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Letztes Update: 05.06.2004 |
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Hahn, Ronald M. "Socialdemokraten auf dem Monde" |
8/10 Punkte
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Copyright: 1988 Verlag: Heyne |
Erschienen: März 1998 Übersetzer: n.a. |
Form: Taschenbuch Umfang: 157 Seiten |
ISBN: 3-453-13339-0 Preis: DM 9,90 |
Deutschland. Unendliche Begeisterung. Wir schreiben das Jahr 1920. Dies ist das Abenteuer des Grafen von Reventlow, der mit seiner reizenden Gemahlin Clothilde und seinem Domestiken Carl Napp wenige, aber ereignisreiche Tage unterwegs ist, um den Mond als bedeutendste Kolonie dem deutschen Kaiserreich einzuverleiben.
Nachdem die räuberischen Welschen und der perfide Albion von unserer ruhmreichen Majestät W. II gezüchtigt wurden, strebt er nun den Platz an der Sonne wortwörtlich an. Doch unser wackerer teutonischer Entdecker erlebt auf dem Monde eine böse Überraschung: Die einheimischen Seleniten sind der Geißel der Neuzeit verfallen, das Gespenst geht nicht nur in Europa um: DIE SOCIALDEMOKRATIE ! Um dem Übel die Crone aufzusetzen stellt sich der getreue Diener als Agent der Bolschewiken heraus, der hinter das Geheimnis des Raumfluges zu kommen trachtet. Doch nachdem sich der tapf're Graf des Problemes auf altdeutsche Weise entledigt hatte, taucht ein blinder Passagier auf; ein Überlebender einer früheren Mondmission der Engländer, der sich an Bord geschlichen hatte. Zu allem Elend stellt sich heraus, daß Carl die Lebenserhaltungssysteme, die Proviantkammer und die Toiletten sabotiert hat. Bevor man gezwungen ist, seine Notdurft auf den Gängen zu verrichten, entschließt man sich, der roten Canallie nochmals die Aristocratenstirn zu bieten.
Urteil: We are amused ! Irgendwo in der Schnittmenge zwischen Jules Verne und Stanilaw Lems "Sternentagebücher" treibt dieser Autor seinen Schabernack mit teils historischen, teils erfundenen Karikateren. Er vermeidet es allzu anspruchsvoll zu werden, der Einsatz von Anspielungen bleibt begrenzt.
Wenn man nur oberflächlich mit den Hintergründen des ausgehenden Kaiserreiches und der seit Bismarck vorherrschenden Sozialdemokratenphobie in der Bevölkerung vertraut ist, kann man mit diesem Buch seinen Spaß haben. (cp)
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Haldeman, Joe "The Forever War" (Dt. "Der ewige Krieg") |
7/10 Punkte
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Copyright: 1975 Verlag: Avon Books |
Erschienen: 1997 Übersetzer: n.a. |
Form: Taschenbuch Umfang: 253 Seiten |
ISBN: 0-380-70821-3 Preis: US$ 5,99 |
| Hugo Award 1976 | Nebula Award 1975 |
Ähnlich Heinleins "Sternenkrieger" hat man hier einen der Klassiker des militärischen Subgenres vor sich, und zwar in der überarbeiteten ursprünglichen Fassung (abweichend von den vor 1991 erschienenen Ausgaben). In jüngster Zeit erschien übrigens auch die - zumindest thematische - Fortsetzung mit "Der ewige Friede".
Als gegen Ende des 20. Jahrhunderts eine Möglichkeit entdeckt wird, den Weg durch Kollapsare quasi als Abkürzung zu Lichtjahre entfernten Sternen zu benutzen, scheint der Expansion der Menschheit nichts mehr im Wege zu stehen. Dann kommt es jedoch wie es kommen muß, als eines der Schiffe verschwindet und man Hinweise auf die Existenz einer weiteren Spezies erhält. Die "Tauraner" werden von den militärischen Führern schnell als Feind klassifiziert und endlich hat man wieder einen Grund, die Kriegsmaschinerie hochzufahren. Und damit gewährleistet ist, daß neben Muskeln auch noch Köpfchen bei den Soldaten vorhanden ist, wird ein Gesetz verabschiedet, daß die geistige und körperliche Elite des Landes für zwei Jahre zwangsrekrutiert. Dabei bezieht man sich jedoch auf die subjektive Zeit des Einzelnen - die bei Flügen mit relativistischen Geschwindkeiten natürlich deutlich von der "normalen" Zeit abweichen kann.
William Mandella, ein Physikstudent kurz vor dem Abschluß, ist unter den ersten so Rekrutierten und wird gleich einer knallharten Ausbildung unterzogen. Da man so gut wie nichts über die Tauraner weiß, werden sie auf die härtesten Umweltbedingungen und extremsten Situationen hin geschult - als Abschlußprüfung müssen sie in ihren Kampfanzügen sogar gefährliche Aufträge bei Temperaturen knapp über dem absoluten Nullpunkt erfüllen ... der Tod ist ein permanenter Begleiter, sogar in der Ausbildungskompanie.
Ihr erster richtiger Auftrag bildet zugleich auch den ersten direkten Kontakt zwischen Tauranern und Menschen: Eine tauranische Basis auf einem sonst unbesiedelten Planeten, von der man außer ihrer Existenz nichts weiß, soll "gesäubert" und - wenn möglich - Gefangene gemacht werden. Doch die Aktion artet in eine riesige Schlachterei aus, da den Tauranern anscheinend das Konzept "Bodenkampf" vollkommen fremd ist. Unbewaffnet sind sie ein leichtes Opfer für die perfektionierten Waffen der Menschheit.
Doch schon Mandellas zweiter Einsatz, mittlerweile zum Seargant ernannt und Gruppenführer, scheitert jedoch und sein Schiff kann nur mit knapper Not nach Hause entkommen. Da seine Zwangs-Wehrdienst vorüber sind, zögert William keine Sekunde die Entlassung zu beantragen und auf die Erde zurückzukehren. Doch die zwei Jahre bei größtenteils relativistischen Geschwindigkeiten entsprachen mehr als dem Zehnfachen für die Bevölkerung der Erde, seiner Familie und Freunde. So ist es nicht weiter verwunderlich, daß ihm die "neue" Erde vollkommen fremd ist: Gewalt greift überall um sich, aufgrund der Lebensmittelknappheit gelten "Kalorien" als Weltwährung und die Homosexualität wird von den meisten Staaten als Mittel gegen die Bevölkerungsexplosion empfohlen. Schnell wird ihm klar, daß dies nicht mehr seine Welt ist, und so beschließt er sich erneut zu verpflichten. Diesmal für immer ...
Urteil: Haldemans Haltung zu der Thematik kommt ungleich deutlicher an die Oberfläche als bei Heinlein, so daß ihn wohl niemand guten Gewissens mit Attributen wie "Kriegsverherrlichung" oder dergleichen belegen kann. Auch das überraschende Happy End (zumindest für Mandella) macht noch einmal klar, wie unsinnig derartige Kriege sind.
