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Letztes Update: 05.06.2004 |
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Farmer, Philip José "Fleisch" |
9/10 Punkte
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Copyright: 1968/69 Verlag: Heyne |
Erschienen: 1997 (DE) Übersetzer: Ronald M. Hahn |
Form: Taschenbuch Umfang: 640 Seiten |
ISBN: 3-453-03147-4 Preis: DM 16,90 |
Drei Romane in einem Band:
1. "Die Verkörperung des Bösen" (Org. "The Image of the Beast") © 1968
2. "Außer Atem" (Org. "Blown") © 1969
3. "Fleisch" (Org. "Flesh") © 1968
Trotz des irreführenden Titels handelt es sich nicht um eine Selbstdarstellungsbroschüre der Metzgerinnung, sondern um Literatur im engeren Sinn. In diesem Band hat der Heyne Verlag drei Erzählungen Farmers zusammengefaßt, von denen nur die ersten beiden in direktem inhaltlichen Zusammenhang miteinander stehen. Die dritte spielt in einer noch weiter entfernten, bizarren Zukunft mit völlig anderen Figuren und anderer Erzählweise. Was allen drei Geschichten jedoch zu eigen ist, sind die zahlreichen, sehr farbig geschilderten erotischen Szenen, die Farmer den Vorwurf der Pornographie eintrugen. Nun denn, zum Inhalt:
Die ersten beiden Episoden schildern die Abenteuer des Privatdetektiv Herald Childe. Für alle, denen es noch nicht dämmerte, in welche Tradition sich Farmer stellt, sei gesagt daß dieser Herald Childe aussieht wie Lord Byron. (Der bedeutendste Vertreter der Spätromantik, ausführliche Infos in Metzlers Literaturgeschichte oder in jedem anständigen Autorenlexikon). Dieser Detektiv versucht, einer mysteriösen Gruppe von Personen auf die Spur zu kommen, die seinen Partner entführten und ihn während einer reichlich ausgefallenen Gruppensexparty mittels Biß in die Genitalien vom Leben zum Tode beförderten. (Der Ärmste verblutete - aber vorher hatte er seinen Spaß) Childe kommt dieser maskierten Gruppe tatsächlich auf die Spur, und muß zu seiner Überraschung feststellen, daß sie wohl gar nicht maskiert waren - Es scheint sich tatsächlich um Schauergestalten zu handeln, die nicht nur in der Phantasie Shelleys, Stokers und Meyerincks existierten, sondern in Wirklichkeit sind es Außerirdische, die auf der Erde strandeten. Um ihre Form aufrechtzuerhalten benötigen sie Energie, die normalerweise nicht aus der Steckdose kommt: Sex. Dagegen wäre eigentlich nichts zu sagen, wenn man nicht gerade im Vorstand von `nem Energiekonzern sitzt. Nun haben diese Leutchen die dumme Angewohnheit, den Begriff "One Night Stand" etwas zu wörtlich zu nehmen, was natürlich von den Ordnungsbehörden im apokalyptisch smogverseuchten L.A nicht toleriert werden kann.
Im zweiten Roman stellt sich dann heraus, daß es eine weitere Gruppe Außerirdischer gibt; selbe Spezies, andere Weltanschauung. Sie sind nämlich die Guten, bzw. sie behaupten die Feen und guten Geister aus den Märchen zu sein, während die anderen Dracula und Co sind. Sie sind allerdings auch auf der Erde gestrandet, weil sie bei ihren Feindseligkeiten jeweils ihre Raumkapitäne abgemurkst haben und nur ganz bestimmte Individuen genetisch dazu in der Lage sind, sich und andere durch die Raumzeit zu transportieren. Nun ist allerdings ein Mischling geboren, der dazu in der Lage ist und jede Gruppe will sich seine Dienste sichern. Sein Name: Herald Childe, der uns wohlbekannte, byroneske Held. Zuerst muß Childe allerdings in einer sogar für diese aufgeschlossenen Zeitgenossen und -genossinnen wilden Party das Raumzeitvehikel herstellen. (Wenn man das Buch so liest, könnte man den Knaben glatt beneiden.) Wie auch immer, für diese Art des Raumfluges würde wohl jeder Scotty's Warptriebwerke auf den Schrott schmeissen.
