sind immerhin 13 Jahre) gemachten wissenschaftlichen Erkenntnisse veranlaßten Clarke dazu, die Handlung des Vorgängerbandes quasi rückwirkend zu verändern. So ist es für die Protagonisten eine Tatsache, daß Dave Bowman auf seiner Mission zum Jupiter in dessen Orbit einen riesigen Monolithen entdeckt und durch diesen verschwindet - von Saturn oder Japetus ist keine Rede mehr.

Im Jahre 2010 bricht nun die Besatzung der "Alexej Leonow" zu einer zweiten Mission Richtung Jupiter auf, um Klarheit über die Funktion des Monolithen sowie Bowmans Schicksal zu erhalten. An Bord ist neben der russischen Crew auch noch Dr. Floyd (der Hauptverantwortliche während der "Discovery"-Mission), ein amerikanischer Ingenieur und Dr. Chandra - dem es als Erbauer des Supercomputers HAL am ehesten möglich ist, die Gründe für dessen offensichtliches Versagen zu finden.

Nach einem kurzen Intermezzo mit der chinesischen Konkurrenz gelingt es der Leonow schließlich an die Discovery anzudocken. Während die Ingenieure versuchen, das Schiff wieder flugtauglich zu bekommen, reaktiviert Chandra stufenweise HAL, um dessen verlorengegangene Persönlichkeit Schritt für Schritt wieder aufzubauen. Der Rest der Besatzung steht diesen Bemühungen jedoch mit recht gemischten Gefühlen entgegen, denn schließlich war es HALs Neurose, die das Scheitern der Discovery-Mission einleitete.

All dies wird erfolgreich abgeschlossen, doch bei den anschließenden Versuchen, den Monolithen näher zu erforschen, beißen die Forscher bildlich gesprochen "auf Granit", denn ähnlich dem Jahrzehnte zuvor auf dem Mond gefundenen Pendant läßt sich auch hier nicht einmal das Material bestimmen, geschweige denn Sinn und Zweck des Ganzen ergründen - erst ein plötzlicher auftretender Energiestoß bringt die eigentliche Handlung ins Rollen. Denn von nun an begleitet der Leser nicht nur die Besatzung der Leonow, sondern auch Dave Bowman auf seiner Reise durchs Sonnensystem. Und gerade bei diesen Passagen scheint es, als ob Clarke aufblühe: in schillerndsten Farben beschreibt er phantastische Lebensformen auf scheinbar lebenswidrigen Planeten. Aus Bowmans Perspektive erfährt man endlich - zumindest bruchstückhaft - Näheres über Wesen und Beweggründe der außerirdischen Intelligenz, und auch die Daves Rolle in dem ganzen Geschehen wird ansatzweise geklärt. Von all dem weiß die Menschheit nichts, doch die sich ankündigenden Ereignisse übersteigen ohnehin die menschliche Vorstellungskraft ...

Urteil: Erfreulich, wie wenig die Fortsetzung an Qualität einbüßt. Clarke treibt die Handlung konsequent fort, und schafft es durch das geschickte offene Ende Neugier auf den nächsten Band zu wecken, ohne das sich ein frustrierendes Cliffhanger-Gefühl einstellt.

Auch wenn die kleinen Nebenhandlungen größtenteils von der stetig wachsenden Intensität des Hauptplots überlagert werden, so trägt vor allem die Beziehung zwischen der Besatzung und HAL zu einem gewissen Anspruch bei. Das Ganze reißt einen zwar als eigenständiges Werk nicht vom Hocker, aber überdurchschnittliche Kost ist es allemal ... und für die, denen "2001" gefallen hat, ist es ohnehin ein Muß. (of)

Clarke, Arthur C.
Odyssee-Zyklus 3/4
"2061 - Odyssee III" (Org. "2061: Odyssey Three")
  6/10 Punkte
Copyright: 1988
Verlag: Heyne
Erschienen: 1998
Übersetzer: Irene Holicki
Form: Taschenbuch
Umfang: 348 Seiten
ISBN: 3-453-02565-2
Preis: DM 12,90

Rund 50 Jahre sind vergangen, seit Dr. Floyd und der Rest der Crew von ihrer Jupiter-Mission zurückkehrt sind. Die Menschheit hat sich während dieser Zeit den neuen Gegebenheiten (Stichwort "Luzifer") angepaßt und die Chance genutzt, um weitere Planeten und Monde zu besiedeln. Aber auch man sich Europa immer mehr nähert, hat bisher noch niemand riskiert, dort zu landen ... die Warnung der außerirdischen Itelligenz war zu eindeutig.
Sir Lawrence, seines Zeichens reichster Mann der Erde und Besitzer der einzigen privaten Raumflotte, will die Gunst der Stunde nutzen und eine noch nie dagewesene PR-Aktion starten: Sein Raumschiff "Universe" mit Wissenschaftlern und sechs Berühmtheiten an Bord soll sich dem Halleyschen Kometen auf seinem erdnächsten Punkt nähern und darauf landen.