Dem Autor gelingt es meiner Meinung nach sehr gut Realismus mit Fiktion zu verbinden, und die Zustände seiner Zeit in eine ferne Zukunft zu projezieren. Im Nachhinein durchaus eine Empfehlung wert: Das Buch gehört zu den herausragenden Werken der militärischen SF, ohne jedoch die nicht-militärischen Aspekte zu vernachlässigen ... (of)
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Hammerschmitt, Marcus "Der Opal" |
6/10 Punkte
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Copyright: 2000 Verlag: Argument |
Erschienen: 2000 (OA) Übersetzer: n.a. |
Form: Taschenbuch Umfang: 253 Seiten |
ISBN: 3-88619-960-6 Preis: DM 17,80 |
"Der Opal" - ein von der Außenwelt abgeschlossener Kosmos, komplett mit Luft gefüllt und einer hoch entwickelten Spezies besiedelt - ist der Schauplatz für Marcus Hammerschmitts neuestes Buch. Der Autor, neben Andreas Eschbach wohl der zur Zeit angesagteste deutsche SF-Schreiber, legt mit diesem Roman sein bisher umfangreichstes Werk vor, nachdem zuvor lediglich längere Erzählungen (namentlich "Wind", "Target" und "Der zweite Versuch") aus seiner Feder erschienen. Gleichzeitig bereichert er damit die vielen wohl unbekannte Social-Fantasies-Reihe des Argument-Verlages um einen weiteren Top-Autoren.
Während der Klappentext den Eindruck einer Actionorgie mit Cyberpunk-Touch vermittelt, präsentiert sich der Roman während der Lektüre in einem anderen Licht: Ohne Frage bietet sich dem Leser Action en masse, aber diese verfehlte zumindest bei mir ihre spannungserzeugende Wirkung. Faszinierender fand ich da schon die Beschreibung des Opals und seiner Bewohner, angefangen von den wachsenden organischen Raumschiffen bis hin zu der auf Gesang basierenden Gesellschaft der Taan. Leider verschwendet der Autor dann aber doch zu viel Energie auf die angesprochene Action, die Handlung wird stellenweise recht wirr und alles in allem will sich einfach kein allzu großer Lesespaß einstellen.
Das von Hammerschmitt mit diesem Buch erschaffene Universum hätte mehr geboten, vielleicht werden wir ja in nicht allzu ferner Zukunft mit weiteren Geschichten rund um den Opal beglückt, die sich dann weniger auf die vordergründige Handlung konzentrieren, sondern Charaktere und Atmosphäre in den Mittelpunkt stellen.
Den "Opal" sollte man übrigens einmal zum Anlass nehmen, sich näher mit dem Programm des Argument-Verlages zu befassen, das immerhin so renommierte Namen wie Ursula K. LeGuin und Bruce Sterling, aber auch die Newcomerin des letzten Jahres, Myra Cakan, umfasst. Zugegeben, was die (wohlgemerkt drucktechnische, nicht künstlerische) Qualität des Covers und Klappentextes angeht, hält der "Opal" einem Heyne-Titel nicht unbedingt stand, aber von der Titelauswahl findet sich hier mehr für meinen Geschmack als beispielsweise bei Bastei-Lübbe. (of)
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Hammerschmitt, Marcus "Wind" |
8/10 Punkte
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Copyright: 1997 Verlag: suhrkamp |
Erschienen: 1997 Übersetzer: n.a. |
Form: Taschenbuch Umfang: 228 Seiten |
ISBN: 3-518-39278-6 Preis: DM 17,80 |
Neben dem bereits im "Heyne Science Fiction Jahresband 1997" erschienenen Roman "Wind", der damals schon positiv überraschte, enthält dieser Band das neueste Werk des Autors, "Der zweite Versuch".
Auch bei diesem Roman wird dem Leser eine Welt präsentiert, die stark an "Shadowrun" erinnert: Mitte des 21. Jahrhunderts ist die Welt zersplittert, Bürgerkriege führten zur Teilung der USA und Deutschlands, und ein Großteil der Bevölkerung leidet unter den Folgen. Die Macht liegt dank Solarenergie in den Händen der ehemaligen Dritt-Welt-Länder sowie einiger transnationaler Konzerne.
All dies - so eine weitverbreitete Theorie, die vor allem von der CSS, einer christlichen Hardliner-Sekte (die Wernher von Braun als zweiten Messias ansehen) mit bedeutendem Einfluß, vertreten wird - hat seine Ursachen in der gescheiterten "Apollo 11"-Mission des Jahres 1969 (Armstrong und Collins zerschellten in dieser Alternativwelt auf der Mondoberfläche). Die CSS versucht nun, 100 Jahre nach dem Disaster, mit Hilfe einiger Staaten und Megakons einen "zweiten Versuch" zu starten, der Nordamerika wieder zu einer Einheit zusammenschweißen soll.
Doch dieser Handlungsstrang wird eigentlich zur Nebensache. Denn all dies wird dem Leser keineswegs einfach dahingestellt, sondern kurze Epsioden aus dem Leben von Personen, die teils an dem "Apollo II"-Projekt beteiligt sind, meistens aber vollkommene Durchschnittsbürger sind, geben Einblicke in diese Welt des 21. Jahrhunderts. So begleitet man eine Beamtin bei ihrer Suche nach Schwarz-Fernsehern, erlebt die Vorbereitungen zu einem illegalen "Auto"-Rennen und erfährt die Erlebnisse eines Kriegsveterans.
Urteil: Liest man mehrere Bücher mit der Struktur von "Der zweite Versuch", verliert man sicherlich schnell die Lust, doch als einmaliges Experiment, wie es meiner Meinung nach gedacht war, ist es bemerkenswert. Auch wenn man anfangs aufgrund des ungewohnten Aufbaus und des plötzlichen Auftauchens (und ebenso Verschwindens) von Charakteren etwas verwirrt ist, findet man schnell Gefallen.
Mit diesem Doppelband liefert Hammerschmitt jedenfalls den Beweis, daß die deutsche SF noch nicht tot ist (wie ich nach einigen harten Klöpsen der letzten Zeit vermuten mußte) und mit dem internationalen Niveau mithalten kann. (of)
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Harrison, Harry "New York 1999" (Org. "Make Room! Make Room!") |
8/10 Punkte
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Copyright: 1966 Verlag: Heyne |
Erschienen: September 1999 Übersetzer: T. Westermayr und W. Jeschke |
Form: Hardcoverchen Umfang: 285 Seiten |
ISBN: 3-453-16170-X Preis: DM 19,90 |
Im New York des ausgehenden 20. Jahrhunderts drängen sich 35 Millionen Menschen auf engstem Raum, nicht wenige ohne ein Dach über dem Kopf. Wasser ist rationalisiert, Strom nur sporadisch vorhanden und als Hauptnahrungsmittel haben sich Kekse aus Plankton etabliert - um es kurz zu machen: die Gesellschaft steht kurz vor dem Kollaps.
Harrisons Protagonist Andy Rusch kann sich dank seines Jobs bei der New Yorker Polizei zu den Glücklichen zählen, die ein einigermaßen menschenwürdiges Leben fristen. Um ihn herum versinkt die Stadt jedoch immer mehr ins Chaos, und als ob die damit verbundene Belastung nicht schon genug wäre, muss er nach seinen Doppelschichten auch noch den Mord an "Big Mike", einem stadtbekannten Kriminellen, klären. Bei seinen Nachforschungen ergibt sich schnell ein enger Kontakt zur Geliebten des Mordopfers, die sich von ihm das erste Mal als Mensch behandelt fühlt und Andy im Gegenzug die Annehmlichkeiten des Luxus demonstriert: Kaffee, Bier, Fleisch - Dinge, die er bisher nur vom Hörensagen kannte.
Der zweite Handlungsstrang beschäftigt sich mit den Erlebnissen des jugendlichen Täters Billy, der sich seit dem Zwischenfall mit Big Mike auf der Flucht vor der Polizei befindet, weder zu seiner Familie noch seinem gewohnten Umfeld zurück kann. Er verkörpert die unterste Schicht, ohne Arbeit und ohne Perspektive - zumindest für ihn und seinesgleichen erfüllen sich die nostradamischen Prophezeiungen.