Im dritten Roman des Bandes wird's dann richtig skurril: Eine Raumschiffbesatzung kommt nach 800 Jahren im Kälteschlaf zurück zur Erde und glaubt, auf dem Plant der Affen gelandet zu sein. Die industrielle Zivilisation ist zerfallen, auf dem nordamerikanischen Kontinent leben die Leute wie im 19. Jahrhundert. Es gibt allerdings mehrere Staaten mit völlig unterschiedlichen Gesellschaftssystemen, z.B. Nachfolger des "American Way", ein paar schwule Mormonen, die leben wie Indianer und eine matriarchalische Theokratie, die den Anführer der Raumfahrer, Peter Bock, wirklich zum Bock machen, indem sie ihm ein Geweih implantieren, das sowohl seine physische Stärke und seine Zeugungskraft potenziert. Leider auf Kosten seines freien Willens: Die 2 F's bestimmen ab jetzt sein Leben: fressen und ... na was wohl. Zum Glück wird er entführt, denn nach der Sommersonnenwende sollte er in einem Ritual geopfert werden. Seiner Crew gelingt es allerdings, den der Hälfte seines Geweihes verlustig gegangenen und somit wieder halbwegs zurechnungsfähigen Peter Bock zu finden und versuchen, mit ihm auf irgendeinen angenehmeren Planeten zu entkommen. Doch da sind ja noch ein paar Leute, die gar nicht begeistert darüber sind, daß ihr Super-Bock auf seiner Befruchtungstour unterbrochen wurde.
Anmerkung: Pornographie ist per definitionem sinnloses Rumficken ohne Anspruch. Das hier hingegen ist Literatur - Gewürzt mit sinnlosem Rumgeficke ohne Anpruch, zugegeben. Aber die Absicht des Buches ist es nicht, ein paar feuchte Flecken in ein paar Hosen zu machen, sondern eine Satire zu sein, eine respektlose Sprengung der Grenzen des Genres und des sogenannten "guten Geschmacks". Pflichtlektüre! (und Therapiematerial für Engstirnige). (cp)
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Farmer, Philip José "Die Irrfahrten des Mr. Green" |
7/10 Punkte
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Copyright: 1957/70 Verlag: Heyne |
Erschienen: 1996 Übersetzer: W. H. Bergner, W. Brumm und W. Eisermann |
Form: Taschenbuch Umfang: 767 Seiten |
ISBN: 3-453-05375-3 Preis: DM 18,90 |
Drei Romane in einem Band:
1. "Die Irrfahrten des Mr. Green" (Org. "The Green Odyssey") © 1957
2. "Der Steingott erwacht" (Org. "The Stone God awakes") © 1970
3. "Lord Tyger" (Org. "Lord Tyger") © 1970
Die Irrfahrten des Mr. Green
Sein Name ist Green, Alan Green. Aber es muß ja nicht immer Odysseus sein. Vor einigen Jahren strandete er auf einem Planeten, dessen menschliche Bewohner auf eine Kulturstufe vergleichbar mit unserer Bronzezeit zurückgefallen waren. Er wurde versklavt, aber es gelang ihm, immerhin zum Lieblingssklaven einer Herzogin aufzusteigen. Allerdings wurde ihm diese Position zu gefährlich, da er keineswegs auch der Lieblingssklave des Herzogs war. Als er hörte, daß jenseits eines Meeres aus Gras Dämonen vom Himmel gefallen seien, setzt er alles auf eine Karte und wagt die Flucht. Denn er hofft, diese Dämonen könnten Raumfahrer wie er sein, mit deren Hilfe ihm vielleicht die Flucht von diesem barbarischen Planeten möglich wäre. Kein leichtes Unterfangen, denn das Grasmeer steckt voller Gefahren wie Piraten und schwebende Inseln, die von blutrünstigen Wilden bewohnt werden. Das alles und seine Ehefrau, die bereits ein Kind von ihm hat, können ihn nicht davon abbringen, seine Flucht zu versuchen. Er kämpft sich durch allerlei Gefahren, kommt oft nur knapp mit dem Leben davon, aber am Ende seiner Odyssee lernt er etwas über die Herkunft der Menschen, die diesen Planeten besiedeln.
