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Letztes Update: 05.06.2004 |
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Martin, George R. R. (Hrsg.) "Wild Cards 1 - Vier Asse" (Org. "Wild Cards I" [Teil 1]) |
7/10 Punkte
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Copyright: 1986 Verlag: Heyne |
Erschienen: 1996 Übersetzer: Christian Jantzsch |
Form: Taschenbuch Umfang: 318 Seiten |
ISBN: 3-453-10925-2 Preis: DM 12,90 |
Diese "Shared Worlds"-Reihe ist als Experiment einer Reihe von Rollenspielern zu sehen, die versucht haben, die von ihnen gespielten Charaktere und die Welt, in der sie spielen, in Romanform umzusetzen. Damit nicht genug, denn bei den Rollenspielern handelte es sich ausnahmslos (wenn denn die verbreitete Entstehungsgeschichte stimmt) um SF-Autoren, dabei so bekannte Namen wie Vic Milán, Roger Zelazny oder auch Walter Jon Williams. Gemeinsam wurde ein Hintergrund erdacht, der das Rollenspieluniversum der "Superheroes" in ein wissenschaftliches Weltbild rückt, und zugleich eine Alternativgeschichte der Erde entwickelt, die historische Ereignisse mit den fiktionalen Charakteren verbindet. Zusammen mit der Tatsache, daß jeder mitbestimmen konnte, wie "sein" Charakter in den Geschichten der anderen Autoren auftritt, gewährleistete dies, daß trotz der Autorenvielfalt alles einen einheitlichen Eindruck macht. Die Autoren schreiben einzelne Geschichten, die jeweils Teilaspekte der Handlung erzählen, meistens aus der Sicht eines Charakters, so daß sich schließlich alles zu einem Ganzen zusammenfügt.
In diesem ersten Band (wieder einmal werden die amerikanischen Bände für den deutschen Markt in zwei Hälften getrennt verkauft, so daß die erste Trilogie hierzulande sechs Bände umfaßt) schildern Howard Waldrop, Roger Zelazny, Walter Jon Williams sowie Melinda M. Snodgrass die Geschehnisse nach dem ersten Auftreten des "Wild Cards" Viruses im Jahre 1946. Die Geschichte ist schnell erzählt: Außerirdische wollen ein neu entwickeltes Virus, das Superkräfte wecken kann, erproben und nutzen daher die Menschheit, die zufällig genetisch mit den "Takisiern" nahezu identisch ist, als Versuchskaninchen. Einem Takisier geht das Ganze zu weit, er versucht das losgeschickte Raumschiff aufzuhalten, scheitert jedoch und muß auf der Erde notlanden. Das Virus wird direkt über New York freigesetzt und beginnt sein zerstörerisches Werk: es verändert die DNS jedes Infizierten und läßt diesen mutieren. Doch reagiert jedes Individuum anders, die Veränderung kann entweder zum Positiven oder aber zum Negativen hin sein. Da das Ganze einer Art Glücksspiel gleicht, bürgert sich für die Krankheit ein Spielkarten-Jargon ein, so daß der Virus bald "Wild Cards" getauft wird. Schnell stellt sich in der nicht-infizierten Bevölkerung aufgrund ihres teilweise monströsen Aussehens ein Haß gegen die "Joker", wie die verunstalteten Mutanten auch genannt werden, ein. Doch rund ein Zehntel der überlebenden Mutanten sind "Asse", Menschen mit übernatürlichen Fähigkeiten, die in der Lage sind beispielsweise zu fliegen, Panzer hochzuheben oder auch Geschosse abprallen zu lassen. Sie lassen sich äußerlich kaum von normalen Menschen unterscheiden und erleben eine viel subtilere Verfolgung. Die Regierung versucht sie unter ihre Kontrolle zu bekommen oder, falls das nicht möglich ist, ihren Ruf in der Öffentlichkeit zu zerstören.
Urteil: Der Auftaktband verspricht eine abwechslungsreiche Unterhaltungsreihe, ragt aber nur aufgrund seines interessanten Konzepts aus der Masse heraus. Wird abzuwarten sein, wie sich die Reihe weiter entwickelt. (of)
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McCaffrey, Anne Pegasus-Zyklus 1/2 - "Wilde Talente" (Org. "To ride Pegasus") |
5/10 Punkte
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Copyright: 1973 Verlag: Heyne |
Erschienen: Januar 1999 Übersetzer: Joachim Pente |
Form: Taschenbuch Umfang: 334 Seiten |
ISBN: 3-453-14876-2 Preis: DM 14,90 |
Anne McCaffrey ist wohl eher durch ihre Zyklen wie "Die Drachenreiter von Pern" oder auch "Die menschlichen Raumschiffe" bekannt, während der hier in einer Neuauflage vorliegende Roman zu ihrem Frühwerk zählt.