Urteil: Nun hat es also mit "New York 1999" auch der Klassiker zum Thema Überbevölkerung in die Hardcover-Reihe High 8000 geschafft. Bei vielen dürfte bereits die Verfilmung aus den 70er Jahren ("... Jahr 2022 ... die überleben wollen") einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben, so dystopisch und beklemmend ist die dort erzeugte Atmosphäre. Dem steht das Buch in nichts nach - im Gegenteil, es benötigt nicht einmal die im Film benutzten plakativen Szenen, um Gefühle beim Leser zu erwecken: es will aufrütteln, auf die Gefahren des exponentiellen Bevölkerungswachstums hinweisen. Und auch wenn man, wie Wolfgang Jeschke in seinem Vorwort schreibt, ob der täglichen Bilder aus aller Welt schon teilweise abgestumpft ist, so dringt Harrisons Appell auch heute noch bis zum Leser durch.
Man merkt dem Buch die drei Jahrzehnte an, die es auf dem Buckel hat - und das ist gut so: kaum einer der heutigen Autoren bringt in punkto Ausdrucksstärke und Stil ähnliches zustande, nicht umsonst gelten die 60er Jahre für mich als Blütezeit der modernen Science Fiction. Wer "New York 1999" also nicht schon im Regal stehen hat, sollte das unbedingt nachholen. (of)
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Harrison, Harry und Minksy, Marvin "The Turing Option" (Dt. "Die Turing-Option") |
7/10 Punkte
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Copyright: 1992 Verlag: Penguin Books |
Erschienen: 1993 Übersetzer: n.a. |
Form: Taschenbuch Umfang: 498 Seiten |
ISBN: 0-14-012950-2 Preis: £ 5,99 |
Der Protagonist ist Brian Delaney, ein 24jähriger Wissenschaftler irischer Abstammung, der an der Entwicklung einer KI arbeitet. "Megalobe Industries", ein Zusammenschluß großer Firmen sowie der amerikanischen Regierung, beschäftigt ihn in einer Hochsicherheits-Forschungsanstalt in der Wüste Kaliforniens. Als Brian gerade den Durchbruch geschafft und die erste KI fertiggestellt hat, wird die Forschungsanstalt überfallen, alle Daten bezüglich KI sowie der Prototyp werden gestohlen, von den Dieben findet man keine Spur, und der einzige Überlebende des Massakers, Brian, liegt mit schwersten Verletzungen im Koma. Da sich in seinen Erinnerungen die einzigen verbleibenden Informationen zum Bau einer KI sowie möglicherweise zu den Tätern befinden, wird alles daran gesetzt, sein Leben zu retten. Doch die Schäden, die die Kugel in Brians Gehirn verursachte, stellen die Chirurgin vor schier unlösbare Probleme und zwingen sie, bisher unerprobte Techniken anzuwenden ... die nächsten 100 Seiten beschäftigen sich ausführlichst mit den sich über mehrere Wochen hinziehenden Operationen, in denen Brians durch die Verletzung getrennte Gehirnbereiche erst wieder verknüpft werden, damit sein Bewußtsein auch auf die darin gespeicherten Erfahrungen zugreifen kann. Während diesem Verknüpfen durchlebt Brian, noch immer im Koma, seine frühe Jugend erneut, und der Leser bekommt so einen Einblick in das Leben des Wunderkindes, in die Erfahrungen, die ihn zu dem werden ließen, was er vor seinem Unfall war.
Brian wird auch eine Art Computer eingebaut, der noch nach Abschluß der Operationen neue Verknüpfungen bilden soll, wofür jedoch Brians Mitarbeit notwendig ist. Als er endlich aus dem Koma erwacht, kann er sich nich mehr an die letzten 10 Jahre erinnern und befindet sich auf dem Niveau eines 14jährigen. Obwohl auf sein Leben auch weiterhin Anschläge verübt werden, als durchsickert, daß er den Unfall überlebt hat, will er seine Arbeit wiederaufnehmen und ist fest entschlossen mit Hilfe der noch aufgespürten Notizen, eine weitere KI zu bauen. Unterdessen stellt sich der in seinem Gehirn plazierte Computer als unvorhergesehene Hilfe heraus, da Brian direkt mit ihm zu interagieren lernt. So können Daten in dessen Speicher geladen werden, auf die Brian zugreifen kann, oder er kann direkt Berechnungen mit Hilfe der CPU durchführen. Im weiteren Verlauf versucht Brian, eine KI zu entwickeln, immer unter dem Damokles-Schwert, daß die Verbrecher immer noch nicht gefaßt sind. Da die "Schutzhaft", in der er sich befindet, bis zum Auffinden der für den Überfall Verantwortlichen bestehen bleiben, hängt sowohl Brians Vergangenheit als auch seine Zukunft davon ab, daß dies geschieht ...
Die Kooperation Harrisons mit Minsky war für mich einer der Gründe, dieses Buch zu kaufen, da ich mir eine wissenschaftlich fundierte bzw. wirklichkeitsnahe Beschäftigung mit dem Thema "Künstliche Intelligenz" erhoffte. Doch vor allem der erste Teil, der die Gehirnoperation beschreibt und versucht, die Funktionsweise des Gehirns zu erläutern, ist nur noch als "Hard SF" zu bezeichnen. Es erinnert mehr an eine Vorlesung als an einen Roman, was bestimmt nicht jedermanns Geschmack ist. Obwohl er auch bei der Beschreibung des Prozesses der KI-Konstruktion sehr ins Detail geht, wirken diese Ausführungen weniger störend. Harrison bemüht sich, alles möglichst realistisch wirken zu lassen, auch wenn der Zeitpunkt der Handlung (2023-2026) etwas verfrüht wirkt.
Urteil: Für Leser, die nur unterhalten werden wollen, sicherlich die falsche Lektüre. Ansonsten bekommt man jedoch einen guten Überlick über die Thematiken Gehirnforschung und KI (welche ja beide eng verflochten sind), sowie mögliche Antworten auf die Fragestellungen "Was ist Intelligenz?" bzw. "Was sind Erinnerungen" ... wobei ich dann eher ein wirklich seriöses Werk anstatt eines Romans empfehlen würde, wenn jemand ein spezielles Interesse an solchen "wissenschaftlichen" Fragen haben sollte. (of)
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Heinlein, Robert A. "Ein Doppelleben im Kosmos" (Org. "Double Star") |
7/10 Punkte
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Copyright: 1956 Verlag: Bastei Lübbe |
Erschienen: 1995 Übersetzer: Thomas Kneifer |
Form: Taschenbuch Umfang: 190 Seiten |
ISBN: 3-404-23167-8 Preis: DM 9,90 |
In einer Bar trifft der heruntergekommene Schauspieler Lorenzo Smythe den Raumfahrer Dak Broadbent. Dieser unterbreitet ihm ein seltsames Angebot: Smythe soll den Führer der Expansionisten-Partei doubeln. Der wirkliche Joseph Bonforte ist nämlich entführt worden, um zu verhindern, daß dieser von Marsianern als ein Symbol des Friedens zwischen beiden Völkern in ihre Familie aufgenommen wird. Da diese Marsianer über ein unglaublich kompliziertes und striktes Regelwerk verfügen, wie sich der einzelne in der Gruppe zu verhalten hat, wäre es eine Todsünde, den vereinbarten Termin platzen zu lassen, auch eine Entführung wäre keine Entschuldigung für das Versäumen des Termins. Diese Beleidigung müßten die Marsianer an der gesamten Menschheit rächen und somit wäre alles zunichte gemacht, wofür Bonforte ein Leben lang kämpfte. Nun soll Smythe in die Rolle Bonfortes schlüpfen um eine Katastrophe zu verhindern. Es gelingt ihm tatsächlich, Bonforte so perfekt zu imitieren, daß alle getäuscht werden. Als somit der Frieden zwischen Menschen und Marsianern besiegelt war, gaben die Entführer Bonforte frei, da ihr Plan inzwischen hinfällig war. Jedoch war Bonforte in solch schlechter körperlicher Verfassung, daß seine öffentlichen Auftritte unmöglich wurde. Also mußte Smythe ihn auch auf politischen Empfängen und während des Wahlkampfes vertreten - eine ungleich schwerere Aufgabe, da Smythe sich unglaublich detailliert in Bonfortes früheres Leben einarbeiten mußte, so detailliert, daß er beinahe völlig Bonfortes Persönlichkeit übernimmt. Es gelingt ihm. Die Expansionisten gewinnen die Wahl. Doch dann erleidet der echte Bonforte einen Schlaganfall und stirbt an den Folgen. Es scheint als hätten seine politischen Gegner gesiegt. Smythe steht nun vor einer sehr schweren Entscheidung.