Unter promimenten Beobachtern ist neben Größen aus Kultur und Medien auch Dr. Floyd, mittlerweile der einzige Überlebende der Leonow-Mission. Seinem hohen Alter zum Trotz befindet er sich aufgrund seiner langen Aufenthalte in Null-Gravitation (die letzten dreißig Jahre verbrachte er in einer Orbitalstation) und seines zweimaligen Kälteschlafs in einer körperlichen Verfassung, die einem 70-jährigen gutstehen würde. In der Einladung von Sir Lawrence sieht er die wahrscheinlich letzte Chance zur Selbstverwirklichung, und auf der Erde hält ihn ohnehin nichts mehr: Seine Ehe ging bereits während der Jupiter-Mission in die Brüche und nach seiner Rückkehr waren ihm nicht nur seine Frau sondern auch sein Sohn fremd.

Die Reise zum Jupiter verläuft ohne Probleme und die Landung auf Halley gelingt reibungslos. Man erkundet die phantastische Oberfläche und die bizarren Höhlensysteme des Kometen, als die Nachricht eintrifft, daß die "Galaxy" - ebenfalls aus Sir Lawrences Flotte - auf Europa abgestürzt ist. Später wird klar, daß das Schiff auf einer wissenschaftlichen Erkundungsmission entlang der Jupiter-Monde war, als es in die Gewalt einer Terroristin fiel und eine Landung erzwungen wurde. Nur der Geologe Rolf van der Berg ahnt den Grund für diese Ereignisse, denn bereits vor Jahren entwickelte er eine Theorie über die plötzliche Entstehung bzw. die Zusammensetzung des Mount Zeus' (eine Art europanischer Mount Everest), die er aber aus guten Gründen geheim hielt. (Hier setzt auch ein Kritikpunkt an: daß nämlich Clarke den Leser zu lange mit Andeutungen über die Geheimnisse des Bergs stichelt, obwohl schon zu Anfang die Lösung recht offensichtlich ist.)

Die Universe wird nun zur Rettung der Überlebenden abgeordert, und Floyd setzt sich für einen schnellen, aber auch mit größeren Gefahren verbundenen Weg ein - denn auch sein Enkel Chris II ist an Bord der Galaxy ...

Urteil: Natürlich kann nicht jeder Band "kosmische" Auswirkungen haben. Aber dennoch kommt einem die Story hier nahezu unbedeutend vor, verglichen mit den Vorgängern: da wurde der Beweis für die Existenz außerirdischen Lebens gefunden, mächtige Artefakte entdeckt und neue Sonnen erzeugt. Die Bedeutung von "2061" für den Gesamtplot ist nur gering, einzig die Ausblicke auf das abschließende "3001" bzw. der erst gegen Ende erkennbar werdende Stellenwert Floyds in dem ganzen Geschehen wären hier erwähnenswert.

Doch kann dies natürlich kein Maß für die Qualität des Buches sein, hier müssen andere Kriterien gelten: Und sowohl stilistisch als auch sprachlich kann man bei Clarke einfach nicht viel bemängeln, die beiden Handlungsstränge auf der Galaxy bzw. der Universe sowie die anfänglichen Ausflüge in die Ereignisse der vergangenen Jahrzehnte werden professionell abgewickelt - objektiv gesehen wäre also eine hohe Wertung angebracht. Doch was meiner Meinung nach fehlt, ist die Fähigkeit den Leser zu fesseln und über große Strecken auch zu faszinieren ... Alles in allem ein in keiner Sicht schlechtes Buch ohne große Höhepunkte. (of)

Clarke, Arthur C.
Odyssee-Zyklus 4/4
"3001 - Die letzte Odyssee" (Org. "3001 - The Final Odyssey")
  4/10 Punkte
Copyright: 1997
Verlag: Heyne
Erschienen: September 1999
Übersetzer: Irene Holicki
Form: Taschenbuch
Umfang: 221 Seiten + Anhang
ISBN: 3-453-13671-3
Preis: DM 14,90