Anmerkung: Mit Homer hat Farmer reichlich wenig am Hut. Das merkt man recht bald. Existentielle Fragestellungen, wie sie sich hinter den Abenteuern des Odysseus verbergen, fehlen hier. Der Held muß sich auch keiner Läuterung unterziehen, oder für seine Missetaten büßen, wie der echte Held des homerischen Epos. Greens Reisen widerspiegeln keine Grundelemente unsere Psyche. Er steuert einfach auf sein Ziel los, tut, was getan werden muß, und der Autor belohnt ihn mit einem Happy end. So gesehen wäre "Old Shatterhand im Weltraum" vielleicht ein passenderer Titel gewesen. Aber nichts desto Trotz eine gute Unterhaltungslektüre. (Deshalb hab ich's jetzt schon zum zweiten Mal gelesen.)
Der Steingott erwacht
Nachdem das Stasisexperiment anders verlief als erwartet, wacht Odysseus Sinclair auf, und findet eine Welt vor, die unmöglich die Erde des 20. Jahrhunderts sein kann. Er findet heraus, das er ca. 20 Millionen Jahre in Stasis war, die Menschheit wie er sie kennt, existiert nicht mehr. Statt dessen ist die Erde von intelligenten Wesen bevölkert die ihn als einen ihrer Götter ansehen. Diese Wesen scheinen von Tieren aus dem Zeitalter der Menschen abzustammen: es gibt Abkömmlinge von Katzen, Waschbären, Elefanten, Fledermausartige und Menschen, die von den letzten "echten" Menschen aus Affen gezüchtet wurden. Die einzige Lebensform, die sich noch an die alten Menschen erinnern kann ist ein intelligenter Baum, so groß wie ein ganzes Land, der von Wesen bevölkert wird die ihm dienen und helfen, die umgebenden Gebiete zu überwuchern und deren Bewohner zu versklaven. Dieser Baum versucht, Sinclair zu vernichten, da er ein Anachronismus ist und diesem Zeitalter Wissen bringt, das mit den Menschen ausgelöscht werden sollte. Genau diese Wissen setzt Sinclair ein.
Den Wesen dieses Zeitalters ist der Gedanke, sich die Erde untertan zu machen fremd. Deshalb wurden sie verschont. Sinclair hingegen ist der Mensch par excellence. Er versucht genau wie der Baum, alles, um die Welt nach seinem Willen zu gestalten. Deshalb stehen diese beiden Antagonisten in einem unversöhnlichen Konkurrenzkampf zueinander, den nur einer von beiden überleben kann.
Anmerkung: Eine Mischung aus Gullivers Reisen und Robinson Crusoe, der Protagonist ist ein ähnlich zupackender Charakter, der sich niemals entmutigen läßt, und den Schicksalsschlägen immer wieder trotzt. Wenn man's recht bedenkt, ist das eine recht hübsche Parabel. Die "tierischen" Elemente der menschlichen "Seele" werden den Elementen gegenübergestellt, die uns zu Menschen machen. Exemplifiziert am Verhalten der neuen Rassen, die aus Tiere herausgezüchtet wurden und über das Verfügen, was wir gemeinhin als Intelligenz oder Vernunft bezeichnen. Sie verwenden Werkzeug, sie sind sich ihrer selbst bewußt und besitzen Sprache und Kultur. Sie führen Territorialkriege und töten aus religiösen Gründen. Die innere Unruhe, den Impetus zu verändern, nur um der Veränderung willen, wie ihn die sogenannten "zivilisierten" Menschen unserer Zeit besitzen, fehlt ihnen. Den besitzen nur der Baum und Sinclair. So bleiben also zwei Elemente, die den Mensch zum Mensch machen: die primitiven tierischen Triebe, und die "Zivilisation", die sich unweigerlich selbst vernichtet, weil sie sich der Natur zu weit entfremdet hat. Weiterdenken erlaubt.