Anmerkung: Schade, daß der Roman so kurz ist. Das Büchlein liest sich so flott, kaum fängt man an, ist schon wieder Schluß. Das Motiv, eine Person zu doubeln, ist zwar nicht gerade neu, für Spannung sorgt man aber dadurch auf jeden Fall. Außerdem schrieb Heinlein in einem wirklich gut lesbarem Stil. Ich würde sagen, das dieser Roman sogar "Stranger in a strange land" hinter sich läßt, denn hier werden nicht so krampfhaft Allegorien konstruiert. Amüsant ist auch die Namenssymbolik: Smythe ist das Pseudonym, das ein Regisseur verwendet, wenn er sich von seinem Film distanzieren möchte, um seinen Namen nicht in Mißkredit zu bringen. Bonforte: frz.: bon-gut, lat.: fors, fortis- Tapferkeit. Außerdem stellt er den Typus des weisen, erfahrenen, visionären Politikers dar, der versucht, die Menschheit auf den rechten Weg zu bringen (und das auch noch schafft) Parallelen mit Jubal Harshaw aus "Stranger in a ..." sind wohl nicht zufällig. (cp)
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Heinlein, Robert A. "Fremder in einer fremden Welt" (Org. "Stranger in a strange land") |
8/10 Punkte
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Copyright: 1961 Verlag: Bastei Lübbe |
Erschienen: Juli 1996 Übersetzer: Rosemarie Hundertmarck |
Form: Taschenbuch Umfang: 667 Seiten |
ISBN: 3-404-24214-9 Preis: DM 16,90 |
| Hugo Award 1962 |
Als vor zwanzig Jahren die erste Mars-Expedition startete, verscholl sie spurlos ... Nun trifft die Besatzung der zweiten Marsmission auf eine marsianische Zivilisation und auf Michael Valentine Smith, ein Nachkommen der verschollenen Besatzung. Das Buch erzählt die Geschichte dieses Jungen, der von Marsianern, die von den Menschen in Denken und Leben grundverschieden sind, aufgezogen wurde und der nun auf der Erde von der Regierung versteckt gehalten wird, da ihm nach Erdgesetzen ein schier unerschöpfliches Vermögen zufällt. Doch einem Reporter und einer Krankenschwester gelingt es, ihn der Regierung zu entreißen, und ihn versteckt zu halten. Im Laufe des Buches entwickelt sich Michael vom naiven und der Erdgesellschaft völlig fremden Jungen zum selbstbewußten Mann, der den Menschen seine Sprache und sein Denken beibringen will. Auf die Heraushebung dieser Zivilisationsunterschiede legt Heinlein den größten Wert: er führte dazu sogar ein Kunstwort ein ("groken"), das diesen Unterschied bei jeder Verwendung klarwerden läßt.
Urteil: Da Heinlein trotz der hintergründigen Geschichte den Humor nicht zu kurz kommen läßt, liest sich dieses Buch sehr gut und läßt das Buch so zu einem "Muß" werden. Viele interessante Ideen sind in diesem Werk enthalten, am interessantesten fand ich den Versuch dem Leser das Denken Smiths zu veranschaulichen. Auch die Kapitel, in denen sich die Erzengel im Himmel unterhalten, sind sehr gelungen ... (of)
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Heinlein, Robert A. "Der Mond ist eine herbe Geliebte" aka "Revolte auf Luna" (Org. "The Moon is a harsh Mistress") |
7/10 Punkte
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Copyright: 1966 Verlag: Bastei Lübbe |
Erschienen: Oktober 1996 Übersetzer: Wulf H. Bergner |
Form: Taschenbuch Umfang: 361 Seiten |
ISBN: 3-404-24191-63 Preis: DM 9,90 |
| Hugo Award 1967 |
Kolonien, und wenn sie auch nur aus Sträflingen bestehen, haben die üble Angewohnheit, sich vom Mutterland zu lösen, und unabhängig zu werden. So ging es England 1776 und nun geht es der Erde ähnlich. Die Mondkolonisten sind es leid, beim Export ihrer landwirtschaftlichen Erzeugnisse übervorteilt zu werden. Die ökonomischen Missverhältnisse führen auf dem Mond zur Forderung nach politischen Änderungen. Allerdings haben die "Loonies" wie sie sich selbst nennen, keine Chance, ihre Forderungen durchzusetzen. Sie verfügen über keinerlei Militär und keine Waffen. Aber auf dem Mond gibt es einen riesigen Computer, der ursprünglich dazu konzipiert war, die Versorgungsleitungen und die Frachtkatapulte zu steuern. Dieser Computer besitzt ein Bewusstsein. Er ist lebendig, und er ergreift Partei für die Separatisten. Es gelingt ihm, die Frachtkatapulte umzurüsten und als Waffe gegen die Erde einzusetzen. Nach und nach wird er "Adam Selene", der geheimnisumwitterte Führer der Revolution, den nie jemand persönlich zu Gesicht bekommt, der aber allgegenwärtig zu sein scheint. Trotz dieses mächtigen Verbündeten ist es noch immer nahezu aussichtslos, die große, in allen Belangen überlegene Erde herauszufordern. Dennoch scheint der Krieg für die Loonies mit einem Erfolg zu enden, obgleich ein Toter mehr als andere beweint wird.
Anmerkung: So eine Revolution scheint ja recht einfach zu sein. In den nächsten Semesterferien mach ich das auch mal ... Aber im Ernst, Heinlein entwirft beispielhaft eine Revolution und ihre Entstehung, wie sie ablaufen könnte, und auch ablaufen sollte, aber in der Realität noch nie abgelaufen ist. Revolutionen pervertieren - sie entfernen sich von ihren geistigen Wurzeln. De facto handelt es sich um die Entmachtung einer Klasse durch eine andere. Losgetreten wird das Ganze von einem Haufen Idealisten, die glauben sie könnten die hehren Ideale ihrer Lieblingsphilosophen auf die Realität übertragen. Das hat weder im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg so funktioniert, noch 15 Jahre später in Frankreich. Diese Idealisten müssen Wölfe züchten um die Mächtigen zu stürzen. Danach werden sie meistens selbst gefressen. In Frankreich ist dies am deutlichsten in der Zeit zwischen 1791 und 1793. Aber auch die Väter der amerikanischen Verfassung hatten wohl was anderes im Sinn als dem reinen Materialismus den Weg zu bereiten.
