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Letztes Update: 05.06.2004 |
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LeGuin, Ursula Kroeber "The Left Hand of Darkness" (Dt. "Winterplanet" bzw. "Die linke Hand der Dunkelheit") |
8/10 Punkte
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Copyright: 1969 Verlag: Orbit |
Erschienen: 1995 Übersetzer: n.a. |
Form: Taschenbuch Umfang: 256 Seiten |
ISBN: 1-85723-074-4 Preis: £ 5,99 |
| Hugo Award 1970 | Nebula Award 1969 |
In einer fernen Zukunft bilden alle von Menschen bewohnten Planeten einen losen Zusammenschluß, die "Ökumene". Da aufgrund der riesigen Entfernungen ein interplanetarer Handel nehezu ausgeschlossen ist (wie man sieht, berücksichtigen manche Autoren die Relativitätstheorie noch) kann Sinn und Zweck dieses Bundes nur in dem Austausch von Wissen, Traditionen und Ideen bestehen.
Genly Ai ist ein "Abgesandter", der mit den Bewohnern des neu entdeckten Planeten Gethen den Erstkontakt durchführen und sie zum Beitritt in die Ökumene einladen soll. Bereits vor ihm wurden Informationen von heimlich operierenden Kundschaftern eingeholt, so daß er sich über die dortigen Verhältnisse im Klaren ist. Denn Gethen wir nicht zu Unrecht auch "Winter" genannt, sogar im Sommer erreichen die Temparturen kaum den Gefrierpunkt. Seine Bewohner sind - wie auf allen Planeten - menschlich, doch unterscheiden sie sich vor allem in der Sexualität von allen bekannten Arten: Sie sind während des größten Teils ihres Lebens ungeschlechtlich, und nur für wenige Tage jeden Monats, der sogenannten "Kemmer"-Periode, bilden sich Genitalien heraus, und aus den asexuellen Wesen wird für kurze Zeit physisch wie auch psychisch ein Mann oder eine Frau. Nur in dieser Zeit haben die Bewohner Gethens ein sexuelles Verlangen, das dann privat oder in speziell für diesen Zweck errichteten öffentlichen Gebäuden befriedigt wird. Dabei wird das sich bildende Geschlecht größtenteils von Umwelteinflüssen bestimmt, so daß eine schwangere "Frau" durchaus einen Monat vorher noch ein "Mann" gewesen sein kann. Diese biologische Eigenheit bestimmt das Leben der Gethenier wie kein anderer Faktor; die Wissenschaftler des Ökumenens gehen sogar soweit, das Fehlen eines Konzepts für "Krieg" darauf zurückzuführen.
Genly Ais Erscheinen erzeugt bei den Bewohnern Gethens, die keine Raumfahrt oder sonstige Flugmaschinen kennen, die unterschiedlichsten Reaktionen. Sein erster Versuch führt ihn nach Karhide, einer zentral von einem Monarchen regierten Nation, in der er sich mit Hilfe des Premierministers Estraven um eine königliche Audienz bemüht. Doch Ai scheitert am Wahnsinn des Herrschers, für den der Beitritt zur Ökumene einer Unterwerfung gleichkommt, und an dem im letzten Moment stattgefundenen Meinungswechsel Estravens zurück. Erst als ihn sein Weg nach Oregyn führt - einem mit Karhide aufs Schärfste konkurrierende Land, das föderalistisch und äußerst bürokratisch geführt wird - und er dort erneut auf den mittlerweile im Exil lebenden Estraven trifft, erkennt er, daß der ehemalige Premierminister ihm mit seinem Handeln das Leben rettete.
In Oregyn wird er, ganz im Gegensatz zu Karhide, freundlich empfangen und ihm wird auf vielen Treffen mit der politischen Führung die Chance gegeben, sein Anliegen vorzubringen. Doch hinter aller Zuvorkommenheit tritt doch eine Opposition zutage, und so verwundert es nicht, daß sich Genly Ai - nachdem er auch noch die Information preisgibt, daß ein Raumschiff mit im Kälteschlaf wartender Besatzung nur auf sein Signal zur Landung wartet - nach kurzer Zeit in einem abgelegenen Arbeitslager wiederfindet. Estraven, der sich die Schuld gibt, versucht nun, ihn von dort zu befreien, und doch noch ihren beider Traum wahr werden zu lassen: den Beitritt aller Nationen Gethens zur Ökumene.