Tausend Jahre, nachdem Frank Poole von HAL in die Weiten des Alls befürdert wurde, wird sein tiefgefrorener Leichnam bei einer Routinemission entdeckt und dank den Errungenschaften der modernen Technik wieder zum Leben erweckt. Als Relikt einer vergangenen Zeit muss er sich erst einmal langsam den neuen Lebensbedingungen anpassen, denn nicht nur technisch hat sich die Menschheit weiterentwickelt. Doch nachdem er all die neuen Eindrücke in sich aufgenommen hat und vollkommen wieder hergestellt ist, wird ihm das Fehlen einer wirklichen Aufgabe bewusst. Ein Leben als "Museumsstück" will er nicht führen und so lässt er sich schnell für die Idee begeistern, eine Reise nach Europa zu wagen - seit den Geschehnissen von "2010" eine Tabuzone. Er erhofft sich davon nicht nur ein Verständnis der europanischen Lebensformen, sondern durch den dortigen Monolithen auch einen Kontakt zu dem auf mysteriöse Weise verschwundenen Dave Bowman.

Urteil: "3001" hätte der krönende Abschluss der Odyssee-Tetralogie werden können, doch leider setzte sich die bereits in "2061" abzeichnende Entwicklung fort. Wieder einmal hat sich das Vorurteil bestätigt, dass die Qualität eines Zyklus' von Band zu Band nachlässt - auch wenn Heyne von Attributen wie "meisterhaftes Erzähltalent", "spannend" und "grandios" Gebrauch macht, sollte das nicht darüber hinweg täuschen, dass das Buch für sich gesehen eine einzige Enttäuschung ist. Es ist bestimmt nicht durchweg schlecht, aber es wird in keinster Weise den Ansprüchen gerecht, die man im Allgemeinen mit Autor und Titel verbindet. Bis auf die letzten paar Seiten, auf denen dann endlich mal ein bisschen Tempo in die Angelegenheit kommt, fallen zum einen die ausführlichen Nacherzählungen des bisher Geschehenen - die sich teilweise über knapp 10 Seiten ziehen - negativ auf, zum anderen empfand ich die Anspielungen auf das 20. Jahrhundert nach einiger Zeit nur noch als nervig: neben heute gebräuchlichen Redewendungen, die im dritten Jahrtausend nur Poole zuliebe benutzt werden, wunderte ich mich vor allem über die häufigen Anspielungen auf Star Trek.

Das alles wäre ja noch kein allzu großes Manko, aber leider kommt noch ein über große Strecken platter Schreibstil und eine im Grunde fantasielose Handlung hinzu, so dass man getrost auf den Kauf des Buchs verzichten kann - zu lieblos wirkt das Ganze. (of)

Clarke, Arthur C.
"Der Hammer Gottes" (Org. "The Hammer of God")
  2/10 Punkte
Copyright: 1993
Verlag: Heyne
Erschienen: 2000 (DE)
Übersetzer: Marion Koppelmann
Form: Taschenbuch
Umfang: 202 Seiten + Anhang
ISBN: 3-453-16111-4
Preis: DM 14,90

"Der Hammer Gottes" hat besagten A. C. Clarke wohl einmal zu oft am Kopf getroffen. Warum dieser Mann, der um die Hard SF solche Verdienste hat, seinen Ruf mit solch minderwertiger, unambitionierter Massenware ramponiert, bleibt mir schleierhaft. Vermutlich wird ihm die Kohle knapp, mit der er seinen Altersruhestand unter südlicher Sonne finanziert. Deshalb erscheinen ab und an solch zweifelhafte Werke wie dieses oder auch "Stärke 10". Wobei letztgenanntes eigentlich ein in der Hauptsubstanz auf Mike McQuay zurückgeht und auch deutlich besser ist als der Hammer Gottes.

Doch nun zum Inhalt: Was ist dieses göttliche Werkzeug eigentlich? Es handelt sich um einen Meteorit, der im 22. Jahrhundert droht, die Erde ähnlich zu verwüsten wie der Einschlag, der die Saurier auslöschte. Glücklicherweise hat die Menschheit der Zukunft etwas, das den Dinos fehlte, nämlich Raumschiffe mit Fusionsantrieb. Ein solches wird unter Kapitän Sing losgeschickt, um Kali - so nannte man den Meteor nach der indischen Göttin der Zerstörung - aus der Bahn zu drücken. Damit das aber nicht so einfach geht, hat eine Weltuntergangssekte das Schiff sabotiert. Die finden es nämlich nicht lustig, dass sich die Menschheit um den Richterspruch Gottes beim jüngsten Gericht herumdrücken will. Die meisten Leute, unter ihnen auch die Crew Kapitän Sings, teilen nicht ganz diese morbide Geisteshaltung und versuchen alles, um den Planet Erde und ihre eigene Haut zu retten. Das wird allerdings ungemein durch die Tatsache erschwert, dass die Erdregierung als letzten Ausweg eine nette kleine Atombombe auf den Weg gebracht hat, weil sie nicht an einen Erfolg von Kapitän Sings Bemühungen glaubt ...