Auf dem Mond hat es aber funktioniert. Auf der Erde müssen wir uns wohl damit abfinden, das sich bei einer Revolution nur die Spieler, aber nie das Spiel ändert. Gutes Buch, leider zu schön um wahr zu sein. (cp)
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Heinlein, Robert A. "Sternenkrieger" (Org. "Starship Troopers") |
4/10 Punkte
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Copyright: 1959 Verlag: Bastei Lübbe |
Erschienen: Dezember 1993 Übersetzer: Bodo Baumann |
Form: Taschenbuch Umfang: 303 Seiten |
ISBN: 3-404-24001-4 Preis: DM 8,90 |
| Hugo Award 1960 |
Heinlein beschreibt das Schicksal eines jungen Mannes, der sich freiwillig zur M.I., der mobilen Infanterie, meldet- einer Art Elite-Fallschirmjäger, die in Kriegen gegen die Bewohner anderer Welten als Sturmtruppen eingesetzt werden. Er durchleidet eine unmenschliche Ausbildung, in deren Verlauf er psychisch zerbrochen und wieder neu zusammengebaut wird. Die meisten seiner Kameraden scheitern an den harten Bedingungen, sterben oder werden versetzt. Nur Juan de Rico, Sohn aus großbürgerlichem Hause, der Protagonist und einige andere kommen durch und sind fortan perfekt konditionierte Killer, die kompromißlos ihre Aufgabe ausführen.
Denn nur Menschen, die Militärdienst geleistet haben, werden zu Vollbürgern mit politischen Rechten, im Strafvollzug herrscht wieder die Prügelstrafe, wie auch insgesamt die Gesellschaft von autoritären Strukturen dominiert ist, die sich die Menschheit allerdings selbst auferlegte. Zusammengehalten wird das Gebilde von der Ideologie, daß nur wer sich selbst zwischen seine Heimat und die Verwüstungen des Krieges wirft, etwas wert sei und politische Mitsprache besitzen dürfe. Diese Einstellung wird dadurch gefördert, daß man sich quasi ständig im Krieg gegen irgendwelche Außerirdische befindet und die Erde verteidigen muss.
Urteil: Es wird leider nie deutlich, ob Heinlein einen sehr subtilen Ansatz für einen Antikriegsroman wählte, oder selbst einer der hirnamputierten Kriegstreiber ist, die nur dem schafsgehorsamen, uniformierten Staatsbürgerstimmvieh eine Bedeutung beimessen, da diese sich wiederspruchslos in den Kriegen abschlachten lassen, die nur einer kleinen Clique von Herrschenden nützen, und die in Friedenszeiten dafür sorgen, daß der im Militärdienst ans Strammstehen und Befehle ausführen gewöhnte Staatsbürger auch in seiner zivilen Rolle nicht aus selbiger fällt und etwa anfängt, das System in Frage zu stellen, das ihm seinen Willen, seine Freiheit, sein Rückgrat nahm und ihm dafür eine Uniform und Blechabzeichen verlieh. Das Argument, man müsse sich schließlich gegen Aggressoren verteidigen ist ebenso haltlos, da es intelligenten Lebensformen möglich sein muss, sich zu verständigen und in friedlicher Koexistenz zu leben. (cp)
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Heinlein, Robert A. "Die Zahl des Tiers" (Org. "The Number of the Beast") |
4/10 Punkte
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Copyright: 1980 Verlag: Bastei Lübbe |
Erschienen: November 1998 Übersetzer: Thomas Schlück |
Form: Taschenbuch Umfang: 748 Seiten |
ISBN: 3-404-23206-2 Preis: DM 16,90 |
Ein Wissenschaftler macht eine bahnbrechende Entdeckung: Mit einem von ihm fabrizierten Apparat ist es möglich, Parallelwelten zu besuchen. Davon gibt es nicht gerade wenige, genauer 1.03144 x 1028. Bevor er allerdings startet, heiratet er noch schnell eine universell gebildete, erfahrene Frau. Seine Tochter heiratet einen Ex-Kampfpiloten, der auch einiges an wissenschaftlichem Know-How und - vor allem - einen sechsten Sinn mitbringt. Daraufhin geht's los. Nicht ganz freiwillig, zugegeben. Einige Außerirdische aus einem Paralelluniversum haben es nämlich darauf angelegt, diesem wackeren Team das Licht auszublasen. So bleibt den Entdeckern nichts anderes übrig, als sich eine neue Heimat und neue Freunde zu suchen. Zum Glück sind die Welten, die sie besuchen, recht gut erforscht, sie sind nämlich frei erfunden von so namhaften Autoren wie E.E Smith, Lewis Carrol oder Isaac Asimov. Allerdings lauern in diesen Universen auch Gefahren, so dass keiner der Plätze besonders angenehm als Aufenthaltsort zu sein scheint. Dazu kommt, dass sich die vier Flüchtlinge mehr damit beschäftigen müssen, ihr Zusammenleben zu regeln um überleben zu können. Zwei Ehepaare bilden nun mal keine militärische Einheit, die reibungslos funktioniert. Dabei wären wir auch schon am Hauptproblem der Geschichte angelangt. Die Möglichkeit, in den Fantasieuniversen anderer Autoren herumzuspuken wird recht stark vernachlässigt, obwohl mich gerade das am meisten interessiert hätte. Statt dessen gehen sich die vier Hauptprotagonisten so munter auf den Senkel, dass man sich wundert, warum die überhaupt noch miteinander reden. So wird leider der Großteil der Story mit aus meiner Sicht völlig belanglosem Zeug zugebracht. Der einzige Reiz dabei ist, dass alle vier Protagonisten abwechselnd in Ich-Erzählperspektive berichten dürfen, was zeigt, wie relativ doch "Objektivität" und "Realität" sind. Am Ende wird die ganze Sache dann doch etwas interessanter, als einige Figuren aus Heinleins anderen Erzählungen auftauchen. Wenn man diese allerdings nicht bis ins Kleinste kennt, bleibt auch das langweilig.
Für Heinlein-Fans ist diese Buch unbedingt empfehlenswert, für alle anderen gilt: mit Vorsicht zu genießen. (cp)
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Herbert, Brian / Anderson, Kevin J. Dune: House Atreides |
6/10 Punkte
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Copyright: 1999 Verlag: Bantam |
Erschienen: 1999 (OA) Übersetzer: n.a. |
Form: Hardcover Umfang: 604 Seiten |
ISBN: 0-553-11061-6 Preis: US$ 27,50 |
Selten zuvor hat eine geplante Fortsetzung für derartige Tumulte im Fandom gesorgt wie im vorliegenden Fall: als Frank Herberts Sohn Brian bekannt gab, dass er zusammen mit Kevin J. Anderson (den Meisten sicherlich durch seine Romane zu Akte X und Star Wars ein Begriff) eine Trilogie schreiben wolle, die sich - hier liegt ein Vergleich zu Krieg der Sterne auf der Hand - als Prequel zu dem Werk seines Vaters versteht, brach ein Sturm der Entrüstung los. Teilweise konstruktiv, meist jedoch eher unter der Gürtellinie angesiedelt, wurden die Autoren mit Kritik überschüttet, bis sich langsam die Erkenntnis durchsetzte, man solle doch erst einmal auf das Endprodukt warten und sich dann selbst eine Meinung bilden.