In der nahen Zukunft gelingt es durch Zufall, mittels eines EEGs die Existenz von parapsychologischen Fähigkeiten wie Telekinese und Hellseherei zu beweisen. Die beiden Entdecker gehen mit ihren Erkenntnissen an die Öffentlichkeit, um weitere "Talente" zu finden und so eine eigene Sub-Gesellschaft zu etablieren. Man vergleicht sich selbst mit dem geflügelten PFerd der Mythologie, das hoch in den Himmel steigt während der Rest der Menschheit am Boden weilt.
In episodischer Weise schildert die Autorin diese langsame Entwicklung, immer wieder behindert durch die Versuche einiger "Normaler", die Psi-Talente zu diskreditieren. Doch nachdem die Talente immer wieder durch positive Taten auffallen, bröckelt der Widerstand in der Gesellschaft nach und nach: Hellseher sehen Unglücke voraus, die so verhindert werden können, "Finder" helfen der Polizei bei der Suche nach Verbrechern und so fort.
Die parapsychologischen Zentren können sich über das ganze Land verbreiten und nachdem schließlich auch eine gesetzliche Grundlage für den Schutz der Talente auf den Weg gebracht wurde, steht einer erfolgreichen Integration eigentlich nichts mehr im Wege. Doch kurz vor der Verabschiedung dieses Gesetzes sorgt ein spektakuläres (jedenfalls schildert es McCaffrey so) Verbrechen für Verwirrung - denn allem Anschein nach war hier eine Talentierte am Werk, was natürlich für neues Mißtrauen in der Gesellschaft sorgt ...
Urteil: Die Autorin schafft es, eine ziemlich vielversprechende Idee in ein gerade noch mittelmäßiges Buch umzusetzen. Bereits im Laufe des ersten Teils verliert sich der anfängliche Reiz - zu klischeehaft und uninnovativ wirkt das Ganze. Die verbliebene Hoffnung habe ich dann restlos aufgegeben, als eine junge Mutter sogar das Talent besitzt, die DNS so umzustrukturieren, daß sie nur Wunschkinder zur Welt bringt (das meint John Clute wahrscheinlich, wenn er davon spricht, McCaffrey schreibe für ein "predominantly female adolescent audience") - wenigstens quält uns die Autorin nicht mit pseudo-wisenschaftlichen Erklärungsversuchen für solche Phänomene.
Wahrlich kein Meisterwerk ... höchstens McCaffrey-Fans sollten mal reinschauen, denn angeblich wird hier die Grundlage für den "Rowan"-Zyklus gelegt. (of)
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McCaffrey, Anne Pegasus-Zyklus 2/2 - "Der Flug des Pegasus" (Org. "Pegasus in Flight") |
4/10 Punkte
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Copyright: 1990 Verlag: Heyne |
Erschienen: 1999 (DE) Übersetzer: Ulrike Ziegra |
Form: Taschenbuch Umfang: 366 Seiten |
ISBN: 3-453-14877-0 Preis: DM 14,90 |
Jahrzehnte sind seit den Ereignissen in "Wilde Talente" vergangen und die Psi-Begabten haben sich zumindest im Prinzip in der Gesellschaft etabliert. Doch noch immer stoßen sie bei einigen Sturköpfen bei Abneigung, und zu allem Überfluß gehört die Leiterin der sich im Bau befindlichen Weltraumstation just zu dieser Gruppe. Mit Gesetzen und Drohungen verucht sie - selbst nur an den Prämien für eine frühe Fertigstellung interessiert - die Telekinten trotz angebrachter Einwände zur Arbeit auf ihrer Station zu zwingen ... Rhyssa Owen, Leiterin des Psi-Instituts, versucht alles in ihrer Macht stehende, um zumindest angemessene Arbeitsbedingungen für ihre Schützlinge zu erreichen. Und als ob dies nicht genug wäre, häufen sich auch noch Kindesentführungen in den riesigen Wohnkomplexen der Arbeiterviertel, bei denen die Polizei auf der Stelle tritt und dringend auf die Hilfe von Psi-Begabten angewiesen ist.