Anmerkung: Man kann wohl schon am ersten Satz erkennen, dass ich nicht sonderlich begeistert bin. Ich habe nichts gegen Hard SF im allgemeinen, aber der Mangel an interessanten Modellierungen, tiefgehenden Charakterisierungen und einer interessanten Ausarbeitung einer Geschichte sollte wenigstens durch die sehr hohe Detailtreue und Realitätsnähe dieser Gattung ausgeglichen werden. Daraus bezieht das Genre ja auch seinen Reiz. Aber hier steht man vor einer aufgeblähten Kurzgeschichte aus einer Zeitschrift und fragt sich: Was soll das ganze? Interessante Ansätze sind durchaus vorhanden, wie zum Beispiel die Kontaktaufnahme einer außerirdischen Intelligenz, aber dieser Faden wird völlig unmotiviert fallengelassen. Mit Detailreichtum und Realitätsnähe ist es auch nicht weit her, bei dem geringen Umfang des Buches auch kaum verwunderlich. Als Fazit bleibt wieder einmal nur zu sagen: Wo Arthur C. Clarke draufsteht, erwartet man einiges als Leser. Leider wird man hier bitter enttäuscht. (cp)

Clarke, Arthur C.
Rama-Zyklus 1
"Rendezvous mit 31/439" (Org. "Rendezvous with Rama")
  7/10 Punkte
Copyright: 1973
Verlag: Heyne
Erschienen: 1996
Übersetzer: Roland Fleissner
Form: Taschenbuch
Umfang: 284 Seiten
ISBN: 3-453-09963-X
Preis: DM 12,90
Hugo Award 1974 Nebula Award 1973

Auf dem Bildschirm des Meteoritenabwehrsystems "Spaceguard" wird ein seltsames, regelmäßig geformtes Objekt sichtbar, das mit hoher Geschwindigkeit ins Sonnensystem eindringt. Bald wird klar, daß es von intelligenten Wesen gebaut wurde. Eine Expedition wird ausgesandt, um "Rama", wie der Steinzylinder bald genannt wird, zu erforschen. Zunächst scheint es eine tote, unbenutzte künstliche Welt zu sein, doch mit zunehmender Nähe zur Sonne erwacht Rama aus seinem Dornröschenschlaf. Doch die Zeit zur Erforschung scheint sehr begrenzt, da der neue Himmelskörper in die Sonne zu stürzen scheint; außerdem wird seine Präsenz bald zu einem Politikum zwischen den Vertretern der besiedelten Planeten des Sonnensystems.

Urteil: Sehr gutes Buch, nur sollte man sich schleunigst die Fortsetzung besorgen, denn sonst steht man am (unbefriedigenden) Ende noch ahnungsloser da als der Protagonist. (cp)

Compton, D.G.
"MERS" (Org. "Nomansland")
  6/10 Punkte
Copyright: 1993
Verlag: Heyne
Erschienen: 1999
Übersetzer: Alfons Winkelmann
Form: Taschenbuch
Umfang: 430 Seiten
ISBN: 3-453-14884-3
Preis: DM 17,90

Nein, mit Mittelerde und Fantasy hat dieses Buch nichts am Hut, MERS steht vielmehr für Male Embryo Rejection Snydrom: In Comptons Near-Future-Vision werden plötzlich keine Jungen mehr geboren, alle männlichen Föten werden bereits in einem frühen Stadium der Schwangerschaft abgestoßen. Und auch vierzig Jahre nach dem ersten Auftreten ist noch nicht einmal die genaue Ursache hierfür gefunden - trotz den immensen weltweiten Bemühungen. Zwar sehen einige endlich zu Wort kommenden Frauen den Grund für MERS in der Gnade von "Gott der Mutter" und feiern die Befreiung vom Patriachat, aber dem Großteil der Menschheit ist klar, daß ein Gegenmittel gefunden werden muß, um das Überleben der Spezies zu sichern.

Die Protagonistin, Dr. Harriet Kahn-Ryder, ist eine der weltweit führenden Wissenschaftler auf diesem Gebiet und nach jahrelangen Forschungen glaubt sie endlich einen Impfstoff entdeckt zu haben. Doch als sie die Regierung - ihren Arbeitgeber - um einen Feldversuch und Publizierung bittet, wird sie mit fadenscheinigen Argumenten abgewiesen. Auch eine Veröffentlichung auf eigene Faust wird unterbunden, indem angebliche Polizisten das Leben von Harriets Tochter durchaus glaubhaft bedrohen. Von da an beginnt ein Katz-und-Maus-Spiel, bei dem Harriet immer wieder zwischen der globalen Bedeutung eines Impfstoffes und der Sicherheit ihrer Tochter abwägen muß.