Urteil: Die Autorin versteht es vorzüglich, eine Gesellschaft zu schildern, die zwar grundsätzlich der unseren gleicht, aber durch wenige signifikante Unterschiede doch so fremdartig wirkt. Während dem langen und beschwerlichen Treck durch die Eiswüste bekommt man tiefe Einblicke in das Innenleben der Protagonisten und damit auch deren Gesellschaft. Neben dieser persönlichen Ebene versteht LeGuin es, zusätzlich auch die politische Ebene nicht zu kurz kommen zu lassen, auf der vor allem das Konzept der "shifgrethor", ähnlich unserer "Ehre", eine große Rolle spielt.
Alles in allem ein wirklich empfehlenswertes Buch, dessen etwas eigentümlicher Stil mir zwar anfangs Schwierigkeiten bereitete, schließlich aber sogar mit zur positiven Wertung beitrug. LeGuins Weltbild ist in sich konsistent und die von ihr verwendeten technischen Errungenschaften durchaus plausibel ... was wünscht man sich mehr? (of)
Weiterführender Link: Kritische Lesehilfen zur Heyne-Jubiläumsausgabe (06/8207)
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Leuffen, Renata "2098: Allein durch die Hölle von Megapolis" |
8/10 Punkte
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Copyright: 1991 Verlag: Rainer Nitzsche |
Erschienen: 1991 Übersetzer: n.a. |
Form: Paperback Umfang: 129 Seiten |
ISBN: 3-9802102-5 Preis: DM 0,00 (direkt beim Verlag) |
Nr. 357 ist eine Frau. Das ist aber auch schon eine der wenigen verläßlichen Informationen, die man aus diesem verwirrenden Roman erhält. Anscheinend die einzige ihrer Art in Megapolis, einer riesigen, nur von Riesen und Monstern bevölkerten Stadt der Endzeit. Nr. 357 ist einer der wenigen Menschen, die noch auf der Welt weilen, gefangen und betäubt in einem goldenen Käfig.
Eines Tages bricht Nr. 357 jedoch aus diesem Käfig aus, wirft die Psychopharmaka weg und geht auf die Reise. Sie sucht andere ihrer Art und sie will auch wissen, wer sie selbst ist. Auf ihrem Weg sieht sie Kriege, verseuchte Gebiete, Roboterstädte, die Megapolis mit allem Notwendigen versorgen. Sie lernt zu überleben, zu töten und sie entdeckt nach und nach sich selbst. Sie findet sogar das Paradies, andere Menschen, andere Frauen, lebt im Einklang mit der Natur, doch wie alle Paradiese ist ihm keine lange Dauer beschieden, die Dunkelheit ist stärker ...
Fazit: Gebrochen und unklar wie die Protagonistin ist auch die szenisch zerstückelte Erzählstruktur. Die Zeit scheint still zu stehen, statisch, geradezu tot wirkt die ganze Szenerie. Der Leser betrachtet das Leiden von Nr. 357 ebenso teilnahmslos wie der fiktive Erzähler. Erlebt den Aufbruch, das Leben und das Sterben der Protagonistin, ebenso wie er das Leben und Sterben ihres Planeten betrachtet. Oder war es unserer? Auf jeden Fall sehr empfehlenswerter Roman aus Deutschland, der die eingefahrenen Wege der amerikanischen SF verlässt und im Untergrund sicher noch etwas Wirbel verursachen wird. (cp)
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Lem, Stanislaw "Romane und Erzählungen" (6 Bände) |
5/10 Punkte
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Copyright: ? Verlag: suhrkamp |
Erschienen: ? Übersetzer: ? |
Form: Taschenbuch Umfang: ? |
ISBN: 3-518-39173-9 Preis: DM 49,80 |
In dieser Kassette sind sechs Werke Lems zusammengefaßt:
1. "Robotermärchen" (Org.: "Bajki robotów")
2. "Die Jagd" (Org.: "Polowanie")
3. "Der futorologische Kongreß" (Org.: "Kongres Futurologiczny")
4. "Die Astronauten" (Org.: "Astronauci") ©1951
5. "Sterntagebücher" (Org.: "Dzienniki Gwiazdowe")
6. "Der Unbesiegbare" (Org.: "Niezwyciezony i inne opowiadania")
"Robotermärchen" ist eine Sammlung von 14 Märchen, die von Robotern für Roboter geschrieben wurden. Der Sprachstil ist durchweg kindlich gehalten (Namen wie "Elektritter" oder "Messinger" zeugen davon), die Sätze sind kurz und einfach strukturiert. Positiv anzumerken sind die teilweise überraschenden Enden, deren Moral oftmals von den Lehren der "richtigen" Märchen erheblich abweicht.