Ich schließe mit einem Zitat: "Er nennt's Vernunft, und braucht's allein, nur tierischer als jedes Tier zu sein."
Lord Tyger
Tarzan, der Lianenschwinger ist wieder da. Seinen Urwaldjodler lauthals herausbrüllend, hüpft er von Ast zu Ast. Dieser Tarzan hat allerdings im Gegensatz zu Johnny Weissmüller kein Keuschheitsgelübde abgelegt. Wenn Ras Tyger seine Liane schwingt, ist was los im Dschungel. Den kaffeebraunen Urwaldschönheiten wird ganz warm ums Herz, wenn sie an seinen letzten Besuch denken. Ansonsten ist er genauso fit wie sein Vorgänger, den Burroughs beschrieben hat: Er ringt mit Krokodilen, hat einen zahmen Löwen und auch sonst einen guten Draht zu der ganzen Urwaldviecherei. Lediglich eins läßt ihm keine Ruhe, Gott, von dem ihm seine Eltern immer erzählt haben und der auf einer hohen Steinsäule in einem See wohnt, scheint irgendwelche krummen Sachen zu machen. Aber solange er ihn und die Eingeborenen in Ruhe läßt, schert sich Ras nicht um ihn und genießt sein Leben. Aber eines Tages tritt eine jähe Störung ein: Ras Vater verschwindet und seine Mutter wird getötet. Er glaubt, daß die Dorfbewohner schuld an deren Tod sind und übt grausam Rache. Er hatte nicht vor alle zu töten, doch ein Abgesandter Gottes erschießt auch Frauen und Kinder, so das Ras ganz allein auf der Welt ist. Deshalb nimmt er sich vor, zu deren Ende zu reisen um Gott einige Fragen zu stellen. Unterwegs stellt sich jedoch heraus, daß die Welt nicht bloß ein Tal im äthiopischen Dschungel und Gott nicht bloß ein verrückter Multimillionär ist.
Anmerkung: Zu meiner Schande muß ich gestehen, daß ich den Roman von Burroughs nicht gelesen habe. Deshalb kann ich nicht beurteilen, ob der Roman von Farmer als Persiflage gelungen ist. Kurzweilig ist er auf jeden Fall. Außerdem ist sein "bon savage" gar nicht so nobel. Im Gegenteil, dieser Tarzan ist ein Wilder. Weder positiv noch negativ bewertet. Er reagiert einfach instinktiv, ohne von der Zivilisation verdorben worden zu sein. Für sein Überleben in der Wildnis ist es von Vorteil, sobald er allerdings mit der Zivilisation in Kontakt kommt, wird die Situation gar nicht mehr so witzig, denn wenn so ein 2-Meter Kraftpaket nämlich mit einem Sturmgewehr umgehen kann, sollte man es tunlichst vermeiden, ihn zu ärgern.
Diese Entdeckung macht auch Gott, denn er war halt wirklich nur ein verrückter Millionär, der seinen Lieblingsroman bis ins kleinste Detail nachstellen wollte. Leider kann man im Leben keine so geartete Kontrolle ausüben wie ein Schriftsteller, der ja wirklich Herr über Wohl und Wehe seiner Figuren ist. (cp)
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Farmer, Philip José "Der Zorn des Roten Lords" (Org. "Red Orc's Rage") |
4/10 Punkte
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Copyright: 1991 Verlag: Heyne |
Erschienen: 1997 Übersetzer: Usch Kiausch |
Form: Taschenbuch Umfang: 317 Seiten |
ISBN: 3-453-13293-9 Preis: DM 14,90 |
Als ein Psychater im Osten der USA die Idee hatte, den Zyklus "Die Welt der Tausend Ebenen" von P. J. Farmer als Hilfsmittel für eine neuartige Therapie psychisch gestörter Jugendlicher einzusetzen, gefiel das Farmer so gut, daß er darüber ein Buch schrieb. Was sich wie ein schlechter Witz anhört, ist durchaus ernst gemeint. Zugegeben, es ist ein faszinierendes Konzept ... aber doch bitte kein Stoff für einen SF-Roman. Farmer läßt die Charaktere den "Ebenen"-Zyklus sowie dessen Autor über alle Maßen hinweg loben. Aber okay ... ein etwas objektiverer Einstieg ist vielleicht angebracht.