Inmitten all diesem Ärger wird das Institut auf zwei jugendliche Talente aufmerksam, die ihrer Begabung selbst noch gar nicht bewußt sind und daher spezielles Training benötigen: zum Einen ein Sprachtalent, daß sich in den Wohnkomplexen durch Gaunereien über Wasser hält, und zum Anderen - ganz nach dem Motto "größer, höher, weiter" - ein ursprünglich gelähmter Junge, der durch Anzapfen elektrischer Energien unheimliche telekinetische Kräfte entwickelt. Und wie nicht anders zu erwarten, sind diese Kinder der Schlüssel zur Lösung der dringendsten Probleme ...
Urteil: Die Hoffnung, daß sich die Autorin im Laufe der Jahre weiterentwickelt hat, und ihre Bücher nun endlich etwas mehr Spannung oder Tiefgang zu bieten haben, wird leider bitter enttäuscht. Sie tritt auf der Stelle und verpaßt es, ihre Fiktion weiterzuentwickeln - einzig die sozialen Veränderungen seit dem ersten Band lassen sich hier positiv hervorheben. Sogar die schon in "Wilde Talente" nervende Unüberzeugbarkeit der Psi-Gegner, die ja mittlerweile eines besseren belehrt worden sein sollten, hält unvermindert an.
Ich kann nur hoffen, daß der "Pegasus"-Zyklus nicht repräsentativ für McCaffreys Qualität ist, denn ansonsten kann ich nur jedem von dieser Autorin abraten ... einzig Fans von Lois McMaster Bujold oder vergleichbaren Schreibern sollten auch auf dieses Werk mal einen Blick werfen. (of)
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McCollum, Michael Antares-Zyklus 1/2 - "Antares erlischt" (Org. "Antares Dawn") |
4/10 Punkte
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Copyright: 1986 Verlag: Heyne |
Erschienen: 1997 Übersetzer: Walter Brumm |
Form: Taschenbuch Umfang: 381 Seiten |
ISBN: 3-453-09443-3 Preis: DM 16,90 |
Der erste Teil des Antares-Zyklus befaßt sich mit der ersten Kontaktaufnahme Altas mit dem Rest der menschlichen Hegemonie nach über 100 jähriger Isolation. Das Wiedererscheinen des Faltpunktes wird bemerkt, als ein unbekanntes Raumschiff unerwartet in das System eindringt. Es ist ein gigantisches Schlachtschiff der irdischen Flotte, daß in einer verheerenden Schlacht zum Wrack geschossen wurde, und mit seiner toten Besatzung vom Autopiloten durchs Weltall gesteuert wird. Wer war der Feind, der ein Schiff bezwang das alleine ausgereicht hätte, ganz Alta zu pulverisieren? Und was geht im Raum der Menschheitshegemonie vor? Eine Expedition unter Kapitän Drake soll die Antwort bringen. Doch nicht genug, daß er sich mit sturen Wissenschaftlern und intriganten Politikern herumärgern muß, nach der Ankunft im Nachbarsystem Hellsgate wird er sich wünschen, die Isolation Altas wäre nie vorübergegangen.
Urteil: McCollum läßt mal wieder kaum Klischees aus, egal wie abgedroschen sie sind. Die Charaktere können sich so gut wie nie über bloße Stereotypen erheben, der Held macht sowieso keine Fehler und kriegt folgerichtig am Ende das Mädchen. Deja vù. Aber ich will nicht so viel lästern, der Roman liest sich flott, für Spannung ist gesorgt, ansonsten kann man die Kritik am 2. Teil auch hier anbringen, wobei Teil 1 doch etwas flüssiger und in sich geschlossener wirkt und sich nicht in endlosen Manöverberichten verzettelt. (Na ja nach "Brittle Innings" hätte ich wohl eh an jedem Buch was positives gefunden.) (cp)
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McCollum, Michael Antares-Zyklus 2/2 - "Antares Passage" (Org. "Antares Passage") |
3/10 Punkte
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Copyright: 1987 Verlag: Heyne |
Erschienen: 1998 Übersetzer: Walter Brumm |
Form: Taschenbuch Umfang: 396 Seiten |
ISBN: 3-453-13312-9 Preis: DM 14,90 |