"Die Jagd" ist eine von sechs "Neuen Geschichten des Piloten Pirx" (so der Untertitel des Buches), die jeweils Episoden aus dem Leben des Weltraumpiloten herausgreifen. Sie beschäftigen sich im weiteren Sinne alle mit der Beziehung zwischen Mensch und Roboter, aufgezeigt am Beispiel des Pirx.
In "Der futorologische Kongreß" berichtet Lem von den Erlebnissen Ijon Tichys während einer Tagung im südamerikanischen "Costricana", in dem just zu der Zeit ein Bürgerkrieg ausbricht. Die Regierung versucht mit Hilfe von neuentwickelten Halluzinogenen, die in dem Betroffenen nur absolut positive Gefühle auslösen, die Unruhen unter Kontrolle zu halten, zum einen durch Beimischung ins Trinkwasser, zum anderen in Form eines "Bemben"-Hagels. Tichy kann sich mit einigen anderen in die Kanalisation retten, wird aber auch dort nach einiger Zeit von den Chemikalien affektiert. Nach zwei halluzinierten Rettungsversuchen leugnet er die Realität und widersetzt sich so dem, seiner Meinung nach ebenfalls nur eingebildeten, echten Rettungsversuch. Schließlich doch entdeckt, wird er in die Psychatrie eingewiesen, da er von nun an alles nur als Einbildung ansieht und nichts mehr als wirklich akzeptiert. Die Ärzte frieren seinen Körper ein, in der Hoffnung, ihm eines Tages helfen zu können ...
Über 100 Jahre später erwacht er in einer für ihn schwer verständlichen Welt. Es fehlt zwar an keinerlei Annehmlichkeiten, doch lassen der exzessive Gebrauch von auf die Psyche wirkenden Chemikalien sowie andere Feinheiten Tichy befürchten, daß nicht alles so perfekt ist, wie es scheint.
Lem versucht mit diesem Werk zu demonstrieren, was für uns "Wirklichkeit" und "Illusion" bedeuten. Ist eine Illusion, die wir nicht bemerken, Wirklichkeit? Sehen wir endlich die Wirklichkeit, wenn wir die Illusion zerstört haben?
In "Die Astronauten" wird Anfang des 21. Jahrhunderts bei Bauarbeiten in der sibirischen Tundra ein eindeutig nicht von Menschenhand gefertigter Metallkörper gefunden. Sofort flammen die Gerüchte wieder auf, daß der vor knapp 100 Jahren abgestürzte Meteor vielleicht doch ein außerirdisches Raumschiff gewesen sei ... ein wissenschaftlicher Ausschuß wird gegründet, der den Fund näher untersuchen soll, und schnell wird klar, daß es sich dabei tatsächlich um eine Art Aufzeichnungsgerät handelt, das von dem Absturz als einziges übrigblieb. Die Wissenschaftler machen sich ans Werk, die Sprache zu entziffern, um so nähere Informationen über die Aliens (diesmal übrigens auf der Venus angesiedelt) zu finden. Als dann jedoch nach ziemlich wertungsfreien Passagen ein Teil decodiert wird, der die bevorstehende Invasion der Venusbewohner vermuten läßt, wird beschlossen ein Raumschiff zu entsenden um Kontakt aufzunehmen und Schlimmeres zu verhindern.
Bis hierhin liest sich das Ganze recht spannend und die Schilderung der Reise zur Venus läßt auf Großes hoffen: doch dann landen der Pilot und die Wissenschaftler bzw. Ingenieure auf einem scheinbar ausgestorbenen Planeten, von den Bewohnern ist weit und breit nichts zu sehen. So beschränken sich die Abenteuer der Pioniere auf mißverstandene Naturphänomene und andere "weltliche" Mißgeschicke - nichts was auf der Erde nicht hätte passieren können. Wie bei Lem anscheinend üblich, verkörpert der Pilot den eher praktisch geprägten, leicht naiven Typen, der zu den "gebildeten" Wissenschaftlern heraufschaut und gleichsam ihren Befehlen gehorcht.