Die neue Therapiemethode verlangt von den zu Behandelnden, daß sie Farmers "Ebenen"-Zyklus lesen und sich dann einen der dort auftauchenden Charaktere auswählen, den sie gerne verkörpern wollen. Daraufhin muß versucht werden, sich so zu verhalten, wie es die ausgewählte Phantasiegestalt tun würde, man muß also, bildlich gesprochen, mit ihr verschmelzen. Im Laufe der Zeit werden dann alle negativen Eigenschaften des Buchcharakters abgelegt, bis schließlich der ursprünglich Kranke durch die neugewonnenen positiven Eigenschaften geheilt ist.
Das Buch selbst spielt nun in einer (fiktiven) Klinik, in der die oben umrissene Therapiemethode angewendet wird und erzählt von den Erlebnissen des Jim Grimson, einer der in Behandlung stehenden Patienten. Jim ist 14 Jahre alt und sein Leben war hoffnungslos: Arm wie eine Kirchenmaus, von den Klassenkameraden ausgestoßen, einen Vater, der nur den Alkohol liebt, und eine Mutter, die nur hilflos danebensteht. Als an einem Halloween-Abend wieder alles schiefläuft, was nur schieflaufen kann, wird er zur Therapie geschickt. Dort verliert er seine ursprünglichen Zweifel an der Behandlungsmethode und entscheidet sich, mit dem "Roten Orc" zu verschmelzen, einem Charakter, der mit ähnlichen Problemen wie Jim zu kämpfen hat: der Vater prügelt oft grundlos auf ihn ein und seine Mutter steht mehr (bei Jim) oder weniger (bei Orc) tatenlos daneben. Aber viel wichtiger ist, daß in Orc der gleiche Zorn wie in Jim schwelt, stärker als alle anderen Gefühle.
Orc ist ein Lord, Mitglied einer Rasse, die so weit entwickelt war, daß sie nach Belieben Taschenuniversen schaffen und formen konnten. Im Laufe der Zeit geriet das Wissen darüber jedoch in Vergessenheit, so daß plötzlich ein Kampf um die begrenzte Anzahl an Welten entbrannte. Trotz ihres Entwicklungsstandes werden die Aktionen der Lords noch immer von Neid, Haß und Gier geleitet, Inzest und Ehebruch sind an der Tagesordnung.
Als Orc, in dem noch eine Spur Mitgefühl existiert, einen Tages im Zorn seinen Vater umzubringen versucht, wird er von diesem auf die "Unerwünschte Welt" ins Exil geschickt, einer unwirtlichen Welt voller Gefahren. Nach vielen Abenteuern, immer besessen von dem Gedanken, sich zu rächen und seinen Vater zu töten, findet er den Weg zurück und beginnt den Krieg gegen seinen Vater.
All diese Abenteuer erlebt Jim mit, indem er auf mystischem Wege in die Welt Orc's reist und dort alle Sinneswahrnehmungen und Empfindungen Orcs teilt. Seine anfängliche Verehrung von Orcs Mut und Entschlossenheit wandelt sich im Laufe des Buchs in einen unbeschreiblichen Ekel vor Orcs Gewalttätigkeit. Er kann, als er erkennt wie unangemessen Orcs Zorn auf seinen Vater ist, endlich auch seinen eigenen Zorn überwinden und seinem Vater verzeihen.
Urteil: Wieso das Buch im SF-Genre eingeordnet wird, ist mir unverständlich. Die Abenteuer Orcs sind nahezu reines Fantasy und die Erlebnisse Jims in der Gegenwart haben mit Science Fiction ebenso nichts zu tun.