In 600 Jahren hat sich die Menschheit über einen großen Bereich dieses Spiralarmes der Galaxis ausgebreitet und Kolonien auf den Welten gegründet, die durch sog. "Faltpunkte" erreichbar waren. Diese Faltpunkte sind Verwerfungen des Raumes aufgrund der Gravitation des schwarzen Loches im Zentrum der Galaxis. Sie ermöglichen es Schiffen, fast ohne Zeitverlust von einem Faltpunkt zum nächsten zu reisen, quasi als interstellare Abkürzung. Als der Riesenstern Antares zur Nova wurde, sind die Faltpunkte im gesamten Raum der Menschheitshegemonie durcheinandergewirbelt worden; Sterne die keine FP hatten, erhielten welche, und umgekehrt. Alta hat das Glück, wieder an den Raum der Menschheit angeschlossen zu sein, nachdem ein verlassenes Schiff die Passage durch das immer noch stark strahlende Antares System geschafft hat. Eine Expedition wird zusammen mit dem Nachbarsystem aufgestellt, um Antares zu erforschen. Dabei wird ein neuer Faltpunkt entdeckt, der mitten in den Raum der Ryall führt; einer kentauroiden Rasse, deren einziges Ziel es ist, die Menschheit auszurotten, da sie an einer entwicklungsgeschichtlich verursachten, kollektiven Paranoia leiden, die von einer anderen intelligenten Raubtierspezies verursacht wurde, gegen die sie einen Jahrtausende währenden Kampf zu bestehen hatten. Auf der Expedition fallen der Menschheit Pläne in die Hände, die ihnen die Chance geben, den Zermürbungskrieg, den sie zu verlieren drohen, mit einem Schlag zu gewinnen. Aber es ist ein Và banque-Spiel, von dem das weitere Bestehen der Menschheit abhängt.
Urteil: Durchaus spannend, mit der obligatorischen Love-story versetzt, ein paar wissenschaftliche Hintergründe. Aber wenn man gute Zutaten planlos zusammenkippt kommt auch noch lange kein gutes Essen dabei heraus. Es ist ja in der Hard SF durchaus üblich, sich nicht sehr um Charaktere zu kümmern, solange die Technik stimmt, aber so einfallslos hingeklatschte Gesellschaftssysteme und Charaktere gehen mir dann doch über die Hutschnur. Das der Supertaktiker in der Admiraluniform auch noch Drake hieß, gab mir endgültig den Rest. Wer minutiöse Darstellungen von Militäroperationen will, kann auch den Hornblower-Zyklus von C.S. Forester lesen, der spielt zwar nicht im Weltraum, hat dafür aber Stil. Wem die Battletech-Romane gefallen haben, wird an diesem Zyklus auch seinen Spaß haben. So, ich warte jetzt auf die Fortsetzung hinter dem Cliffhanger, damit ich die auch noch runtermachen kann. (cp)
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McDevitt, Jack "Die ewige Straße" (Org. "Eternity Road") |
7/10 Punkte
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Copyright: 1997 Verlag: Bastei Lübbe |
Erschienen: 1998 Übersetzer: Alex Merz |
Form: Taschenbuch Umfang: 443 Seiten |
ISBN: 4-404-24245-9 Preis: DM 12,90 |
Die ewige Straße ist alles was von der einst so großartigen Zivilisation der Straßenbauer übriggeblieben ist. Ruinen von gewaltigen Ausmaßen, überwuchert von der alles zurückerobernden Natur. Einige Nachkommen dieser Menschen leben auf weit verstreuten Siedlungen und fragen sich zeit ihres Lebens, wer diese Leute wohl waren, die Städte wie New Orleans oder Memphis bauten, und mit Materialien hantierten, die nun völlig unbekannt sind. Was immer diese Kultur war, nun ist es verloren, denn so solide ihr Plastikmüll und ihre Stahlbetonarchitektur war, so anfällig war das Papier ihrer Bücher, das schon seit Jahrhunderten zu Staub zerfallen ist. Ganz wenige allerdings wurden gerettet, denn irgendwo im Norden soll sich eine Zuflucht der letzten Straßenbauer befunden haben. Haven ist das Ziel aller Träume der Menschen, doch die wenigsten wagen, danach zu suchen, denn niemand kam je von einer Expedition zurück. Nun will sich Chaka Milana auf die Suche machen, denn ihr Bruder, der bei der letzten Expedition ums Leben kam, schien Haven gefunden zu haben. Mit einer bunt zusammengewürfelten Truppe wagt sie die mörderische Reise nach Norden. In vielen der alten Ruinen steckt immer noch eine Art von seltsamen Leben, das einem Reisenden zum Verhängnis werden kann. Die Meisten ihrer Gefährten werden das Ende der Suchr nicht erleben, doch es geht um mehr als nur um Wissen der Vergangenheit: Wer die ewige Straße verlässt, weil ihm die Suche zu verlustreich wird, wessen Angst die Neugier und den Forscherdrang besiegt, der gibt freiwillig den Großteil seines Menschseins preis, denn das ist es doch, worum sich alles in einer Zivilisation dreht: Fragen stellen, suchen, Fortschritt. Diese Kraft, die unsere Vorfahren von den Bäumen getrieben hat, trieb Columbus über den Atlantik und treibt auch Chaka nach Norden. Und auch wenn sie keine Bücher der Straßenbauer findet, so findet sie doch etwas über sich selbst heraus.