Ab der Stelle, an der die Astronauten die Venus erreichen, kehrt auf große Strecken Langeweile ein: Lem verbringt die meiste Zeit mit der Schilderung der geographischen Landschaften, den Farbenspielen der Oberfläche sowie den Wetterphänomenen. An dem von mir herbeigesehnten Schluß klären die Herren Wissenschaftler zwar endlich den arg mitgenommenen Piloten - und somit den Leser - über die Hintergründe der venusianischen Zivilisation auf, doch schützt auch dies nicht vor aufkommender Enttäuschung.
Positiv herausheben läßt sich höchstens noch die geschickte Kombination aus Wirklichkeit und Fiktion, denn der angesprochene Meteor ist meines Wissens tatsächlich 1908 in Tunguska eingeschlagen.
Die Besatzung des Raumkreuzers "Der Unbesiegbare" versucht im gleichnamigen Roman das Schicksal eines verschollenen Schwesterschiffs zu klären, das bei der Erkundung eines neu entdeckten Wüstenplaneten spurlos verschwand. Nach langer Suche wird man zwar fündig, doch stehen Kapitän Horpach und seine Crew vor noch größeren Rätseln als zuvor. Denn obwohl fast alle 80 Mann an Bord tot aufgefunden werden, sind weder Spuren eines Kampfes noch eines anderen Zwischenfalls zu finden, vielmehr erinnert das Ganze an einen plötzlich auftretenden Fall von Massenwahnsinn.
Doch schnell wird klar (als man es am eigenen Leibe erfahren muß), daß etwas durchaus Faßbares der Grund für die Katastrophe war: Anfangs als "Fliegen" bezeichnete, nur millimetergroße Maschinen, die als Einzelnes völlig harmlos sind, als Schwarm jedoch ein riesiges Potential besitzen ...
Im typischen Lem-Stil (mit großen Ähnlichkeiten zu beispielsweise den "Astronauten") wird dem Leser ein Eindruck der bizarren Landschaften und Fremdartigkeit vermittelt. Und auch seine Beschreibung der "Lebensform" ist äußerst faszinierend, er verwendete schon damals in Ansätzen Ideen, die heute hochaktuell sind: neuronale Netze und modularer Aufbau beispielsweise. Auch seine "tote Evolution" regt zum Nachdenken an, aber alldem zum Trotz liegt es einfach an Lems sehr eigensinnigen Stil, daß das Lesen seiner Werke (bei mir zumindest) nie zum Genuß wird ... zu monoton und zu unelegant klingen seine Sätze, und spätestens nach Lektüre einiger seiner Romane in Folge wird man seines Stils überdrüssig. (of)
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Lem, Stanislaw "Solaris" |
9/10 Punkte
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Copyright: ? Verlag: ? |
Erschienen: ? Übersetzer: ? |
Form: Taschenbuch Umfang: ? |
ISBN: ? Preis: ? |
Der beste Roman, den Lem je geschrieben hat. So steht es geschrieben, und es ist eine Hypothek für den Roman und eine Beeinflussung des Rezensenten, denn an diesem hohen Anspruch beginnt man automatisch ein Buch zu messen, an das man sonst wesentlich unbedarfter herangegangen wäre.