Subjektiv gesehen ist das Buch gar nicht einmal sooo schlecht, doch strotzt es vor Mystizismus. Würde Jim nicht teilweise die Fähigkeiten Orcs erlernen, könnte man die Tatsache, daß im Buch die wirkliche Existenz der "Welt der Tausend Ebenen" propagiert wird, als bloßes Stilmittel Farmers interpretieren, um zu zeigen wie ein Patient die Therapie erlebt - doch so ist diese Auslegung nicht zu vertreten. (of)
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Foster, Alan Dean "Der Metrognom" (Org. "The Metrognome & Other Stories") |
4/10 Punkte
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Copyright: 1990 Verlag: Heyne |
Erschienen: 1998 Übersetzer: R. Hlawatsch und S. Jettkant |
Form: Taschenbuch Umfang: 330 Seiten |
ISBN: 3-453-13969-0 Preis: DM 12,90 |
Dieser Band enthält folgende Kurzgeschichten:
01. "Für handvermittelte Telefongespräche gelten höhere Gebühren" (Org. "Operator assisted Calls are charged at a higher rate")
02. "Der Metrognom" (Org. "The Metrognome")
03. "Schub" (Org. "Thrust")
04. "Pfeifenträume" (Org. "Pipe Dream")
05. "Mutter Donner" (Org. "Mother Thunder")
06. "Der Stuhl" (Org. "The Chair")
07. "Das Erbe" (Org. "The Inheritance")
08. "Laufen" (Org. "Running")
09. "Langweilig" (Org. "Unamusing")
10. "Der Donnerer" (Org. "The Thunderer")
11. "Pleistosport" (Org. "Pleistosport")
12. "Norg glieble gop" (Org. "Norg gleeble gop")
13. "Frosch" (Org. "Batrachian")
14. "Die tesselierte tetrahexaedrische Gelbe Rose von Texas" (Org. "The Thessellated Tetrahexahedral Yellow Rose of Texas")
14. "Sammlung" (Org. "Collectible")
Gleich zu Beginn dieser Kurzgeschichten-Sammlung stellt sich einem die Frage, ob man hier wirklich ein SF-Buch in Händen hält: Da terrorisiert ein cholerischer Rentner die Telefongesellschaft, bis das Telefon (!) schließlich genug hat und gewisse Gegenmaßnahmen ergreift. Und auch die nächste Story - ein Arbeiter begegnet im U-Bahn-System New Yorks einem dort schürfenden Gnom und bekommt eine große Verantwortung übertragen - beseitigt nicht gerade die aufkommenden Zweifel an dem Genre des Buches. In diesem Stil geht es jedoch weiter, man trifft auf seelenraubende Möbelstücke, Menschen aussaugende Haustiere und natürlich auch auf den obligatorischen "Psychopathen hinter gutbürgerlicher Fassade". Alles ganz schön und gut für ein einfallsloses Horrorbüchlein, aber doch bitte nicht in einer SF-Sammlung.
Naja, ab und an trifft man auch auf ein paar Science Fiction-Geschichten, die jedoch ebenfalls nicht zu begeistern wissen. Auf rund 70 Seiten versuchen Regierungsbeamte einer Farmerfamilie ein abgestürztes außerirdisches Artefakt abzuschwatzen, die sich jedoch weigern und es lieber als Weihnachtsdekoration benutzen; in einer anderen Geschichte wird ein zeitreisender (Trophäen-)Jäger Opfer seiner eigenen Besessenheit und in einer dritten Story verliebt sich ein Student in ein bezauberndes Alien ... also nicht gerade mitreißende Themen.
Als lesenswerte Geschichte ließe sich einzig "Laufen" herausheben, in der ein zu Unrecht vom Mob verfolgter Tagedieb es schafft in die Wildnis rund um die menschliche Kolonie zu flüchten und dort Zuflucht bei den heimischen "Läufern" findet. Er paßt sich ihrem Lebensstil an und erkennt schließlich den Grund für deren andauernden Konflikte mit den menschlichen Kolonisten ...
Urteil: Solide Hausmannskost, mehr aber nicht. Viele der Geschichten erinnern mehr an einen Stephen King als an einen Alan Dean Foster, andere sind klar der Fantasy zuzuordnen. Und die wenigen übrigbleibenden SF-Geschichten sind teilweise viel zu simpel gestrickt und plakativ ("Pleistosport"), oder aber ziemlich sinnlos ("Schub"). Stilistisch also ganz ansprechend, inhaltlich aber größtenteils uninterresant. (of)