Zeitlich drei bis vier Jahrzehnte vor den Ereignissen in "Dune" angesiedelt, wird in dem vorliegenden Auftaktband (dem "House Harkonnen" und schließlich "Spice War" folgen sollen) die Basis für all das gelegt, was Frank Herbert vor 35 Jahren in seinem weltberühmten Zyklus geschaffen hat. Durch diesen Trick ist einerseits bei all denjenigen, die mit dem Originalwerk nicht vertraut sind, keinerlei Hintergrundwissen erforderlich, andererseits langweilt man die alten Fans nicht mit Wiederholungen und unnötigen Erklärungen - so weit die Theorie. In der Praxis jedoch wird schnell deutlich, dass sich Herbert und Anderson durch diese selbst auferlegten Zügel zu sehr an die Figuren des Originals klammern und so nicht nur Kreativität, sondern auch Feingefühl vermissen lassen: Personen wie Vladimir Harkonnen werden auf wenige Charaktereigenschaften reduziert und handeln meist auf vorhersehbare Weise. Ein weiterer Nachteil daran, sich auf die Protagonisten von "Dune" zu konzentrieren, tritt bereits nach wenigen Seiten ans Tageslicht: man fühlt sich mit leichten Kopfschmerzen an Reihen wie Star Trek Kadetten erinnert, wenn ein neunjähriger Duncan Idaho versucht einem Elite-Trupp Soldaten zu entkommen oder wenn sich der jugendliche Leto beim Korallentauchen mit seinem Freund in Lebensgefahr bringt.
An dieser Stelle sollte vielleicht einmal auf die Story selbst eingegangen werden, denn neben der Entwicklung eines Hintergrunds für die einzelnen Charaktere widmet sich das Autorengespann auch imperialen Intrigen und Machenschaften: um das empfindliche Machtgleichgewicht zu seinen Gunsten zu verschieben und nach dem Verscheiden des Kaisers die Fäden des Imperiums fest in den Händen zu halten, plant Kronprinz Shaddam mit Hilfe der abscheulichen Tleilaxu die Besetzung der Technik-Welt Ix, während sein Assassinen-Freund Fenring dafür sorgt, dass der Tag der Inthronisation Shaddams in nicht allzu weiter Ferne liegt. Parallel dazu werden auch die Zuchtprogramme der Bene Gesserit, die Ausbildung der Navigatoren und das Leben der Fremen näher beleuchtet, doch wie der Titel des Buches vermuten lässt, liegt das Hauptaugenmerk auf Leto Atreides und seinen ersten Jahren als Herzog.
Eine Wertung des Romans ist sicherlich keine einfache Angelegenheit, doch auch wenn man ihn - ohne einen Vergleich zum ursprünglichen Zyklus zu versuchen - einer objektiven Betrachtung unterzieht, bleibt wenig Positives zu berichten: sicherlich haben sich die Autoren bemüht, die Charaktere des Originals erneut zum Leben zu erwecken, doch aufgrund den bereits geäußerten Kritikpunkten bleibt es bei einem bloßen Bemühen. Auch stilistisch kann "House Atreides" nicht wirklich überzeugen, zu plump wirkt das Ganze. Da drängt sich einem die Frage auf, ob denn solch ein Prequel wirklich vonnöten gewesen ist. Wäre es nicht sinnvoller gewesen, die gefundenen Notizen Frank Herberts zu seinem geplanten siebten Band zu verwerten anstatt eine seichte Vorgeschichte zu fabrizieren? Hätten andere Punkte auf der Zeitlinie wie beispielsweise der Krieg gegen die Denkmaschinen nicht genügend Material geliefert und den Autoren gleichzeitig bedeutend mehr Entfaltungsspielraum gelassen? All dies sind Fragen, die sich das Autorenduo gefallen lassen muss, denn beim Lesen beschleicht einen das Gefühl, dass das vorliegende Werk weniger als Andenken an Brians Vater als primär aus materiellen Überlegungen heraus entstand - auch angesichts des Vermarktungsaufwandes und dem mutmaßlich recht ansehnlichen Autorenhonorar. (of)
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Herbert, Frank Der Wüstenplanet 5/6 "Die Ketzer des Wüstenplaneten" (Org. "Heretics of Dune") |
6/10 Punkte
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Copyright: 1984 Verlag: Heyne |
Erschienen: 1992 Übersetzer: Ronald M. Hahn |
Form: Taschenbuch Umfang: 622 Seiten |
ISBN: 3-453-31099-3 Preis: DM 16,90 |
Der fünfte Teil der Dune-Hexalogie spielt einige Jahrhunderte nach der vollständigen Umwandlung Leto II. in Shai-Hulud, den Sandwurm. Die Wüste prägt wieder das Gesicht Rakis' (ehemals Arrakis). Die andauernden Spannungen zwischen den Bene Gesserit, den Tleilaxu, der Gilde, den Ixianern, den Fischrednern und der Rakisianischen Priesterschaft erreichen einen neuen Höhepunkt, als die Vertriebenen aus der Diaspora zurückkehren. Unter Ihnen sind die Geehrten Matres, vereinfacht gesagt eine Art Bene Gesserit, die ihre Macht durch sexuelle Macht erlangen.
Das Buch setzt an einer Stelle ein, als auf Rakis ein Mädchen entdeckt wird, das Macht über die Sandwürmer hat. Die Zeit scheint für die Bene Gesserit reif, einen ihrer Duncan-Idaho-Gholas auf dieses Mädchen anzusetzen, um so die Zuchtlinie fortzusetzen. Doch die Tleilaxu sowie die Geehrten Matres haben etwas dagegen ...
Urteil: Obwohl auch dieses Buch nicht an den ersten Teil herankommt und die Philosopie nach meinem Geschmack doch etwas zu viel im Vordergrund steht, kann kein Dune-Fan an diesem Buch vorbei. Neulinge sollten allerdings zuvor die ersten vier Teile lesen. (of)
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Herbert, Frank Der Wüstenplanet 6/6 "Die Ordensburg des Wüstenplaneten" (Org. "Chapterhouse: Dune") |
6/10 Punkte
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Copyright: 1985 Verlag: Heyne |
Erschienen: 1995 Übersetzer: Ronald M. Hahn |
Form: Taschenbuch Umfang: 582 Seiten |
ISBN: 3-453-31222-8 Preis: DM 16,90 |
Dieses Buch bildet den sechsten und letzten Teil des Dune-Zyklus'. Herbert wollte zwar weitere Bände schreiben, er verstarb jedoch vor der Fertigstellung. Nach der Zerstörung Rakis' durch die Geehrten Matres finden sich die Bene Gesserit zum ersten Mal auf der Flucht. Die Geehrten Matres spüren nach und nach die geheimen Stützpunkte der Bene Gesserit auf und machen sie dem Erdboden gleich. Daher gilt es, die Lage der Ordensburg, dem "Hauptquartier" der BG, streng geheim zu halten. Alle auf dem Planeten lebenden Personen besitzen das "Siona-Gen", das sie vor Navigatoren verbergen kann. Aus dem gleichen Grund müssen auch die gefangene Geehrte Matres Murbella und der Idaho-Ghola, die beide in gegenseitiger sexueller Abhängigkeit stehen, auf einem Nicht-Schiff gefangen gehalten werden.
Doch die Mutter Oberin Odrade läßt einen Teg-Ghola erschaffen, der den Bene Gesserit durch sein taktisches Geschick zu einem Sieg verhelfen soll ...
Urteil: Herbert führt konsequent fort, was er in den fünf vorherigen Teilen entwickelt hat, die Ausarbeitung einer philosophischen Schrift mit einem bißchen Handlung nebenbei. Obwohl die eigentliche Handlung Auswirkungen auf die ganze bekannte Galaxis hat, wird sie auf wenigen Seiten abgehandelt. Den eigentlichen Kern des Buches machen die Gedanken aus, die hinter den Handlungen stecken.