Aber in diesem Fall waren die Vorschusslorbeeren von seiten des Verlages gerechtfertigt. Zur Handlung: Ein Wissenschaftler landet auf einer kleinen Forschungsstation. Doch die Station befindet sich im Aufruhr, die drei anderen Besatzungsmitglieder, die schon länger dort verweilen, scheinen übergeschnappt zu sein. Bald wird der Grund dafür deutlich: Personen materialisieren sich, die aus den Erinnerungen der Menschen rekonstruiert werden. Diese Phantome "kleben" regelrecht an ihren Bezugspersonen und meist entstammen diese Wesen besonders traumatischen Erinnerungen. An einen geregelten Forschungsbetrieb ist unter solchen Umständen kaum noch zu denken. Dennoch scheint der zu erforschende Ozean auf dem Planeten Solaris irgendetwas damit zu tun zu haben. Diese gallertartige Masse, die den ganzen Planeten umhüllt und die seltsamsten Formen produziert, hat sich über Jahrzehnte jeder Erforschung widersetzt, indem er nicht zweimal dasselbe getan hat. Die Prinzipien von Ursache und Wirkung scheinen für Solaris nicht zu gelten. Schon die Existenz und die anormale Bahn des Planeten in einem Doppelsternsystem scheint jedem physikalischen Gesetz zu widersprechen. Irgendwie ahnen die Forscher, daß nicht sie forschen, sondern erforscht werden und der Schlüssel zu Lösung dieses Rätsels scheint in den Phantompersonen zu liegen, die wieder ihren Platz als Geliebte eingenommen haben, obwohl sie doch schon seit Jahren tot sein müssten. Doch genau hier liegt das Problem: Kann man einen geliebten Menschen ein zweitesmal umbringen? (cp)
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Lem, Stanislaw "Sterntagebücher" (Org. "Dzienniki Gwiazdowe") |
10/10 Punkte
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Copyright: ? Verlag: suhrkamp |
Erschienen: ? Übersetzer: Caesar Rymarowicz |
Form: Taschenbuch Umfang: 478 Seiten |
ISBN: 3-518-06959-4 Preis: ? |
Die meisten Kurzgeschichten dieser Sammlung sind parodistische Anspielungen auf Klischees der Science-Fiction. In seinen Reiseberichten erzählt Ijon Tichy, ein moderner Münchhausen , von seinen Reisen zu den absonderlichsten Sternen und durch äußerst paradoxe Zeitschleifen.
Die 18. Reise handelt beispielsweise von der Erschaffung des Universums durch Ijon Tichy, dergestalt, daß Wissenschaftler als Grund für die Existenz des Universums ein Anomalie des Nichts erkannten, das heisst: Ähnlich einem Elementarteilchen,das kurzzeitig anormales Verhalten aufweist, z.B. ohne Ursache entsteht und wieder verschwindet, stellt die Existenz von Raum und Zeit eine solche Anomalie dar. Daraus folgt, daß das Universum jederzeit aufhören könnte, zu existieren. Um den Weltuntergang zu verhindern und gleichzeitig die Vergangenheit zu korrigieren, schiessen Tichy und einige Wissenschaftler ein programmiertes Materieteilchen durch die Zeit, zu einem Punkt vor dem Urknall, um diesen zu verursachen. Durch die Programmierung sollte gleichzeitig die Entwicklung des Lebens dahingehend verändert werden, daß solche "hässlichen" Vorgänge wie Evolution nicht entstehen, sondern jede Lebensform entwickelt sich friedlich und kann Photosynthese betreiben (dadurch entfällt das Töten von Beute ebenso, wie der Kampf um Nahrung). Dummerweise brechen am Tag vor dem Start Studenten ein und pfuschen an der Programmierung herum. Klingt relativ ernsthaft, aber die intelligenten Kartoffeln in der Beschreibung der 25. Reise, die Raumschiffe anfallen, oder die Evolution von Waschmaschinen zu Androiden, die die Menschheit verdrängten, wirken wesentlich erheiternder. (cp)
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Lovecraft, H. P. "Die Berge des Wahnsinns" (Org. "At the Mountains of Madness") |
7/10 Punkte
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Copyright: ? Verlag: suhrkamp |
Erschienen: ? Übersetzer: ? |
Form: Taschenbuch Umfang: 191 Seiten |
ISBN: 3-518-38280-2 Preis: DM 10,80 |
Diese Erzählung von Lovecraft behandelt das Schicksal einer Expedition zum Südpol, um Landvermessungen vorzunehmen und nach Bodenschätzen zu suchen. Nach einigen mysteriösen Ereignissen findet die Expedition eine uralte, zyklopenhafte Stadt, die allem Anschein nach von nichts menschlichem erbaut wurde, und zu einer Zeit entstand, als es noch gar kein Leben auf der Erde gab. Ausserdem wird eine Höhle entdeckt, in der seltsame Lebensformen stehen, die an die alten Wesen aus dem "Necronomicon" erinnern. Diese scheinen zwar leblos, sind aber trotz ihres gewaltigen Alters nicht versteinert. Nach einem gewaltigen Orkan findet der Rest der Expedition das Camp, in dem diese Wesen untersucht wurden, völlig zerstört, die Wissenschaftler, die geblieben waren, sind entweder fort oder tot. Es scheint als wären alle vor ihrem Tod wahnsinnig geworden. Auf der Suche nach Antworten suchen zwei Forscher die alte Stadt auf und entdecken auf Reliefs Zeugnisse von der ausserirdischen Herkunft der "alten Wesen" und dem Aufbau ihrer Zivilisation auf dem Planet Erde und davon, wie sie das erste Leben auf der Erde erschufen, um neue Nahrung und Arbeitstiere zu erhalten. Sie konnten nicht verhindern, daß diese "Shoggotten" immer mächtiger wurden und einen Krieg gegen die "alten Wesen" begannen der Jahrtausende andauerte und in dem dem diese immer weiter in die Randgebiete der Welt verdrängt wurden, bis sich beide Rassen gegenseitig an den Rand der Ausrottung brachten.