Dieser Haupthandlungsstrang wechselt mit Rückblenden in Dr. Kahn-Ryders Vergangenheit ab, so daß der Leser Einblicke in ihre Kindheit und ihr familiäres Umfeld erhält, in ihre Entwicklung und die ihres psychotischen Bruders - der trotz seiner eher indirekten Bedeutung für die Story einer der Hauptcharaktere ist.

Urteil: Nicht herausragend, aber auch nicht schlecht. Die immer größer werdende Verzweiflung Harriets läßt sich gut an Comptons verändertem Schreibstil erkennen, und vor allem das Ende weiß zu überraschen - doch irgendwie fehlt dem Ganzen das "gewisse Etwas". Der in "MERS" entworfenen Gesellshaft, in der es ja schließlich keinen Mann unter 40 gibt, fehlt es an Profil - obwohl man deutlich merkt, daß Comptons sich zumindest an einigen Stellen bemüht hat, Unterschiede zu unserer gewohnten Welt zu erzeugen ... das Problem liegt in dem "bemüht", denn im Nachhinein macht vieles einen recht konstruierten Eindruck. (of)

Compton, D.G.
"Tod Live" aka "Der gekaufte Tod"
(Org. "The continuous Katherine Mortenhoe")
  6/10 Punkte
Copyright: 1974
Verlag: Heyne
Erschienen: 1997
Übersetzer: Thomas Schlück
Form: Hardcoverchen
Umfang: 301 Seiten
ISBN: 3-453-11919-3
Preis: DM 18,90

Wieder mal ein Medienthriller. Da fragt man sich meistens: "is ja nicht schlecht, aber was hat das mit Science Fiction zu tun?" So auch hier und die Frage bleibt, wie so oft, unbeantwortet. Eine Frau ist todkrank und hat nur noch ein paar Wochen zu leben. Damit hat sie alles, was sie zum Fernsehstar braucht. Ein sensationsgeiles Publikum garantiert höchste Einschaltquoten, wenn das Leid anderer bis ins letzt ausspioniert wird. Aber Kathrine Mortenhoe möchte nicht zum Objekt der Glotzbegierde werden, sie möchte einfach nur in Ruhe irgendwo unerkannt sterben. Aber die Medienkonzerne lassen nicht locker. Sogar ihren Ehemann können sie kaufen, damit er der Bespitzelung zustimmt. Der letzte Ausweg: Flucht! Als Landstreicherin zieht sie durchs Land und hofft, irgendein stilles Fleckchen Erde zu finden, wo keine Fernsehkameras auf sie lauern. Auf ihrem Irrweg begegnet sie einem anderen Landstreicher und fasst vertrauen zu diesem jungen Mann. Gemeinsam führen sie ihre Flucht vor den gierigen Augen der Gesellschaft fort, die sie zu den bizarrsten Vertretern der Gattung Mensch führt. Dekadenz, Not, Krankheit Hand in Hand mit Verwahrlosung und Teilnahmslosigkeit und Verschwendung. Und diese Reise durch die Gesellschaft ist live auf dem Bildschirm zu sehen, denn der junge Landstreicher ist ein Agent des Fernsehkanals und trägt in seine Augenhöhlen implantierte Fernsehkameras, die den Leidensweg Katherine Mortenhoes minutiös dokumentieren. Doch das ist nicht einmal das schlimmste ...

Anmerkung: Dieser Roman wurde bereits mit Romy Schneider und Harvey Keitel in den Hauptrollen verfilmt. Ursprünglich 1974 wurde dieses Buch nun in die High8000-Serie des Heyne Verlages aufgenommen. Ich kann und will nicht behaupten, dass dieses Buch schlecht sei, aber in der High8000 gibt es Besseres. Es ist doch alles recht vorhersehbar, außerdem ist viel an dieser Dystopie bereits von der Realität überholt worden. Der Zauberwürfel, der uns die Realität ins Wohnzimmer liefert, ohne das man sich draußen noch die Füße dreckig machen muss, der uns sagt, dass Clinton gut und Milosevic böse ist, der uns die Jungen, Schönen und Glücklichen zeigt, der uns sagt, wie wir zu denken haben, was wir kaufen sollen und was schön ist, dieser Kasten hat in seiner Entwicklung längst jedes Maß an Perversion gesprengt. Und sein Publikum mit ihm ... (cp)