Anmerkung: Was ich an "Gottes Maschinen" zu kritisieren hatte, nämlich, dass sehr viele gute Ansätze nicht konsequent genug weiterverfolgt wurden, ist hier nicht zu bemängeln. McDevitt beschränkt sich selbst und lässt nicht Dutzende verschiedene Deutungsansätze hilflos im Raum schweben. In diesem Fall war weniger mehr, denn es bleibt nicht das schale Gefühl zurück, dass es eins der zehn besten Bücher sein könnte, aber die Chance leichtfertig vergeben wurde. Auf jeden Fall ist McDevitt ein Autor der jedem SF-Puristen gefallen müsste. (Ich rede nicht von Hard SF). Mehr als nur Unterhaltung, aber niemals in abstruse Konstruktionen abschweifend, eine rundum gelungene Sache, die ich jederzeit empfehlen kann. (cp)
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McDevitt, Jack "Gottes Maschinen" (Org. "The Engines of God") |
4/10 Punkte
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Copyright: 1994 Verlag: Bastei Lübbe |
Erschienen: 1996 Übersetzer: Alex Merz |
Form: Taschenbuch Umfang: 567 Seiten |
ISBN: 3-404-24208-4 Preis: DM 16,90 |
Laut Verlag handelt es sich um einen "archäologischen Science-Fiction Roman" von dem Phillip K. Dick-Award-Preisträgers Jack McDevitt. Die Handlung wäre damit auch schon mal sehr grob umrissen, allerdings geht es etwas umfangreicher und handlungsvoller zu Werke, als es dieser Halbsatz aussagt. Es dreht sich nämlich in der Hauptsache um ein Team von Archäologen, die auf einer Welt namens Quraqua die Überreste einer untergegangenen Zivilisation erforschen. Leider soll diese Welt möglichst schnell terraformt werden, denn die Erde befindet sich aufgrund der anhaltenden Umweltzerstörung am Rand des totalen ökologischen Zusammenbruchs. So müssen die Archäologen im Wettlauf gegen die Terraformer enträtseln, wieso es zu einem zweimaligen Zusammenbruch der Zivilisation kam, wieso auf dem Mond dieses Planeten eine Attrappenstadt gebaut wurde, und vor allem: von wem, denn die Einheimischen haben nie Raumfahrttechnologie entwickelt. Außerdem scheint es eine Verbindung zu geben zu einer mysteriösen raumfahrenden Rasse, die vor Jahrtausenden in vielen Sonnensystemen, unter anderem auch in unserem, Monumente erbauten; Statuen von sich. Unter Einsatz ihres Lebens gelingt es ihnen, soviele Artefakte wie möglich zu retten, daraus ergeben sich zwar einige Antworten, aber auch viele neue Fragen. So entdecken sie zwar die Heimatwelt der Monumenterbauer, doch auch sie scheinen ausgelöscht zu sein, so wie alle bekannten Kulturen anscheinend einem 8000-jährigen Zyklus unterworfen sind, an dessen Ende die urplötzliche Auslöschung der Zivilisation steht und der Rückfall in die Barbarei. Wenn diese Hypothese stimmt, dann steht der Menschheit ebenfalls ein jüngstes Gericht unmittelbar bevor.
Anmerkung: Zweifellos ein interessantes, weil mehrschichtiges Buch. Um diese Aussage näher zu erläutern, sollte ich vielleicht mal sagen, was ich mit mehrschichtig meine: Man kann ein Buch immer unter zwei Hauptaspekten beurteilen: Einmal die reine Fiktion, d.h. die Art der Idee - damit meine ich besonders einfallsreich kostruierte Wendungen der Handlung oder bemerkenswerte, originelle Universen, Technologien oder auch Gesellschaftsformen. Der zweite Punkt ist die Intention oder auf gut Neudeutsch die "Message", also die berühmte Frage: Was will uns der Autor damit eigentlich sagen?