Urteil: Die Geschichte liest sich nicht so flüssig, wie Horrorstories aus der Feder des Meisters, ist jedoch durchaus spannend und interessant, wenngleich der wissenschaftliche Background Lovecrafts hinsichtlich der Erdentstehung und Evolution heute recht veraltet erscheint. (cp)
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Lovecraft, H. P. "Schatten aus der Zeit" (Org. "Shadow out of Time") |
9/10 Punkte
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Copyright: ? Verlag: suhrkamp |
Erschienen: ? Übersetzer: ? |
Form: Taschenbuch Umfang: 111 Seiten |
ISBN: 3-518-39262-X Preis: DM 10,80 |
Professor Nathaniel Wingate Peaslee bricht während einer Vorlesung bewußtlos zusammen und erwacht erst 16 Stunden später in seinem Haus. Er leidet unter einem völligen Gedächtnisverlust, d.h. er weiß weder wer er ist, noch irgendetwas über sein bisheriges Leben. Er berherrscht die englische Sprache nur unvollkommen und durchsetzt mit Archaismen. In den folgenden Jahren führt er Expeditionen zu weitgehend unerforschten Orten durch (z.B. den Himalaya) und holt mit atemberaubender Geschwindigkeit Wissen seiner Zeitepoche nach, wobei jedoch deutlich wird, daß er Kenntnis von Orten, Zeiten und Personen besitzt,die keinem Menschen möglich sind. Sechs Jahre später beginnt er mit der Konstruktion einer seltsamen Maschine, kurz darauf findet man ihn bewußtlos, die Maschine verschwunden und die Schriften, die er in den Jahren seiner Amnesie verfasste, verbrannt. Am nächsten Tag kehrt er ins Bewußtsein zurück, ohne sich an die vergangenen sechs Jahre erinnern zu können. Er ist sehr überrascht, nicht an seinem Pult zu stehen und eine Vorlesung zu halten.
Nach einiger Zeit beginnen jedoch die Alpträume, in denen er gefangen ist in einem anderen Körper; in einer anderen Zeit, lange bevor das erste Leben das Festland der Erde eroberte. Die Visionen werden immer deutlicher und auch Erinnerungen, an sein Leben in diesem anderen Körper kommen und werden zu einer fürchterlichen Last. Als eine Expedition in Australien uralte, zyklopische Ruinen findet, deren Datierung ungläubiges Staunen auslöst, muß Professor Peaslee sich der Vergangenheit stellen, den alten Wesen, die vor undenklichen Zeiten auf die Erde kamen und ihre bedeutendsten Geister durch Raum und Zeit mit anderen Personen austauschten, und auf diese Weise Einblick in die Zukunft der Erde und der Rassen, die sie bewohnten und bewohnen werden, nachdem sich das Schicksal der alten Wesen längst erfüllt hat. Er muß sich den namenlosen Schrecken stellen, der in den Ruinen die Jahrmillionen überdauerte, nur so kann er verarbeiten, was mit ihm geschehen ist, ohne wahnsinnig zu werden.
Urteil: "Schatten aus der Zeit" lehnt sich thematisch stark an "Die Berge des Wahnsinns" an. Viele Motive tauchen hier auf, die später wiederverwendet wurden, so z.B. die alten Wesen, die aus dem Weltraum kamen und die Erde bevölkerten, das Wiederentdecken der Ruinen, das unheimliche Etwas, das noch im Zeitalter der Menschen dort lauert, etc. Qualitativ steht das vorliegende Werk den "Bergen des Wahnsinns" in nichts nach, und ist eine der grossen Science-Fiction Stories von Lovecraft, die die späte Phase seines Schaffens repräsentieren, in der er sich des Ballasts aus Okkultismus und schwarzer Magie weitgehend entledigt hatte. (cp)