Man merkt dem Buch an, daß es nicht der Abschluß des Dune-Zyklus' bleiben sollte, da das Ende mehr Fragen offenläßt, als beantwortet. So legt Herbert in diesem Buch für mindestens 3 Handlungsstränge, die komplett ungeklärt blieben. Doch der früher Tod Herberts verhinderte die Entstehung eines 7. Buches ... (of)
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Herde, Oliver H. Projekt Caniron 1/2 - "Fremde Welten" |
2/10 Punkte
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Copyright: 1992 Verlag: Elf und Adler |
Erschienen: 1992 (OA) Übersetzer: n.a. |
Form: Taschenbuch Umfang: 175 Seiten |
ISBN: 3-929500-00-0 Preis: DM 8,80 |
Dieses Buch ist das Erstlingswerk des Autors und bildet den Auftakt zu einer zur Zeit zweibändigen Reihe. Es handelt von einer Flotte, die die letzten Überlebenden zweier durch einen Krieg zerstörten Planeten beherbergt und die auf der Suche nach einer neuen Heimat für diese ist. Unter der Leitung von Arrog Feink wird ein Schiff beauftragt, die Planeten des naheliegenden Sonnensystems auf ihre Brauchbarkeit hin zu überprüfen. Hier beginnt der Hauptteil des Buchs, in dem die Besatzung des Schiffes, bei der alle bekannten Rassen (und auch künstliche Intelligenzen) vertreten sind, die in Frage kommenden Planeten besucht und mit den "Einheimischen" Kontakt aufnimmt.
Da "Projekt Caniron" von vorneherein als Endlosreihe konzipiert wurde, werden einige Fragen erst in den Folgebänden geklärt, doch das ist nicht als Nachteil zu werten. Aber auch im ersten Band erlebt die Geschichte (teils) überraschende Wendungen, vor allem das Aufeinandertreffen einer fortschrittlichen mit einer primitiven humanoiden Zivilisation gibt dem Autor interessante Möglichkeiten.
Man merkt dem Buch seine semi-professionelle Entstehung zwar deutlich an (vor allem in der grafischen Gestaltung), aber das ist unter den gegebenen Umständen verständlich. Die anfangs holprige und gezwungen wirkende Sprache wird zum Ende hin etwas flüssiger und läßt auf eine positive Entwicklung in den folgenden Bänden hoffen.
Urteil: Wer schon immer einmal deutsche SF neueren Datums lesen wollte, kann guten Gewissens zu diesem Buch greifen ... er sollte jedoch nicht zu viel erwarten. (of)
Weiterführender Link: Offizielle Homepage
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Herde, Oliver H. Projekt Caniron 2/2 - "Gefahr für Asgard" |
4/10 Punkte
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Copyright: 1994 Verlag: Elf und Adler |
Erschienen: 1994 (OA) Übersetzer: n.a. |
Form: Taschenbuch Umfang: 253 Seiten |
ISBN: 3-929500-01-9 Preis: DM 8,80 |
Hierbei handelt es sich um den zweiten Band der mit "Fremde Welten" begonnen Reihe "Projekt Caniron". Nachdem die flüchtende Flotte unter großen Opfern endlich eine neue Heimat gefunden hat, gilt es nun, einen funktionierenden Staat und eine Infrastruktur aufzubauen und sich der Interessen aller vertretenen Rassen anzunehmen. Doch wie zu erwarten - und in jeder menschlichen Gesellschaft unvermeidbar - gibt es einige verbrecherische Elemente, die versuchen, ihren Vorteil aus dem noch bestehenden Chaos zu ziehen ...
Wie man in diesem Band erfährt, wurde eines der Raumschiffe vor der Landung auf Asgard (so der Name des neugegründeten Staates) von einer handvoll Leuten gekapert und, von der restlichen Flotte unbemerkt, nach Midgard gebracht. Midgard, das ist der Name, den man dem dritten Planeten des Sonnensystems gab: der Erde. Hier liegt auch das besondere des Buches bzw. der ganzen Reihe: das Aufeinandertreffen dieser Humanoiden aus Asgard mit den Menschen des 6. vorchristlichen Jahrhunderts. So spielt der Hauptteil dieses Buches in Ägypten, doch auch syrische und südamerikanische Schauplätze sind vorhanden.
Zum einen hat die detaillierte (und wahrscheinlich historisch korrekte, da der Autor Geschichtsstudent ist) Schilderung den Vorteil, daß man einen Einblick in die Lebensweise der vorchristlichen Menschen bekommt, andererseits läßt sich die Reihe nur schweren Herzens als Science Fiction bezeichnen.
Wie dem auch sei, die Besatzung der Colonel, die bereits im ersten Band die Hauptrolle spielte, wird, nachdem die Verluste durch neue Mannschaftsmitglieder ersetzt wurden, nach Midgard geschickt. Ihr Auftrag ist es, die Verbrecherorganisation zu zerstören, die versucht, den ägyptischen Pharaonenthron unter ihre Kontrolle zu bringen.
Urteil: Deutlich besser als das Erstlingswerk, allerdings fehlt ihm noch entweder mehr Spannung oder mehr Tiefgang um wirklich gut zu sein. Der Schreibstil des Autors hat sich deutlich verbessert, und auch die Tatsache, daß er mehrere Handlungsstränge nebeneinander laufen läßt, macht sich gut. Vor allem die Kombination aus historischem Roman und SF könnte manchen reizen ... (of)
Weiterführender Link: Offizielle Homepage
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Hinz, Christopher Paratwa-Trilogie 1/3 - "Killer aus dem Eis" (Org. "Liege Killer") |
9/10 Punkte
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Copyright: 1987 Verlag: Heyne |
Erschienen: 1996 Übersetzer: D. Kreye und A. Miser |
Form: Taschenbuch Umfang: 590 Seiten |
ISBN: 3-453-11902-9 Preis: DM 16,90 |
Als die Menschheit bemerkt, daß die Zerstörung der Erde durch Kriege, Verschmutzung und Verseuchung nicht mehr aufzuhalten ist, gründet sie im Orbit stationierte Kolonien und rettet sich so selbst vor dem Untergang. 200 Jahre lang leben die Menschen friedlich in diesen Kolonien, als plötzlich wieder ein Paratwa auftaucht, ein in der präapokalyptischen Zeit gezüchtetes Lebewesen, dessen einziges Ziel das Töten ist. Diese Paratwas besitzen zwei Körper, jedoch nur ein Bewußtsein, ihre Körper arbeiten in perfekter Harmonie zusammen.
Eines dieser Wesen wütet nun in den Kolonien und die von Frieden verwöhnten Menschen können nur tatenlos zusehen. Bei den Recherchen, wie ein derartiges Wesen zu bekämpfen sei, stößt man jedoch auf ein Computerprogramm, das genau für diese Situation geschrieben wurde: es weckt zwei Personen aus einer 200 Jahre währenden Gefrierstasis, zwei Personen, die zu ihrer Zeit die einzige Möglichkeit darstellten, ein Paratwa ohne Verlust von Tausender Menschenleben zu töten ...