Zur fiktiven Ebene kann ich nur sagen, daß sie hervorragend gestaltet ist. McDevitt bringt einige, meiner Ansicht nach originelle Elemente in das ohnehin extrem weit gefaßte Genre. Bei der Intention hakt es allerdings etwas: Ich kann mir zwar denken, daß hier ein Plädoyer gegen die rücksichtslose Ausbeutung der Erde und die Kurzsichtigkeit der Menschen gehalten wird, die nur an Symptomen herumdoktern, anstatt sich den Ursachen unserer ökonomischen und sozialen Problemen zu widmen, nur bleibt hier vieles im Ansatz stecken, weil die vielgescholtenen rhetorischen Mittel nicht konsequent eingesetzt wurden, bzw. in der Übersetzung wohl teilweise über den Jordan gingen. (cp)
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McDonald, Ian "Narrenopfer" (Org. "Sacrifice of Fools") |
8/10 Punkte
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Copyright: 1996 Verlag: Heyne |
Erschienen: September 1998 (DE) Übersetzer: Jakob Leutner |
Form: Taschenbuch Umfang: 445 Seiten |
ISBN: 3-453-14867-3 Preis: DM 16,90 |
Nachdem sich der gebürtige Engländer schon in mehreren Kurzgeschichten mit den außerirdischen "Shian" beschäftigt hat, ist hierzulande nun auch ein Roman erschienen, der sich ausführlich dieser Thematik annimmt.
Das Ganze spielt im Irland der nahen Zukunft - drei Jahre nachdem plötzlich eine außerirdische Flotte mit rund acht Millionen Shian an Bord auftauchte und um Siedlungsrecht bat. Im Gegenzug dazu lieferten sie der Menschheit technologisches Know-How, so daß wasserbetriebene Maschinen mittlerweile zum Alltag gehören. Die "Zuwanderer" wurden auf verschiedene Länder verteilt, unter anderem eben auch auf Irland. Man erhoffte sich davon eine Beilegung des fortwährenden Konflikts zwischen Protestanten und Katholiken, was auch, jedenfalls an der Oberfläche, gelang: Es wurde die "Joint Authority" gegründet, die beide Parteien gleichstellt und Nordirland auf diese Weise gemeinsam regiert wird.
Andy Gillespie, früher selbst aktives Mitglied einer der zahlreichen radikalen Parteien, hat den Großteil der letzten drei Jahre jedoch im Gefängnis verbracht, und erst dort wurde ihm klar, wie unbefriedigend sein bisheriges Leben verlief. Denn als er dort einen ebenfalls einsitzenden Shian kennenlernt und immer mehr über deren Wesen und Kultur in Erfahrung bringt, erkennt er in dem sozialen und juristischen System der Shian seine eigenen Werte wieder und faßt daher den Entschluß, sich nach seiner Entlassung für die Rechte der Außerirdischen einzusetzen. Denn obwohl sie äußerlich den Menschen in großen Zügen ähneln, unterscheiden sie sich doch im Innern enorm: Nicht nur die Geschlechtertrennung ist für den größten Teil des Jahres aufgehoben (nur für die halbjährlichen Wochen des "Kesh", in denen der komplette Alltag der Shian zum Erliegen kommt und man sich nur den Trieben hingibt), auch ihre Moralvorstellungen weichen in manchen Dingen erheblich von den unseren ab: so ist zum Schutz der eigenen Kinder jedes Mittel legitim, und sei es Mord. So sind Probleme natürlich vorprogrammiert, wenn Shian ihrem Recht nachgehen und dadurch menschliche Vorschriften mißachten.
Gillespie findet dann auch sofort Arbeit im Belfaster "Welcome Center", das beispielsweise reisende Shian in eine der zahlreichen Kommunen unterbringt und für die Probleme zwischen Menschen und Außerirdischen zuständig ist. Er fühlt eine bisher unbekannte Geborgenheit und wird von seinen Mitarbeitern als Mitglied der "Familie" akzeptiert. Doch all dies wird ihm abrupt genommen, als er eines Tages die ganze Familie regelrecht abgeschlachtet vorfindet. Es gibt keine Zeugen und die Polizei hat keine Anhaltspunkte, aufgrund seiner Vergangenheit ist jedoch unser Protagonist schnell Verdächtiger Nummer Eins. Als aber auch nach dessen Verhaftung die Massaker (auch an Menschen) weitergehen, wird schnell klar, daß der wirkliche Täter noch auf freiem Fuß ist. Zusammen mit einer Shian-Anwältin stellt Gillespie nun seine eigenen Ermittlungen an und versinkt immer tiefer in einem Netz aus Lügen, Vertuschungen und Gewalt ... nur um schließlich zu erkennen, daß sogar er die Shian nicht wirklich versteht.