Urteil: Ein mitreißendes Buch, das verdeutlicht, welche Folgen der im Moment herrschende Fortschrittswahn haben könnte. Doch vor allem ein Buch, das mangelnden Tiefgang durch fesselnde Spannung, Action und eine durchdachte Story wettmacht. (of)
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Hinz, Christopher Paratwa-Trilogie 2/3 - "Ash Ock" (Org. "Ash Ock") |
8/10 Punkte
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Copyright: 1989 Verlag: Heyne |
Erschienen: 1996 Übersetzer: Walter Brumm |
Form: Taschenbuch Umfang: 428 Seiten |
ISBN: 3-453-11903-9 Preis: DM 16,90 |
56 Jahre nachdem Codrus, einer der Ash Ock, von Gillian zerstört worden ist, stehen die Kolonien erneut vor schwierigen Problemen. Die vorausberechnete Zeit für die Rückkehr der Paratwas ist gekommen, jeden Tag wird mit der Meldung gerechnet, daß die Flotte eintrifft. Zu allem Überfluß begehen auch noch zwei Killer Massaker, die jeweils Dutzende ziviler Menschenleben fordern. Da beschließt Jerem Marth, mittlerweile der neue Löwe der Alexanders, Gillian und Nick auf eigene Faust aus ihrer Stasis aufzutauen und sie mit der Aufklärung des Massakers zu betrauen.
Doch Gillian hat auch seine eigenen Probleme: Er steht in einem immerwährenden Konflikt zwischen seiner Identität als Gillian und des Paarlings, der versucht, Empedokles zu werden, der Ash Ock, der er einmal war. Und er weiß: Sollten die Paratwas unter der Führung der Ash Ock auf die Erde zurückkehren, werden sie gnadenlos Jagd auf ihn machen, um den "Verräter" zu vernichten.
Wie schon im ersten Band verfolgt Hinz auch hier den Weg, mehrere spannende Handlungsstränge nebeneinander laufen zu lassen, so daß das Hauptaugenmerk nicht auf einer, sondern auf mehreren Personen, liegt und die Entwicklung nicht nur aus den Augen der "Guten", sondern auch der Paratwas aufgezeigt wird.
Urteil: Das Buch kommt nicht ganz an die Qualität seines Vorgängers heran, doch führt es konsequent die Handlung fort. Auch wenn einige Dinge etwas gestellt und konstruiert wirken, ist das Buch dennoch sehr lesenswert. Der Autor versucht vor allem den Konflikt in Gillian und den Konflikt zwischen Gillian und Nick näher zu beleuchten. (of)
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Hinz, Christopher Paratwa-Trilogie 3/3 - "Paratwa" (Org. "The Paratwa") |
8/10 Punkte
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Copyright: 1991 Verlag: Heyne |
Erschienen: 1996 Übersetzer: Walter Brumm |
Form: Taschenbuch Umfang: 558 Seiten |
ISBN: 3-453-11904-9 Preis: DM 16,90 |
Der letzte Teil der Paratwa-Trilogie schließt direkt an den Vorgänger an. Gillian und die auf Rache sinnende Buff halten sich versteckt und versuchen, die Paarlinge des dreiteiligen Paratwas aufzuspüren, das die Kolonien terrorisiert, Nick und Adam versuchen weiterhin das Freivogel-Programm zu entschlüsseln und Susan hat entdeckt, daß Timmy aus der Verschmelzung von Aristoteles mit seinem einzigen verbliebenen Paarling entstanden ist. Plötzlich trifft auch die von allen mit Angst erwartete Meldung der um Jupiter stationierten Verteidigungsstreitmacht ein, daß die Paratwa-Angriffsflotte entdeckt wurde: sie besteht aus einem einzigen Schiff, 3.500 km lang.
Das Buch liefert endlich alle Hintergründe und bringt durch das einführen einer weiteren Kultur vollkommen neue Aspekte in die Geschichte der Paratwas. Der Konflikt Gillians wird kurzzeitig gelöst, nur um in einen neuen, viel schwerwiegerenden Konflikt überzugehen. Es zeigt Konkurrenz und Verrat innerhalb der Königlichen Kaste auf und endet in einem furiosen Akt menschlichen Überlebenswillens.
Nahezu alle (noch lebenden) Charaktere werden um neue Facetten bereichert, manche erfahren sogar eine starke Wandlung, wenn man sie mit den ersten Bänden vergleicht. Vor allem die Beschreibung der oben erwähnten, neu eingeführten Kultur (die Heyne-Angestellen sollten bei ihren nächsten Büchern vielleicht wichtige Aspekte nicht schon im Klappentext verraten) gibt dem Buch eine überraschende Wende. Hinz bedient sich immer noch des Stilmittels, mehrere Handlungsstränge parallel laufen zu lassen, was zwar Spannungseinbrüche zur Folge hat, so aber paradoxerweise zu einem Spannungsaufbau führt, der sich dann in einer finalen Zusammenführung der Handlungsstränge entlädt. Dieser Zwang, alle Handlungsfäden zusammenführen zu müssen, ist wahrscheinlich der Hauptgrund für die manchmal etwas konstruiert wirkende Handlung.
Urteil: Alles in allem ein gelungener Abschluß der Trilogie, wenn man die oben angeführten Mängel in Betracht zieht, immer noch ein wirklich lesenswertes Buch, wenn auch kein "Muß". (of)
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Huxley, Aldous "Schöne neue Welt" (aka "Welt - wohin?" und "Wackere neue Welt") |
9/10 Punkte
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Copyright: 1932 Verlag: Fischer |
Erschienen: November 1996 Übersetzer: Herberth E. Herlitschka |
Form: Taschenbuch Umfang: 253 Seiten |
ISBN: 3-596-20026-1 Preis: DM 12,90 |
Dieser Roman ist eine düstere Utopie, die "im Jahre 632 nach Ford" spielt; die Menschheit wird am Fliessband produziert und genetisch bereits auf ihre jeweiligen Aufgaben vorbereitet, freier Wille existiert nicht mehr, die Gesellschaft ist unterteilt in Kasten, in der jeder bereitwillig seine Aufgabe wahrnimmt, auf die er von Geburt an konditioniert wurde. Jedes aufkommende Unbehagen wird mit Soma, einer Droge ohne Nebenwirkung, im Keim erstickt. Konsum und Anpassung sind die einzigen Gebote, die alllerdings bereitwillig befolgt werden, da die Menschen ihre Individualität aufgaben und sich fröhlich-berauscht ihrem Sklavendasein fügen. Einzig die "Wilden" kennen noch den wahren Wert des Lebens- einige Naturvölker, bzw. Überlebende der grossen Kriege die sich gegen die Assimilierung wehrten. Zu diesen gelangt der Protagonist, Sigmund, der nicht exakt der Norm entspricht, da bei seiner Herstellung einige Fehler unterliefen und er sich nicht mit der allgemein üblichen stupiden Zufriedenheit in seiner Kaste heimisch fühlen kann. Ausserdem entdeckte er als Kind die Einflüsterungen in der Schlafschule, und weiß seither, daß irgendetwas faul in seinem Leben ist. Nach seinem Aufenthalt bei den "Wilden" bringt er einen von ihnen mit in die sogenannte zivilisierte Gesellschaft, von der dieser jedoch systematisch zerstört wird, da seine Lebensweise eine Gefahr für die allgemeine Ordnung darstellt. Der "Wilde" jedoch war der einzige, der in einer Welt des Konsumterrors, der absoluten Determiniertheit und der Unterwerfung unter die Technologie eine Identität besaß, der einen Intellekt entwickelt hatte.
Urteil: Huxley zeigt die Folgen auf, die entstehen, wenn sich der Mensch den Möglichkeiten des technisch Machbaren unterwirft, anstatt die Technologie zum Wohle aller einzusetzen. Obwohl einige Idealkommunistische Vorstellungen in dem Buch anklingen, die mit Menschen einfach undurchführbar sind, wie die Geschichte gezeigt hat, verlor diese Schreckensvision der "idealen Sklaverei" niemals seinen aktuellen Bezug. Im Gegenteil, im Zeitalter der Gentechnologie ist diese Warnung notwendiger denn je. (cp)