Urteil: McDonald versteht es wirklich, die Geschichte im Fluß zu halten. Trotz der ernsten Thematik und dem nicht gerade zimperlichen Umgang mit seinen nordirischen Mitmenschen, gelingt es ihm immer wieder durch einen Schuß Sarkasmus die Stimmung aufzulockern.
Ebenfalls erwähnenswert ist an dieser Stelle die gewissenhafte Übersetzung (so scheint es jedenfalls), denn die häufig Verwendung findenden Anspielungen auf die irische Geschichte bzw. irische Idiome werden in Fußnoten erläutert. So gewinnt man auch ohne größere Kenntnisse der besonderen Problematik dieses Landes einen guten Einblick in die Denkweise der Bevölkerung. Immer wieder betont der Autor auch die Frage der "Zugehörigkeit" und vergleicht die Situation von Gillespie - der sich zwischen den Shian und den Menschen befindet - mit dem Problem, sich zwischen den beiden Gegensätzen England bzw. Irland aufzuhalten.
Alles in allem eine erfrischende Lektüre, die großen Lesespaß auf gehobenem Niveau bietet. (of)
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McQuay, Mike / Clarke, Arthur C. "Stärke 10" (Org. "Richter 10") |
7/10 Punkte
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Copyright: 1996 Verlag: Heyne |
Erschienen: 1999 (DE) Übersetzer: Kristina Ruhl |
Form: Taschenbuch Umfang: 477 Seiten |
ISBN: 3-453-15051-1 Preis: DM 16,90 |
Seit Lewis Crane als Kind bei einem Erdbeben seine Eltern verlor, ist er von einem Gedanken besessen: Dieser zerstörerischen Naturgewalt Einhalt zu gebieten. Er wird der führende Geologe und schart weitere Experten um sich. Seine ersten Erfolge bestehen darin, schon lange vor der Katastrophe auf die Stunde genaue Bebenvorhersagen zu machen und die Schäden der betroffenen Gebiete vorher exakt berechnen zu können. Doch in einer Zeit, in der die Umwelt so gut wie zerstört ist, die Welt von fanatischen religiösen Gruppen und riesigen Industriekonzernen regiert wird, kommen Erdbeben den Mächtigen manchmal sehr gelegen. Deshalb sabotieren sie seine Arbeit, fälschen seine Berechnungen und geben ihn der Lächerlichkeit preis. Doch Crane läßt sich nicht unterkriegen, er hat seinen Traum immer noch vor Augen, sein größtes Projekt: Die Beendigung aller Erdbeben, die Verschweißung der Kontinentalplatten zu einem einzigen, dem Urkontinent Pangäa ähnlichen, festen Erdmantel. Doch auf seinem Weg zurück nach oben hat Crane sich Feinde gemacht: den Führer der extrem militanten Black Nation of Islam, Ishmael, und seinen ehemaligen Chefwissenschaftler, Dan Newcombe, der zu den schwarzen Moslems übergelaufen ist. Sie zerstören alles wofür er gelebt hat, seinen Traum, seine Familie aber sie schaffen es nicht ihn zu brechen. Er gibt seinen Traum von einer besseren Welt nicht auf.
Anmerkung: Schade, da wäre mehr drin gewesen. Der Roman liegt zwar über dem Durchschnitt, aber einige wirklich großartige Ideen hat der Autor leider völlig ungenutzt verpulvert. Dafür wirkt dann der Schluß etwas konstruiert, als alle Verwicklungen auf Teufel komm raus gelöst werden. Irgendwie kommt mir es so vor, als hätte jemand McQuay gesagt, mit einem Happy End läßt sich mehr verdienen, und daraufhin hat er noch schnell eins gebastelt. Aber ich will das Buch nicht schlechtreden, das hat es wirklich nicht verdient. Ich hab nur ein Problem mit solchen Co-Produktionen: Ein Autor mit einem bekannten Namen (Arthur C. Clarke zum Beispiel) kommt auf eine gute Idee, ist aber zu faul selber was draus zu stricken. Also schickt er eine Notiz mit der Idee an einen jungen, unbekannteren Autor, der sich dann die Finger blutig schreibt, um aus dem Brocken den er hingeworfen bekam, was zu machen. Dafür steht dann sein Name schön klein unter dem seines etablierten Ideengebers, obwohl er die ganze Arbeit hatte. Ich würde sagen, wenn Mr. Clarke keine Lust hat, einen ganzen Roman zu schreiben, soll er's halt lassen. Aber ein junger Autor sollte lieber mit eigenen originellen Ideen und Konzepten aufwarten, statt die Abfälle von Genrekoryphäen zu verwerten und mit deren Namen auf dem Cover die schnelle Mark machen zu wollen. Hugh, ich habe gesprochen. ("Stärke 10" ist trotzdem lesenswert) (cp)
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Miller jr., Walter M. "Lobgesang auf Leibowitz" (Org. "A Canticle for Leibowitz") |
8/10 Punkte
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Copyright: 1959 Verlag: Heyne |
Erschienen: 1973 Übersetzer: Jürgen Saupe und Erev |
Form: Taschenbuch Umfang: 286 Seiten |
ISBN: n.a. (Heyne 06/3342) Preis: DM 4,80 |
| Hugo Award 1961 |
Die Erde nach einem nuklearen Holocaust - eines der klassischen Themen in der Science Fiction. Als sich Walter M. Miller jr. Ende der 50er Jahre mit diesem Stoff beschäftigte, schwebte die atomare Bedrohung gleich einem Damoklesschwert über der Welt und Hiroshima war noch allen präsent. Dieser historische Kontext in Verbindung mit dem persönlichen Hintergrund Millers ist wahrscheinlich dafür verantwortlich, dass "Lobgesang für Leibowitz" eine herausragende Position in diesem Subgenre einnimmt und sich ohne Zweifel zu den großen Werken der SF zählen lässt.
Das Buch setzt einige Jahrhunderte nach einem verheerenden Atomkrieg ein, als die Menschheit - oder das, was von ihr übrig geblieben ist - sich gerade einmal auf dem technischen und intellektuellen Stand des Mittelalters befindet: Im Zuge der "großen Vereinfachung" wurden alle Gelehrten getötet und alle Aufzeichnungen verbrannt, so dass das Wissen von Jahrtausenden verloren ging. Einzig eine in der nordamerikanischen Wüste gelegene Klostergemeinschaft hat sich auf die Fahnen geschrieben, das Andenken an einstige Errungenschaften hoch zu halten und die wenigen erhaltenen "Memorabilien" zu beschützen, bis die Menschheit dieses dunkle Zeitalter hinter sich gelassen hat.
Dies scheint im zweiten Teil der Handlung auch der Fall, als sich - 600 Jahre später - erste Wissenschaftler auf den Weg in die Klostergemeinschaft machen, um die dort verwahrten Aufzeichnungen zu untersuchen. Wer nun denkt, das Buch bekäme eine positivere Grundstimmung, der kennt Miller schlecht: keine Chance lässt er aus, um in seiner zynischen Art und Weise auf das im Menschen steckende Übel hinzuweisen - sogar einen Protagonisten rafft er kurzerhand dahin, als dieser nach endlosem Leid gerade ein Licht am Ende des Tunnels erblickt.
Diese Geisteshaltung Millers findet im letzten Teil des Buches ihre Klimax, als sich die Menschheit rund ein halbes Jahrtausend später wieder zu neuen Höhen aufschwingt: unweigerlich steuert man erneut auf einen globalen Konflikt zu, den man diesmal (die Folgen eines Atomkrieges noch immer vor Augen) wohl friedlich zu lösen versucht - oder doch nicht?
Wie kaum ein anderes Buch zuvor veranlasste mich "Lobgesang fü Leibowitz" zum Kopfschütteln ob der unglaublichen Dummheit des homo sapiens. Sicher, es ist nur eine Fiktion, aber - und das ist wohl das eigentlich Erschreckende - das Szenario ist durchaus plausibel. Neben der Handlung trägt jedoch auch Millers Erzählstil zu der beklemmenden Atmosphäre bei, der sehr geschickt mit den Emotionen des Lesers spielt und ihn durch die beiden Unterbrechungen der Handlung immer wieder desorientiert. Alles in allem also eine uneingeschränkte Empfehlung - wenn man nicht gerade zu Depressionen neigt. (of)